Anthropic Börsengang: 518 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur – Krypto-Perps preisen 2 Billionen ein

Raphael Lulay

29.09.2026, 08:49 Uhr

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Der KI-Entwickler Anthropic will in den kommenden Jahren 518 Milliarden US-Dollar in Cloud, Rechenleistung und Infrastruktur stecken. Das geht aus dem Börsenprospekt des Unternehmens hervor, über den am Montag erstmals berichtet wurde. Gleichzeitig weist das Dokument für 2025 einen Nettoverlust von 42 Milliarden Dollar aus.

Der Börsengang des Claude-Entwicklers soll nach den US-Zwischenwahlen im November stattfinden. Im Raum steht eine Bewertung von mehr als 2 Billionen Dollar. Das wäre mehr als doppelt so viel wie die rund 965 Milliarden Dollar aus der Finanzierungsrunde im Mai.

Auf Kryptobörsen, wo Anthropic bereits über synthetische Pre-IPO-Kontrakte gehandelt wird, sorgte der Prospekt kaum für Bewegung.

Anthropic Verlust 2025: Was hinter den 42 Milliarden Dollar steckt

Der Großteil des Verlusts ist ein Buchungseffekt. Rund 34 Milliarden Dollar entfallen laut Prospekt auf eine nicht zahlungswirksame Belastung. Sie hängt mit Finanzierungen zusammen, die später in Aktien umgewandelt werden könnten. Operativ, also ohne diese Abschreibungen, lag der Verlust bei gut 8 Milliarden Dollar.

Auf der Umsatzseite ist das Wachstum steil. Die Erlöse stiegen 2025 um das Zwölffache auf knapp 4,6 Milliarden Dollar. Fast ein Viertel davon stammte allerdings von nur zwei Kunden. Anthropic weist im Prospekt zudem darauf hin, dass viele Großkunden nicht an langfristige Verträge gebunden sind.

Für Rechenleistung und Infrastruktur gab das Unternehmen 2025 rund 7,33 Milliarden Dollar aus. Das ist das Dreifache des Vorjahres und mehr als die Hälfte der gesamten Betriebskosten von 12,65 Milliarden Dollar. Ende 2025 verfügte Anthropic über 20,28 Milliarden Dollar an Barmitteln und kurzfristigen Anlagen.

Anthropic Aktie: Wie ambitioniert ist die Bewertung?

Setzt man die Zahlen ins Verhältnis, wird die Dimension deutlich:

Die geplanten 518 Milliarden Dollar entsprechen gut dem 70-Fachen der Compute-Ausgaben von 2025 und etwa dem 25-Fachen der vorhandenen Liquidität. Der Ausgabenplan ist damit ohne weitere Kapitalaufnahme nicht darstellbar – genau dafür ist der Börsengang gedacht.

Eine Bewertung von 2 Billionen Dollar entspräche rund dem 435-Fachen des Umsatzes von 2025. Zum Vergleich: SpaceX ging im Juni mit einer Bewertung von 1,77 Billionen Dollar an die Börse. Die Aktie wurde zu 135 Dollar ausgegeben, sprang am ersten Handelstag auf 160 Dollar und notiert inzwischen bei rund 147 Dollar.

Anthropic selbst begründet die Ausgaben im Prospekt mit der Erwartung, dass KI die Weltwirtschaft tiefgreifender verändern werde als Industrialisierung, Elektrizität und Internet. Ob Anleger diese Wette zu solchen Multiples mitgehen, dürfte zum Gradmesser für den gesamten KI-Sektor werden. KI- und Chipwerte hatten zuletzt bereits deutlich nachgegeben.

Anthropic Pre-IPO-Perps: Krypto-Trader reagieren kaum

Die Anthropic-Pre-IPO-Perpetuals notierten am Dienstag bei rund 1.998 Dollar. Das entspricht einem Minus von etwa 2 Prozent binnen 24 Stunden und liegt damit im Gleichlauf mit dem leicht schwächeren Kryptomarkt. Vom Rekordhoch bei 2.211 Dollar am 9. September sind die Kontrakte rund 10 Prozent entfernt.

Der Kurs bildet die erwartete Unternehmensbewertung in Milliarden Dollar ab. Ein Stand von knapp 2.000 Dollar bedeutet also, dass die Trader Anthropic mit rund 2 Billionen Dollar bewerten – ziemlich genau die Größenordnung, die für den Börsengang kolportiert wird. Der Prospekt lieferte dem Markt damit offenbar keine neue Information zur Bewertung.

Gehandelt werden die Kontrakte an zwölf Börsen, das Open Interest liegt bei über 100 Millionen Dollar. Mehr als 30 Prozent der Aktivität entfallen auf Binance. Auf der dezentralen Börse Hyperliquid kommt der Anthropic-Markt auf 36 Millionen Dollar Open Interest.

Pre-IPO-Perps: Was Anleger wissen sollten

Die Kontrakte sind ein vergleichsweise neues Produkt aus der Kryptowelt. Sie verbriefen keinerlei Beteiligung an Anthropic, sondern sind bar abgerechnete Derivate auf die implizite Bewertung. Wer sie handelt, besitzt keine Aktie und hat keinen Anspruch auf Zuteilung beim Börsengang.

Hinzu kommt die geringe Liquidität. Bei Bitcoin- oder Ether-Perpetuals bewegt sich das Open Interest regelmäßig im Milliardenbereich, beim Anthropic-Markt nur im niedrigen dreistelligen Millionenbereich. Kurssprünge durch einzelne große Positionen sind entsprechend eher möglich, besonders mit Hebel.

Für den breiteren Kryptomarkt ist der Anthropic-Börsengang vor allem ein Stimmungsindikator: Hält der KI-Trade der genaueren Prüfung durch Publikumsaktionäre stand, stützt das die Risikobereitschaft insgesamt. Bitcoin hielt sich zuletzt knapp über 83.000 Dollar.