Shiba Inu hat am Wochenende die stärkste Bewegung seit Monaten hingelegt. Der Kurs stieg am Sonntag um rund 36 Prozent auf 0,0000057 US-Dollar und gewann damit binnen eines Tages etwa eine Milliarde US-Dollar an Marktwert – ohne erkennbaren fundamentalen Auslöser. Der Token kehrte kurzzeitig in die Top 25 nach Marktkapitalisierung zurück.
Am Montag hat sich ein Teil davon bereits zurückgebildet. SHIB notiert bei rund 0,00000511 US-Dollar und liegt damit 4,7 Prozent unter dem Vortagesniveau. Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Plus von 23 Prozent, die Marktkapitalisierung liegt bei rund drei Milliarden US-Dollar.
Bemerkenswert ist weniger die Höhe der Bewegung als ihre Ursache. Es gab kein Shibarium-Upgrade, keine Partnerschaft, kein neues Listing. Das offizielle X-Konto des Projekts reagierte mit Memes über den vermeintlich verfrühten Nachruf auf den SHIB Token – inhaltlich also mit nichts.
Warum der Shiba Inu Kurs steigt: Die Nachfrage kam aus Korea
Der wichtigste Treiber lässt sich regional lokalisieren. Das Handelspaar SHIB/KRW auf der südkoreanischen Börse Upbit kam auf über 62 Millionen US-Dollar Volumen und damit auf mehr als ein Zehntel des weltweiten Umsatzes. Es handelte zugleich mit einem leichten Aufschlag gegenüber den Dollar-Börsen.
Dieses Muster ist aus früheren Zyklen bekannt: Koreanische Privatanleger konzentrieren sich schubweise auf einzelne volatile Token, der lokale Preisaufschlag signalisiert den Nachfrageüberhang. Für den Kursverlauf ist entscheidend, dass diese Nachfrage rotiert – sie bleibt selten länger als einige Tage bei einem Wert.
Ausgedünntes Angebot verstärkt jede Bewegung
Die zweite Komponente ist struktureller Natur. Die Bestände auf zentralen Handelsplätzen sind auf rund 86,1 Billionen SHIB gefallen – ein historischer Tiefstand. Wenn der frei handelbare Anteil schrumpft, genügen vergleichsweise geringe Kaufsummen, um prozentual große Ausschläge zu erzeugen. Der Effekt wirkt in beide Richtungen.
Hinzu kommt die Verteilung des Angebots. Rund 802 Wallets kontrollieren 94,7 Prozent des zirkulierenden Bestands. Bei rund 590 Billionen umlaufenden Token bedeutet das: Wenige Adressen bestimmen, wie viel Material tatsächlich am Markt ankommt.
Kein Short Squeeze: Die Liquidationen kamen nach der Bewegung
Verbreitet ist die Deutung, ein Short Squeeze habe die Rallye ausgelöst. Die Datenlage stützt das nicht. Zwar wurden rund sechs Millionen US-Dollar an SHIB-Positionen über etwa 2.300 Händler liquidiert, davon etwa fünf Millionen auf der Short-Seite. Diese Liquidationen folgten dem Kursanstieg jedoch, sie gingen ihm nicht voraus.
Auch die Zusammensetzung der Zuflüsse spricht gegen ein derivategetriebenes Ereignis. Allein am Samstag verzeichnete SHIB über fünf Millionen US-Dollar an positiven Netto-Spotzuflüssen – der höchste Tageswert seit mehr als neun Monaten. Der Impuls kam damit aus dem Kassamarkt, die Derivate verstärkten ihn lediglich.
Was die Bewegung für den SHIB Kurs bedeutet
Die Einordnung fällt nüchtern aus. Shiba Inu markierte im Juni ein Allzeittief bei 0,00000402 US-Dollar und liegt weiterhin rund 95 Prozent unter dem Hoch von 0,000086 US-Dollar aus dem Jahr 2021. Der gesamte Meme-Coin-Sektor verlor im Juni ein Drittel seines Werts. Ein Anstieg von 36 Prozent aus dieser Ausgangslage ist Volatilität, keine Trendumkehr.
An der Angebotsmechanik ändert die Rallye ebenfalls nichts. Bislang wurden rund 410,84 Billionen Token vernichtet, das entspricht 41,08 Prozent des ursprünglichen Bestands – der überwiegende Teil davon liegt Jahre zurück. Die laufende Burn-Rate bleibt ereignisgetrieben und ohne messbare Wirkung auf ein Angebot dieser Größenordnung. Ein Spot-ETF existiert für SHIB im Gegensatz zu Dogecoin nicht, institutionelles Kapital fehlt entsprechend.
Für Anleger ist die relevante Frage daher nicht, wie weit die Bewegung trägt, sondern was sie überhaupt getragen hat: regionale Spekulation auf ein dünnes Orderbuch. Setzt die koreanische Nachfrage aus oder realisieren größere Adressen Gewinne, wirkt dieselbe Marktstruktur, die den Anstieg ermöglicht hat, in umgekehrter Richtung genauso schnell.
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Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
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