Empery Digital hat seit Anfang Mai rund die Hälfte seiner Bitcoin-Reserve abgestoßen. Aus einer aktuellen Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC geht hervor, dass das an der Nasdaq gelistete Unternehmen insgesamt 1.400 Bitcoin veräußert hat – zu einem Durchschnittspreis von rund 62.200 US-Dollar. Der Bruttoerlös liegt bei etwa 87,1 Millionen US-Dollar.
Damit schrumpft der Bestand auf noch 1.514 Bitcoin. Zum Ende der Woche verfügte Empery zusätzlich über rund 73,9 Millionen US-Dollar an liquiden Mitteln, denen weiterhin Verbindlichkeiten in Höhe von 45 Millionen US-Dollar gegenüberstehen.
Warum verkauft Empery Digital seine Bitcoin?
Ein Teil des Erlöses – zehn Millionen US-Dollar – floss direkt in die Rückzahlung von Verbindlichkeiten. Der Großteil der Mittel ist laut Unternehmensangaben für den bereits angekündigten Einstieg in ein Rechenzentrums-Unternehmen vorgesehen. Weitere Beträge gehen in Rechtskosten und den laufenden operativen Geschäftsbetrieb.
Damit ist der Verkauf kein reiner Notverkauf, sondern Teil einer Kapitalumschichtung. Empery tauscht eine passive Bitcoin-Position gegen ein operatives Geschäftsmodell – ein Muster, das sich derzeit bei mehreren kleineren Treasury-Unternehmen beobachten lässt.
Rechnerisch ist der Zeitpunkt allerdings unglücklich: Der durchschnittliche Verkaufspreis von rund 62.200 US-Dollar liegt deutlich unter den Höchstständen, die Bitcoin in diesem Zyklus erreicht hat. Wer als Treasury-Unternehmen unter Zeitdruck verkauft, verkauft selten am Hoch.
Was bedeutet das für andere Bitcoin-Treasury-Unternehmen?
Empery ist kein Einzelfall. Auch Strategy hat in den vergangenen Wochen Teile seines Bestands abgebaut, um Dividenden für Vorzugsaktionäre zu bedienen. Das Muster ähnelt sich: Nicht die Überzeugung ändert sich, sondern die Zahlungsverpflichtungen werden fällig.
Genau darin liegt die strukturelle Schwäche vieler Treasury-Modelle. Bitcoin auf der Bilanz erzeugt keinen Cashflow. Zinsen, Dividenden und operative Kosten müssen aber laufend bedient werden. Solange der Aktienkurs über dem Nettoinventarwert notiert, lässt sich die Lücke über neue Kapitalaufnahmen schließen. Sinkt die Prämie – oder verschwindet sie ganz –, bleibt nur der Griff in die eigene Reserve.
Wie viel Bitcoin hält Empery Digital noch?
Nach dem Verkauf verbleiben 1.514 BTC im Bestand. Bei aktuellen Kursen entspricht das einer Position von deutlich unter 100 Millionen US-Dollar – und damit einer Größenordnung, die im Vergleich zu Strategy oder anderen großen Treasury-Adressen kaum ins Gewicht fällt.
Für den Bitcoin-Markt selbst ist der Verkauf von 1.400 BTC verkraftbar. Interessanter ist das Signal: Ein Nasdaq-gelistetes Unternehmen entscheidet sich aktiv dagegen, seine Bitcoin-Reserve zu halten, und schichtet stattdessen in Rechenzentrums-Infrastruktur um. Die These „Bitcoin auf der Bilanz reicht als Geschäftsmodell“ verliert damit einen weiteren Vertreter.
Eigene Meinung
Der Fall Empery zeigt vor allem eines: Bitcoin-Treasury-Aktien sind kein Bitcoin-Investment mit Bonus, sondern ein Unternehmensinvestment mit Bitcoin-Komponente. Wer eine Treasury-Aktie kauft, kauft die Bilanz, die Verbindlichkeiten und die Kapitalallokationsentscheidungen des Managements gleich mit – und die können, wie hier, zu einem Verkauf führen, den man als Bitcoin-Anleger selbst nie getätigt hätte.
Wer schlicht Bitcoin-Exposure sucht, bekommt es über den direkten Kauf oder einen Spot-ETF ohne dieses zusätzliche Unternehmensrisiko. Umgekehrt kann eine Treasury-Aktie für Anleger interessant sein, die bewusst auf ein operatives Geschäftsmodell setzen – im Fall Empery künftig also auf Rechenzentren, nicht auf Bitcoin. Das ist eine völlig andere Investmentthese als noch vor zwei Monaten.
Für langfristig orientierte Bitcoin-Anleger ändert der Verkauf am Fundament wenig. Für Anleger, die Treasury-Aktien als Hebel auf den Bitcoin-Kurs betrachten, ist er dagegen ein Warnsignal – und ein Anlass, die Verschuldung und die Prämie zum Nettoinventarwert der jeweiligen Unternehmen genauer zu prüfen.
Hier geht es zum Beitrag: Kryptowährungen Kaufen – Anleitung.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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