BitMart News: Kryptobörse schließt nach neun Jahren – BMX bricht ein

Raphael Lulay

26.07.2026, 15:01 Uhr

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Die Kryptobörse BitMart zieht nach neun Jahren den Stecker. Das Unternehmen kündigte am Sonntag an, den Handelsbetrieb schrittweise einzustellen. Registrierungen, Einzahlungen und neue Orders wurden mit sofortiger Wirkung gestoppt, die Futures-Märkte laufen nur noch im Reduce-only-Modus. Am 26. August endet der gesamte Spot- und Derivatehandel, formal geschlossen wird die Plattform zum 31. Januar 2027.

Der hauseigene Token BMX reagierte umgehend und verlor rund 58 Prozent auf etwa 0,08 Dollar. Die Marktkapitalisierung liegt damit noch bei rund 27 Millionen Dollar. Der Absturz trifft einen Token, der ohnehin unter Druck stand: Über zwölf Monate summiert sich das Minus auf etwa 70 Prozent. Als Gründe für die Schließung nennt BitMart operative Rahmenbedingungen, Marktbedingungen und die künftige strategische Ausrichtung. Welcher Faktor den Ausschlag gab, bleibt offen.

BitMart Auszahlung: Welche Fristen jetzt gelten

Für Nutzer ist die Auszahlungsfrist die entscheidende Größe. BitMart fordert Kunden auf, ihre Identität zeitnah zu verifizieren, offene Positionen abzubauen und Guthaben vor dem 26. August abzuziehen. Die Börse weist ausdrücklich darauf hin, dass Auszahlungsanträge zusätzliche Prüfungen auslösen können – darunter Identitäts- und Gerätekontrollen, IP-Abgleiche, Screenings der Zielsysteme, Fragen zur Mittelherkunft und Sanktionsprüfungen. Bei hohem Andrang verlängern sich die Bearbeitungszeiten entsprechend.

Genau dieser Prozess erklärt vermutlich eine auffällige Zahl: Trotz angekündigter Schließung setzte BitMart in 24 Stunden rund 1,6 Milliarden Dollar um, gut 50 Prozent mehr als am Vortag. Fast die Hälfte davon entfiel auf Bitcoin. Naheliegend ist, dass Nutzer Positionen glattstellen und Bestände abziehen – bestätigt hat die Börse das bislang nicht. Belastet war BitMart schon früher: 2021 wurden bei einem Hack rund 196 Millionen Dollar aus Hot Wallets entwendet, der Schaden wurde damals vollständig erstattet.

Warum schließen 2026 gleich mehrere Kryptobörsen?

BitMart ist binnen einer Woche bereits die zweite große Börse, die aufgibt. Am 23. Juli kündigte BitMEX nach elf Jahren die Abwicklung zum 23. September an. Auch dort greift ab dem 26. August die Sperre für neue Positionen – dasselbe Datum, das BitMart als Handelsschluss gesetzt hat. Betreiber HDR Global Trading begründet den Schritt mit einer strategischen Überprüfung; seit Februar 2025 hatte die Börse erfolglos einen Käufer gesucht, Ende Juni 2026 wechselte die Führungsspitze.

Bemerkenswert ist, dass BitMEX nicht aus einer Schieflage heraus schließt. Nach eigenen Angaben übersteigen die Vermögenswerte die Verbindlichkeiten, und über die gesamte Laufzeit gingen keine Kundengelder durch Hacks verloren. Belastend war die juristische Vorgeschichte: Die Gründer bekannten sich 2022 des Verstoßes gegen den Bank Secrecy Act schuldig, das Unternehmen folgte 2024, im Januar 2025 kam eine Strafe von 100 Millionen Dollar. Die Begnadigung durch Donald Trump änderte am Geschäftsmodell nichts mehr.

Das Muster ist in beiden Fällen dasselbe: Plattformen aus der Frühphase des Marktes, aufgebaut in einem Umfeld ohne verbindliche Regeln, verlieren gegen regulierte Konkurrenz und gegen die schiere Größe der Marktführer. Compliance-Kosten, Lizenzpflichten und margenschwacher Wettbewerb erledigen, was Kursstürze früher nicht geschafft haben.

FTX Auszahlung am 31. Juli: Das alte Kapitel wird geschlossen

Parallel läuft die Aufarbeitung des größten Börsenzusammenbruchs weiter. Der FTX Recovery Trust startet am 31. Juli die fünfte Ausschüttungsrunde über rund 900 Millionen Dollar. Berechtigt sind Gläubiger, die bis zum Stichtag am 16. Juni alle Voraussetzungen erfüllt haben; die Abwicklung erfolgt über BitGo, Kraken oder Payoneer. Forderungen unter 50.000 Dollar erreichen damit kumuliert eine Quote von 120 Prozent, größere Ansprüche liegen zwischen 103 und 105 Prozent. Seit dem Insolvenzantrag im November 2022 summieren sich die Rückzahlungen auf rund zehn Milliarden Dollar.

Die zeitliche Nähe ist zufällig, inhaltlich aber aufschlussreich. Während FTX abgewickelt wird, verschwinden zwei weitere Börsen jener Generation freiwillig vom Markt. Was 2022 als Vertrauenskrise begann, endet 2026 als strukturelle Bereinigung.

Sparkassen Krypto-Handel ab Oktober: Wer die Lücke füllt

Die Gegenbewegung findet in Deutschland statt. Berichten zufolge starten die Sparkassen Mitte September eine Testphase für den Kryptohandel, der breite Rollout ist für Mitte Oktober 2026 geplant. Handelbar sein sollen Bitcoin, Ethereum, XRP und Solana, abgewickelt über die DekaBank, mit Liquidität von Boerse Stuttgart Digital und einer Gebühr von 0,99 Euro pro Trade. Die einzelnen Häuser treten dabei nicht selbst als Kryptodienstleister auf, sondern leiten an das Deka-Produkt weiter – eigene BaFin-Genehmigungen sind dadurch nicht nötig.

Im genossenschaftlichen Lager ist der Schritt bereits vollzogen: Die DZ-Bank-Plattform meinKrypto erhielt Ende Dezember 2025 die BaFin-Lizenz und ging im Januar 2026 in der VR-Banking-App live. Zusammen adressieren beide Gruppen rund 80 Millionen Kundenbeziehungen. Auslöser ist nicht neue Markteuphorie, sondern MiCAR – derselbe Regulierungsrahmen, der offshore aufgestellten Plattformen den Zugang zum europäischen Markt erschwert.

Was das für Anleger bedeutet

Kurzfristig zählt für Betroffene nur die Frist: Wer Guthaben auf BitMart oder BitMEX hält, sollte Verifizierung und Auszahlung nicht bis Ende August aufschieben, weil Prüfprozesse Zeit kosten und Rückstaus bei Auszahlungen wahrscheinlich sind. Mittelfristig verschiebt sich die Struktur des Marktes: Handelsvolumen konzentriert sich auf wenige große, lizenzierte Plattformen, während der Zugang für Privatanleger zunehmend über Banken und regulierte Anbieter läuft.

Für Anleger heißt das vor allem eines: Die Auswahl der Handelsplattform wird weniger zur Gebührenfrage und mehr zur Frage nach Lizenz, Sitz und Aufsicht. Der BMX-Kurs zeigt, was passiert, wenn diese Prüfung ausbleibt – Exchange-Token sind kein Investment in einen Coin, sondern eine Wette auf den Fortbestand eines Unternehmens.