Rallye voraus? Neue Daten zeigen: Profi-Anleger halten im Krypto-Crash durch und kaufen nach

Raphael Lulay

30.09.2026, 09:40 Uhr

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Im Crash gehalten, teils nachgekauft: Trotz rund 50 Prozent Marktrückgang meldete keine der von Bitwise interviewten Institutionen eine Kürzung ihrer Krypto-Allokation.
  • Krypto fest im Portfolio: Die berichteten Anteile liegen zwischen 0,5 und 13 Prozent des investierbaren Vermögens, überwiegend bei 1 bis 2 Prozent.
  • Allokationen steigen wieder: CoinShares ermittelt 1,2 Prozent Krypto-Anteil – den ersten Anstieg seit Oktober 2025, ausschließlich getragen von institutionellen Anlegern.
  • Milliarden fließen in Bitcoin-ETFs: US-Spot-ETFs verbuchen vom 17. bis 29. September neun positive Handelstage in Folge und netto rund 3,08 Milliarden US-Dollar Zuflüsse.
  • Privatpersonen halten die Mehrheit: Laut River entfallen auf sie 13,98 Millionen BTC – 66,6 Prozent der maximalen Bitcoin-Gesamtmenge.

Bitcoin und Co. notieren trotz der jüngsten Erholung weiterhin deutlich unter ihren Allzeithochs. Bei Bitcoin steht einem Kurs von zuletzt rund 83.600 US-Dollar ein Rekord von mehr als 126.000 US-Dollar gegenüber – ein Abstand von etwa einem Drittel. Der neue Marktreport von boersen-parkett.de zeigt jedoch: Gerade das Verhalten professioneller Anleger liefert Gründe für Optimismus. Sie halten an Krypto fest, nutzen Rückgänge für Zukäufe und erhöhen wieder ihre Portfolioanteile. Auch über Bitcoin-ETFs fließen erneut Milliarden in den Markt.

Zwischen Oktober 2025 und April 2026 verlor der Kryptomarkt rund 50 Prozent seines Wertes. Bei den interviewten institutionellen Anlegern blieb der Rückzug dennoch aus, wie eine aktuelle Bitwise-Studie zeigt: Keine Institution berichtete, ihre Krypto-Allokation während des Ausverkaufs reduziert zu haben. Mehrere kauften sogar nach. Veröffentlicht wurde die Bitwise-Studie am 23. September 2026.

Bitwise führte dafür im März und April 2026 insgesamt 15 Interviews, unter anderem mit Vertretern von Staatsfonds, Pensionsfonds, Stiftungen und Family Offices. Die Untersuchung ist eine Momentaufnahme ausgewählter Großanleger. Deren Verhalten fällt allerdings auf: Selbst ein Einbruch um die Hälfte brachte sie nicht von ihrem Engagement ab.

Auch die Größenordnung der Positionen ist bemerkenswert. Die berichteten Krypto-Allokationen reichen von 0,5 bis 13 Prozent des investierbaren Vermögens. Meist liegen sie zwischen 1 und 2 Prozent. Alle interviewten Institutionen, die bereits Kryptowährungen halten, besitzen Bitcoin.

Krypto-Allokationen der von Bitwise interviewten institutionellen Anleger reichen von 0,5 bis 13 Prozent des investierbaren Vermögens und liegen meist zwischen 1 und 2 Prozent.
Grafik: boersen-parkett.de, erstellt mit KI-Unterstützung.

Schon am unteren Ende können erhebliche Summen stehen: Bei einem beispielhaften Anlagevermögen von zehn Milliarden US-Dollar entsprechen 0,5 Prozent einer Position von 50 Millionen US-Dollar. Bei 2 Prozent wären es 200 Millionen US-Dollar. Kleine Portfolioanteile können für den Kryptomarkt also große Nachfrage bedeuten.

Ein weiterer Befund kommt von CoinShares. An dessen Umfrage vom Juli 2026 nahmen 30 Investoren mit zusammen rund 1,16 Billionen US-Dollar verwaltetem Vermögen teil. Die erfasste Digital-Asset-Allokation stieg auf 1,2 Prozent – erstmals wieder seit dem Ausverkauf im Oktober 2025.

Der Anstieg wurde laut CoinShares ausschließlich von institutionellen Anlegern getragen. Diese schichteten sogar aus Anleihen und Rohstoffen um. Die Infografik von boersen-parkett.de veranschaulicht damit eine Entwicklung, die über das bloße Festhalten an bestehenden Positionen hinausgeht: In dieser Befragung wächst der Anteil digitaler Vermögenswerte wieder.

