Bitcoin-Miner schlagen BTC 2026 um bis zu 134 Prozentpunkte – obwohl Mining kaum noch die Story ist

Raphael Lulay

17.05.2026, 08:12 Uhr

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Bitcoin notiert am Sonntagmorgen, dem 17. Mai 2026, bei 78.125,82 US-Dollar – ein Minus von rund 10,8 Prozent seit Jahresbeginn. Die zehn größten börsennotierten Bitcoin-Mining-Aktien liegen im selben Zeitraum zwischen 18,95 und 123,16 Prozent im Plus. Der Spread zwischen Sektor-Spitze und BTC beträgt rund 134 Prozentpunkte. Anleger, die diesen Performance-Abstand auf Hashrate oder Halving-Effekte zurückführen, lesen die falsche Bilanz.

Zum Wochenschluss am Freitag, dem 15. Mai 2026, gaben alle zehn Top-Miner zwischen 2,52 und 9,59 Prozent nach – ein einheitlicher Risk-off-Tag an der Wall Street. Bitdeer verlor mit 9,59 Prozent am stärksten, Core Scientific mit 2,52 Prozent am wenigsten. Trotz des Rücksetzers bleibt jeder einzelne Wert seit Jahresbeginn deutlich vor Bitcoin.

Laut den aktuellen Marktdaten von Bitcoinminingstock.io führt Hut 8 Corp. die Performance-Rangliste seit Jahresbeginn mit 123,16 Prozent an. Die Aktie notiert bei 102,52 US-Dollar, die Marktkapitalisierung liegt bei 11,54 Milliarden US-Dollar. Auf Platz zwei folgt Terawulf mit einem YTD-Plus von 95,56 Prozent, danach Riot Platforms mit 86,62 Prozent und Applied Digital mit 72,38 Prozent. Selbst der schwächste Wert auf der Liste – Bitdeer – liegt mit 18,95 Prozent klar vor Bitcoin.

Die eigentliche Story heißt nicht Bitcoin, sondern KI

Wer die Geschäftsberichte der zehn größten Miner durchgeht, sieht ein durchgehendes Muster: Bitcoin-Mining ist 2026 nicht mehr das Kerngeschäft, sondern Beiwerk. Der Pivot in Richtung KI-Infrastruktur und High-Performance-Computing (HPC) erklärt den Großteil der Bewertungsaufschläge.

Hut 8 baut an seinem Standort River Bend im Rahmen eines 15-Jahres-Mietvertrags über 7 Milliarden US-Dollar eine KI-Infrastruktur auf und bietet Unternehmenskunden GPU-as-a-Service. Core Scientific hat einen Mehrjahresvertrag mit Coreweave abgeschlossen, der über zwölf Jahre einen Wert von rund 10,2 Milliarden US-Dollar erreicht – KI-Umsätze machen dort bereits etwa 39 Prozent des Gesamtmixes aus. IREN Limited hat sich gegenüber Microsoft auf einen Fünfjahresvertrag im Volumen von 9,7 Milliarden US-Dollar verpflichtet und plant in Kooperation mit Nvidia eine Pipeline von bis zu fünf Gigawatt. Terawulf hat HPC-Umsätze von rund 12,8 Milliarden US-Dollar unter Vertrag, gestützt unter anderem auf Google- und Fluidstack-Partnerschaften. Cipher Digital hat über mehrere Milliardenverträge ebenfalls hunderte Megawatt mit Google- und Fluidstack-Beteiligung gesichert.

In Summe übersteigen die branchenweiten KI- und HPC-Vertragsvolumina mittlerweile 70 Milliarden US-Dollar. Schätzungen gehen davon aus, dass KI/HPC-Erlöse bis Ende 2026 bis zu 70 Prozent der Gesamtumsätze börsennotierter Miner ausmachen könnten.

Warum der Pivot kein Zufall ist

Das Halving im April 2024 hat die Blockbelohnung auf 3,125 BTC halbiert. Gleichzeitig steigt die Netzwerk-Schwierigkeit, und der Hashpreis – also die Erlöse pro Terahash – tendiert seit Monaten seitwärts bis abwärts. Schätzungen zufolge arbeiteten Anfang 2026 phasenweise rund 20 Prozent der Branche operativ in den roten Zahlen.

Miner mit bereits vorhandener Strominfrastruktur, Genehmigungen und Netzanbindung verfügen damit über genau das, was Hyperscaler wie Microsoft, Google und Coreweave aktuell händeringend suchen: sofort verfügbare Gigawatt. Der Wechsel von volatilen BTC-Erlösen zu mehrjährigen, indexierten KI-Verträgen ist betriebswirtschaftlich rational – und der Markt preist diesen Strukturwandel ein.

MARA Holdings illustriert die andere Seite der Medaille: Das Unternehmen verkaufte allein im ersten Quartal 2026 mehr als 20.800 BTC, um Schulden zu tilgen und Infrastruktur zu finanzieren. Die börsennotierten Miner insgesamt veräußerten im ersten Quartal über 32.000 BTC – mehr als im gesamten Jahr 2025 und der höchste Quartalswert seit dem Terra-Luna-Kollaps 2022.

Eigene Meinung

Wer 2026 eine Bitcoin-Mining-Aktie kauft, kauft im Kern keine Wette auf den Bitcoin-Kurs mehr, sondern ein KI-Infrastruktur-Investment mit BTC-Optionalität. Das verändert das Risiko-Rendite-Profil grundlegend.

Die Bewertungen reagieren entsprechend stärker auf Vertragsabschlüsse mit Hyperscalern, Stromverfügbarkeit, Datacenter-Auslastung und Nvidia-GPU-Lieferketten als auf den BTC-Spotpreis. Das ist zugleich Chance und Risiko: Steigt der Bitcoin-Kurs deutlich, partizipieren Miner über ihre Restproduktion und Treasury-Bestände nur noch teilweise. Stockt dagegen der KI-Capex-Zyklus oder kommt es zu Engpässen bei GPU-Lieferungen, treffen diese Risiken jetzt ein Geschäftsmodell, das vom Bitcoin-Preis allein nicht mehr getragen wird.

Für die Zielgruppe heißt das konkret: Mining-Aktien sind 2026 weder klassische BTC-Proxies noch reine KI-Plays. Sie sind hybride Infrastrukturwerte – und gehören in der Portfolio-Analyse eher neben Rechenzentrums- und Energieversorger-Aktien als neben Bitcoin-Spot-ETFs einsortiert. Wer die Performance-Lücke von 134 Prozentpunkten 2026 erklären will, sollte sich die Hyperscaler-Pipeline anschauen – nicht die Hashrate.

Der Freitags-Drawdown ändert an dieser Strukturgeschichte wenig. Er ist eine normale Sektor-Korrektur nach einer starken YTD-Rally. Die Frage für die kommenden Quartale lautet nicht „Wie entwickelt sich der Hashpreis?“, sondern „Welcher Miner liefert seine KI-Megawatt pünktlich ans Netz?“.

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