Ex-Premier kritisiert Kryptowährungen in Daily-Mail-Kolumne. Strategy-Chef Michael Saylor und Eric Trump reagieren umgehend auf X.
Boris Johnson hat eine Debatte ausgelöst. Der frühere britische Premierminister bezeichnete Bitcoin in einer Kolumne als „gigantisches Ponzi-Schema“ – und lieferte damit den wohl prominentesten europäischen Angriff auf die Kryptowährung seit Monaten.
Johnsons zentrales Argument: Bitcoin habe keinen inneren Wert. Sein Preis hänge ausschließlich davon ab, dass immer neue Käufer einsteigen. Sobald dieser Strom versiege, breche das gesamte Konstrukt zusammen. Als Beleg diente ihm eine persönliche Geschichte aus seinem Dorf – ein Mann verlor nach einer Kneipentipp-Investition schließlich fast 20.000 Pfund. Kein Bitcoin-Problem, wie Kritiker sofort anmerkten. Sondern ein klassischer Betrugsfall.
Die Krypto-Community auf X reagierte entsprechend. Community-Notes markierten Johnsons Darstellung als irreführend. Der entscheidende Punkt: In der Anekdote hatte ein Betrüger das Geld gestohlen – nicht das Bitcoin-Netzwerk.
Saylor widerspricht direkt
Michael Saylor, Chairman von Strategy und größter institutioneller Bitcoin-Halter der Welt, wies die Ponzi-These öffentlich zurück. Der Unterschied ist technisch und eindeutig: Ein Ponzi-Schema braucht einen zentralen Betreiber, der frühen Investoren mit Geldern späterer auszahlt. Bitcoin hat keinen Emittenten, keinen Promoter, keine versprochene Rendite. Nur ein dezentrales Netzwerk – offen einsehbar, transparent auf der Blockchain.
Strategy hält derzeit 738.731 Bitcoin. Das entspricht rund 3,5 Prozent des gesamten weltweiten Angebots – und dürfte die stärkste institutionelle Gegenantwort auf Johnsons These sein.
Eric Trump: Kurz und klar
Auch Eric Trump meldete sich auf X zu Wort. Sein Kommentar: schlicht „Totally disagree.“ Trump ist über das Unternehmen American Bitcoin aktiv, das mittlerweile über 6.500 BTC in seiner Treasury hält und zu den 17 größten börsennotierten Bitcoin-Haltern weltweit zählt.
Kwasi Kwarteng, ehemaliger britischer Finanzminister, brachte das grundlegende Problem auf den Punkt: Politiker verstehen das fixe Angebot von Bitcoin häufig nicht. 21 Millionen Einheiten – unveränderlich, durch Code gesichert. Kein Zentralbankrat kann das ausweiten. Genau das unterscheide Bitcoin strukturell von jedem klassischen Fiatgeldsystem.
Die Ironie des Zeitpunkts
Johnsons Haltung hat eine Vorgeschichte, die sein heutiges Auftreten besonders pikant macht. Während seiner Amtszeit trieb seine eigene Regierung im April 2022 eine Initiative voran, das Vereinigte Königreich zum globalen Zentrum für Krypto-Asset-Technologie zu machen. Damals sollte London der freundlichste Standort für digitale Assets in der westlichen Welt werden.
Dieser Schwenk ist bemerkenswert. Und er erklärt, warum die Reaktionen so scharf ausfielen.
Keine Marktreaktionen
Bitcoin notiert aktuell bei rund 83.000 US-Dollar. Die Marktkapitalisierung liegt bei über 1,6 Billionen Dollar. Das tägliche Handelsvolumen: rund 62 Milliarden Dollar. Johnsons Kolumne hat den Kurs nicht bewegt.
Das ist vielleicht die aussagekräftigste Antwort auf seine These.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
