Bitcoin ist am Dienstag auf rund 62.400 US-Dollar gefallen und notiert damit am unteren Rand des Power-Law-Modells, einem der bekanntesten langfristigen Bewertungswerkzeuge für die Kryptowährung. Über die vergangenen 24 Stunden verlor BTC etwa 2,7 Prozent, auf Wochensicht rund 6 Prozent. Es ist das erste Mal seit dem Bärenmarkt-Tief 2022, dass der Kurs das Support-Band des Modells berührt.
Das Power-Law-Modell, das vom Astrophysiker Giovanni Santostasi populär gemacht wurde, beschreibt den langfristigen Kursverlauf von Bitcoin als mathematische Funktion der Zeit seit dem Genesis-Block am 3. Januar 2009. Das untere Band, definiert als ein Drittel des fairen Werts, markiert historisch jene Zone, in der sich Bitcoin nur selten und nur kurz aufgehalten hat. Die letzte Berührung dieses Niveaus liegt rund drei Jahre zurück, als BTC 2022 in der Spitze auf etwa 15.500 US-Dollar abstürzte.
Was den Absturz ausgelöst hat
Hinter dem Rückgang steht ein Zusammenspiel mehrerer institutioneller Faktoren. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten zwischen Mitte Mai und Anfang Juni eine Abfluss-Serie von 13 aufeinanderfolgenden Handelstagen – die längste seit dem Start dieser Produkte im Januar 2024. Insgesamt wurden rund 4,4 Milliarden US-Dollar abgezogen, der Großteil davon aus dem iShares Bitcoin Trust (IBIT) von BlackRock. Das verwaltete Vermögen der Fonds sank von rund 104 Milliarden auf etwa 80 Milliarden US-Dollar.
Verstärkt wurde der Druck durch erzwungene Liquidationen im Milliardenbereich sowie durch einen symbolträchtigen Verkauf von 32 Bitcoin durch das Unternehmen Strategy – die erste Veräußerung seit Jahren. Obwohl die Menge im Verhältnis zur Gesamtposition verschwindend gering war, deuteten Marktteilnehmer den Schritt als Bruch mit der bisherigen „Never sell“-Linie. Auf der Makroebene belasteten zudem steigende Treasury-Renditen und eine restriktivere Erwartungshaltung gegenüber der US-Notenbank, die geplante Zinssenkungen weiter nach hinten verschob.
Warum Modell-Anhänger jetzt von einer Kaufzone sprechen
Für die Verfechter des Power-Law- und des verwandten Rainbow-Charts ist die Berührung des unteren Bands kein Krisensignal, sondern historisch betrachtet eine Akkumulationszone. In beiden Modellen lagen alle bisherigen Bärenmarkt-Tiefs in den untersten Bändern, während Zyklus-Hochs die oberen, roten Zonen erreichten. Bekannte Krypto-Kommentatoren wie sunnydecree verwiesen entsprechend darauf, dass Bitcoin erstmals seit drei Jahren am Support des Modells handle.
Zur Einordnung gehört allerdings die zentrale Schwäche solcher Modelle: Sie sind rückblickend an historische Daten angepasst und besitzen keine Vorhersagekraft. Beide Charts wurden seit ihrer Entstehung mehrfach neu kalibriert. Sie berücksichtigen weder ETF-Flüsse noch regulatorische oder makroökonomische Entwicklungen – also genau jene Faktoren, die den aktuellen Rückgang maßgeblich getrieben haben. Kurz- und mittelfristig kann der Kurs deutlich von der Regression abweichen, nach oben wie nach unten. Ob das untere Band hält oder Bitcoin den psychologisch wichtigen Bereich um 60.000 US-Dollar testet, hängt vor allem davon ab, ob die ETF-Abflüsse zum Stillstand kommen.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
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