Sechs Handelstage in Folge grün. Vom 17. bis zum 24. September flossen den US-Spot-Bitcoin-ETFs netto rund 2,84 Milliarden US-Dollar zu, die längste positive Serie des Jahres. Zwei Tage zuvor waren noch 746 Millionen Dollar abgezogen worden.
Die Schlagzeile schreibt sich von selbst. Nur steht die interessantere Zahl eine Spalte weiter rechts – bei einem Fonds, der in 13 Handelstagen nicht einen einzigen Abflusstag hatte.
Bitcoin ETF Zuflüsse: Die Serie verliert seit vier Tagen an Kraft
Der Verlauf ist eindeutig: 159,5 Millionen Dollar am 17. September, dann 433,0 Millionen, dann 999,0 Millionen am 21. September – der stärkste Einzeltag des Jahres. Danach 714,7 Millionen, 346,9 Millionen, zuletzt 190,7 Millionen am 24. September.
Vier aufeinanderfolgende Rückgänge. Der jüngste Tag liegt 81 Prozent unter dem Montagswert. Die Serie reißt formal nicht ab, aber sie schrumpft seit ihrem Höhepunkt konstant.
Über den gesamten Zeitraum vom 8. bis 24. September bleibt netto ein Plus von rund 1,79 Milliarden Dollar. Davor standen fünf Abflusstage in acht Sitzungen.
Zwei Fonds tragen die komplette Bewegung
BlackRocks IBIT sammelte über die 13 Handelstage netto rund 1,13 Milliarden Dollar ein, Fidelitys FBTC weitere 682 Millionen. Zusammen 1,81 Milliarden – mehr als das gesamte Nettoergebnis des Sektors. Was darüber hinausgeht, wurde anderswo wieder abgezogen.
Besonders trügerisch ist ARKB. Der Fonds verbuchte am 21. September mit 289,1 Millionen Dollar den zweitgrößten Einzelzufluss des Tages und wurde entsprechend prominent zitiert. Über den Gesamtzeitraum steht er dennoch mit 81 Millionen Dollar im Minus. Ein starker Tag kompensiert fünf Abflusstage nicht.
Grayscales GBTC verlor weitere 188 Millionen Dollar. Bei 1,50 Prozent Gebühr gegenüber 0,25 Prozent bei IBIT ist das kein Stimmungsindikator, sondern Kostenarbitrage.
Morgan Stanley: 13 Handelstage, kein einziger Abfluss
MSBT, der im April 2026 gestartete Bitcoin-ETP von Morgan Stanley, verzeichnete in diesen 13 Handelstagen keinen einzigen roten Tag. Kein anderer Fonds in der Aufstellung schafft das.
An zehn von 13 Tagen floss Geld zu, an drei Tagen stand eine Null. Unter dem Strich 236 Millionen Dollar – auch am 15. und 16. September, als der Gesamtmarkt 746 Millionen Dollar verlor und IBIT allein 306 Millionen abgab.
Das Muster passt zum Vertriebsweg. MSBT ist mit 0,14 Prozent das günstigste Produkt der Kategorie und wird über das Beraternetz der Vermögensverwaltung ausgerollt. Solche Zuflüsse stammen aus Modellportfolios und Sparplänen, nicht aus taktischen Positionen. Sie reagieren nicht auf Tagesnachrichten – und sie verschwinden nicht, wenn der Kurs drei Tage fällt.
Ab dem 21. September beschleunigte sich das deutlich: 61,7, dann 99,0, dann 32,4 Millionen Dollar. Für einen Fonds, der erst seit knapp sechs Monaten existiert, ist das der leiseste, aber stabilste Kapitalstrom im Feld.
Warum steigt Bitcoin trotz der Fed-Zinserhöhung?
Der Zeitpunkt der Serie ist die eigentliche Überraschung. Am 16. September hob die US-Notenbank den Leitzins einstimmig um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent an – die erste Erhöhung seit Juli 2023 und die erste unter Kevin Warsh. Am Folgetag begann die Zuflussserie.
Lehrbuchmäßig hätte eine Straffung Risikoanlagen belasten müssen. Stattdessen drehte die Jahresbilanz der Bitcoin-ETFs diese Woche erstmals seit April ins Plus. Und hier liegt die Einordnung, die in den Schlagzeilen untergeht: Für 2026 stehen nach knapp neun Monaten netto rund 320 Millionen Dollar zu Buche. Sechs Tage haben also fast das Neunfache der gesamten Jahresbilanz eingesammelt – weil die Monate davor fast alles vernichtet hatten. Der Januar allein kostete 1,61 Milliarden Dollar.
Der Wendepunkt liegt im August. Seit dem 19. August, als das US-Finanzministerium ausgeweitete Rückkäufe langlaufender Anleihen ankündigte, sind rund 4,9 Milliarden Dollar in die Produkte geflossen. Bitcoin legte seither etwa 35 Prozent zu.
Bitcoin News heute: Das Geld kommt, der Kurs fällt
Die unbequemste Beobachtung: Die stärksten Zuflusstage fielen mit dem Hoch zusammen, nicht mit dem Anstieg davor. Bitcoin markierte diese Woche bei rund 87.374 Dollar den höchsten Stand seit Januar und notiert aktuell rund vier bis fünf Prozent darunter bei etwa 83.500 Dollar.
Wer am 21. September über einen ETF eingestiegen ist, sitzt heute im Minus. Die Zuflüsse am 23. und 24. September kamen bereits in einen fallenden Markt. Das ist kein Krisensignal, widerlegt aber die verbreitete Lesart, ETF-Ströme seien ein vorlaufender Indikator. In dieser Woche liefen sie dem Kurs hinterher.
Heute um 10:00 Uhr MESZ verfallen zudem Bitcoin-Optionen im Volumen von rund 15,9 Milliarden Dollar, einer der größten Quartalstermine des Jahres. Das Verhältnis von Puts zu Calls liegt bei 0,69, der Großteil der Positionierung war auf höhere Kurse ausgerichtet. Der Max-Pain-Punkt liegt bei etwa 75.000 Dollar, rund 10.000 Dollar unter dem aktuellen Kurs. Nach dem Verfall entfällt die Absicherungsnachfrage der Market Maker, die den Kurs zuletzt in einer engen Spanne gehalten hat. Erst danach zeigt sich, ob echte Nachfrage trägt.
Insgesamt verwalten die US-Spot-Bitcoin-ETFs inzwischen rund 110 Milliarden Dollar, etwa 6,3 Prozent der Bitcoin-Marktkapitalisierung. Kumuliert seit dem Start im Januar 2024 sind netto etwa 56 Milliarden Dollar zugeflossen. IBIT allein steht bei rund 64,5 Milliarden – der Marktführer hat mehr eingesammelt, als der gesamte Sektor netto vorzuweisen hat.
Illustration: KI-generiert
Dieser Beitrag könnte Dich auch interessieren: Lohnt es sich, 50 Euro in Bitcoin zu investieren?

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
Boersen-Parkett bei Google als bevorzugte Nachrichtenquelle markieren und keine Finanz- und Krypto-News mehr verpassen. Wie funktioniert das?