Buterin macht die Ethereum Foundation kleiner – und verkauft weniger ETH

Raphael Lulay

25.05.2026, 12:21 Uhr

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Vitalik Buterin hat am Sonntagabend mit einem langen Beitrag auf X auf die wachsende Kritik an der Ethereum Foundation reagiert – und dabei mehr getan, als die Stiftung nur zu verteidigen. Der Mitgründer skizzierte einen strukturellen Umbau, der die Foundation bewusst verkleinert: weniger ETH-Verkäufe, ein engerer Aufgabenkatalog und ausdrücklich weniger Einfluss für Buterin selbst.

Der Kernsatz, der seither durch die Community geht: Die Stiftung wähle künftig „Langfristigkeit vor Breite – ja, das bedeutet, dass wir weniger ETH verkaufen“. Statt das ETH-Treasury laufend zu Geld zu machen, sollen die verbleibenden Mittel länger reichen und gezielt in Forschung, Cybersicherheit und Dezentralisierung fließen.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Buterins Stellungnahme fällt mitten in eine Abgangswelle: Laut Branchenberichten haben 2026 mindestens acht hochrangige EF-Mitarbeiter die Stiftung verlassen oder ihren Abschied angekündigt, allein fünf davon im Mai. Parallel war Ex-Co-Geschäftsführer Tomasz Stanczak bereits zurückgetreten. Die operative Steuerung des Umbaus liegt nun bei Interims-Co-Chef Bastian Aue, während EF-Präsidentin Aya Miyaguchi den institutionellen Übergang leitet.

Buterin will eigene Macht reduzieren

Bemerkenswert ist, wie offen Buterin die eigene Rolle relativiert. Er betonte, dass der Beitrag nur seine persönliche Sicht sei und er im Board keine Sonderrechte gegenüber anderen Mitgliedern habe. Das Gremium werde aktuell vergrößert – auch, um den Einfluss einzelner Personen zu verwässern. Sein eigener Einfluss werde „weiter abnehmen“, was er nach eigener Aussage ausdrücklich so wolle.

Inhaltlich grenzte Buterin die Foundation klar ab: Sie sei „nicht das Zentrum von Ethereum“, sondern „ein Knoten mit definiertem Zweck neben anderen Knoten“. Die zentrale Aufgabe aus den Gründungsdokumenten sei bereits 2022 abgeschlossen worden. Heute halte die Stiftung nur rund 0,16 Prozent aller ETH – andere Krypto-Stiftungen kontrollierten oft zehn bis 50 Prozent ihrer eigenen Token.

Forschung statt Marketing – die CROPS-Strategie

Den neuen Fokus fasste Buterin unter dem Kürzel „CROPS“ zusammen: Zensurresistenz (censorship resistance), Offenheit, Privatsphäre und Sicherheit. Genau hier sieht er die Daseinsberechtigung der Stiftung – und nicht im Wettrennen um höhere Transaktionszahlen. Seine deutlichste Warnung: So schnell und skalierbar wie möglich zu sein und nur „ein kleines Epsilon dezentraler als die anderen“, sei „ein Weg in die Mittelmäßigkeit“ – und ein Wettlauf, den Ethereum verlieren würde.

Konkret nannte Buterin als Ziel ein nachweislich fehlerfreies Ethereum-Protokoll, das über KI-gestützte formale Verifikation erreicht werden soll. Genau solche Arbeiten, die konkurrierende Netzwerke wohl nicht angehen würden, sollen die freigewordenen Mittel finanzieren.

Markt und Community bleiben gespalten

Ob die Botschaft beruhigt, ist offen. Der ETH-Kurs notiert weiterhin deutlich unter dem Allzeithoch von rund 4.950 US-Dollar aus dem August 2025, und ein 100-Millionen-Dollar-Short auf Ethereum steht aktuell kurz vor der Liquidation – die Nervosität im Markt ist also greifbar. Kritiker fragen, ob eine bewusst neutrale, zurückhaltende Stiftung in einem schwachen Markt überhaupt für Stabilität sorgen kann. Aus dem Umfeld von a16z etwa wurde die Sorge laut, dass strengere Governance Ethereums Schlagkraft gegenüber schnelleren Rivalen schwächen könnte.

Wichtig zur Einordnung: Die im Mai erfolgte Entnahme von 21.270 ETH aus dem Lido-Staking ist kein angekündigter Verkauf, sondern eine Umschichtung im Treasury. Buterin verwies zudem darauf, dass weiterhin rund 90 Prozent seines eigenen Vermögens in ETH gebunden seien.

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