Digital-Asset-Allokation steigt in der CoinShares-Umfrage vom Juli 2026 auf 1,2 Prozent. Befragt wurden 30 Investoren mit zusammen 1,16 Billionen US-Dollar verwaltetem Vermögen.
Grafik: boersen-parkett.de, erstellt mit KI-Unterstützung.

Interessant sind auch die Motive. Diversifikation und Kundennachfrage machen zusammen die Hälfte der genannten Investitionsgründe aus. Am stärksten an Bedeutung gewann jedoch die Einschätzung, dass digitale Vermögenswerte attraktiv bewertet sind. Die niedrigeren Kurse werden von einem Teil der Befragten somit als Gelegenheit wahrgenommen.

Die beiden Untersuchungen erfassen unterschiedliche Anlegergruppen und Zeitpunkte. Ihr gemeinsamer Befund ist dennoch ermutigend: Großes Kapital hat Krypto keineswegs abgeschrieben. Auf das Durchhalten während des Einbruchs folgen Hinweise auf eine wieder steigende Investitionsbereitschaft.

Anders fällt das Bild in Teilen des Marktes für Krypto-Treasury-Unternehmen aus. Galaxy beschreibt in einer Analyse vom April 2026, wie die Euphorie des Sommers 2025 nachgelassen hat. Mehrere Anbieter hatten bereits Kryptobestände verkauft, um Aktienrückkäufe oder Schuldentilgungen zu finanzieren. Galaxy erwartet eine Konsolidierung, bei der größere, finanzstärkere Unternehmen kleinere Wettbewerber übernehmen könnten.

Damit bekommt die Vorstellung Risse, immer neue börsennotierte Unternehmen würden dauerhaft als zusätzliche Käufer auftreten. Für den Gesamtmarkt könnte eine Bereinigung aus unserer Sicht sogar positiv sein: Entscheidend ist, ob langfristig neue Nachfrage entsteht, auch wenn ein Teil der Treasury-Nachahmer ausscheidet.

Genau dafür liefern die US-Bitcoin-Spot-ETFs derzeit konkrete Zahlen. Vom 17. bis zum 28. September verzeichneten sie an acht aufeinanderfolgenden Handelstagen Nettozuflüsse. Nach Daten von Farside summierten sich diese auf 3,009 Milliarden US-Dollar.

Besonders stark waren der 21. September mit 999 Millionen und der 22. September mit 714,7 Millionen US-Dollar. Auf diese beiden Tage entfielen rund 57 Prozent der gesamten Zuflüsse des betrachteten Zeitraums.

US-Bitcoin-Spot-ETFs verzeichnen vom 17. bis 28. September 2026 acht positive Handelstage in Folge mit insgesamt 3,009 Milliarden US-Dollar Nettozuflüssen.
Grafik: boersen-parkett.de, erstellt mit KI-Unterstützung.

Am 29. September setzte sich die Serie mit weiteren 66,2 Millionen US-Dollar fort. Damit stehen neun positive Handelstage und insgesamt rund 3,076 Milliarden US-Dollar zu Buche. Die ETF-Daten unterscheiden zwar nicht zwischen privaten und institutionellen Käufern. Sie zeigen aber, dass tatsächlich frisches Kapital in Bitcoin-Produkte fließt.

Wie bedeutend private Anleger indes weiterhin sind, zeigt eine im September veröffentlichte River-Auswertung: Privatpersonen halten demnach geschätzt 13,98 Millionen Bitcoin. Das entspricht 66,6 Prozent der maximalen Gesamtmenge von 21 Millionen BTC. Auf Unternehmen, Fonds und ETFs sowie Staaten entfallen zusammen 16,7 Prozent.

Bitcoin-Verteilung laut River zum 8. September 2026: Privatpersonen halten 66,6 Prozent der maximalen Gesamtmenge von 21 Millionen BTC, Unternehmen 7,8 Prozent, Fonds und ETFs 6,9 Prozent sowie Staaten 2,1 Prozent.
Grafik: boersen-parkett.de, erstellt mit KI-Unterstützung.

Während die von Bitwise befragten Großanleger im Crash durchhielten und mehrere nachkauften, bleibt damit auch die private Nachfrage ein entscheidender Faktor. Sollten weitere Kursanstiege bei Privatanlegern eine neue Welle des Interesses auslösen, könnte dies die Aufwärtsbewegung zusätzlich verstärken. Die stabilen institutionellen Allokationen und die jüngsten ETF-Zuflüsse schaffen dafür aus unserer Sicht eine ermutigende Ausgangslage.

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