Krypto-Entführungswelle in Frankreich: Angreifer zielen auf Sandbox-Mitgründer – so schützen sich Anleger

Raphael Lulay

25.05.2026, 09:23 Uhr

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Die Welle gewaltsamer Überfälle auf Krypto-Besitzer in Frankreich hat ein weiteres prominentes Ziel erreicht. Am Abend des 20. Mai 2026 versuchten mehrere maskierte Täter, die Ehefrau von Sébastien Borget – Mitgründer und COO der Metaverse-Plattform The Sandbox – am Wohnort des Paares im nordfranzösischen Villenoy zu entführen. Der Angriff scheiterte nur, weil Nachbarn eingriffen und die Täter in die Flucht schlugen.

Nach Angaben der französischen Zeitung Le Journal du Dimanche, die den Fall zuerst öffentlich machte, begann der Überfall gegen 20:30 Uhr. Einer der Täter trat als Paketbote auf, trug eine Lieferdienst-Weste und einen Karton, um die Frau ans Tor zu locken. Als sie öffnete, stürmten mehrere vermummte Komplizen auf das Grundstück und versuchten, sie in ein wartendes Fahrzeug zu zerren. Zwei der sechs Verdächtigen wurden kurz darauf festgenommen, vier sind weiter flüchtig. Bei den Festgenommenen handelt es sich um Jugendliche der Geburtsjahrgänge 2009 und 2010 – also 15 und 16 Jahre alt. Die Ermittler fanden eine Attrappenwaffe, Kabelbinder und Sturmhauben.

41 Fälle seit Jahresbeginn – Frankreich ist europäisches Epizentrum

Der Angriff auf die Familie Borget ist kein Einzelfall, sondern Teil eines klaren Musters. Die französische Kriminalpolizei (DNPJ) registrierte seit dem 1. Januar 2026 bereits 41 Entführungen oder Entführungsversuche mit Krypto-Bezug – statistisch ein Vorfall alle zweieinhalb Tage. Seit 2023 zählen die Behörden insgesamt 135 vergleichbare Fälle. Damit entfallen nach Daten, auf die sich The Block beruft, rund 80 Prozent aller europäischen Fälle auf Frankreich.

Im Zentrum stehen sogenannte Wrench Attacks: keine Cyberangriffe, sondern körperliche Gewalt, Einbruch oder Entführung, um Opfer zur Herausgabe von Private Keys, Seed Phrases oder Börsenzugängen zu zwingen. Die Liste der Betroffenen reicht weit in die Branche hinein – von Ledger-Mitgründer David Balland, dem im Januar 2025 ein Finger abgetrennt wurde, über den Chef von Binance France bis zur schwangeren Tochter von Paymium-CEO Pierre Noizat. Im April 2026 zwangen bewaffnete Täter eine Familie zur Übertragung von rund 820.000 US-Dollar in digitalen Vermögenswerten.

Immer jüngere Täter, organisierte Strukturen

Auffällig ist der Wandel im Täterprofil. Die französische Polizei stellt fest, dass viele der Angreifer 2026 Minderjährige oder junge Erwachsene sind – wie die beiden festgenommenen Teenager im Fall Borget. Das deutet auf gezielte Anwerbung junger Täter für physische Krypto-Verbrechen hin. Im April hatte die Pariser Staatsanwaltschaft im Rahmen einer groß angelegten Ermittlung bereits 88 Personen angeklagt, darunter zehn Minderjährige; 75 Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft.

Als Treibstoff der Welle gelten zentral gespeicherte Kundendaten und Datenlecks. Immer wieder genannt wird das Datenleck des Hardware-Wallet-Herstellers Ledger aus dem Jahr 2020, bei dem persönliche Daten von mehr als 270.000 Kunden – inklusive Wohnadressen und Telefonnummern – offengelegt wurden. Kritiker sehen in verpflichtenden KYC-Datenbanken und öffentlich einsehbaren Wallet-Adressen ein wachsendes Sicherheitsrisiko: On-Chain sichtbares Vermögen lässt sich mit realen Identitäten verknüpfen.

Frankreich reagiert – und Anleger können vorsorgen

Während der Paris Blockchain Week 2026 kündigte die französische Regierung zusätzliche Schutzmaßnahmen für Personen aus dem Krypto-Sektor an, darunter eine eigene Präventionsplattform für Unternehmer und Investoren sowie schnellere Polizeieinsätze.

Sicherheitsexperten empfehlen Krypto-Besitzern unabhängig davon konkrete Vorkehrungen. Eigene Bestände sollten nicht öffentlich bestätigt werden, da mit realen Identitäten verknüpfte Wallet-Adressen ein physisches Risiko schaffen. Hardware-Wallets gehören getrennt vom Wohnort verwahrt, da Täter auf sofortigen Zugriff setzen. Empfohlen werden außerdem Köder-Wallets mit kleineren Beträgen, die im Ernstfall herausgegeben werden können, sowie Verwahrungslösungen mit Notfall- und Zeitsperrfunktionen. Wer in der Branche öffentlich sichtbar ist, sollte zudem den Tagesablauf variieren und Datensparsamkeit gegenüber Dienstleistern wahren.

Die Vorfälle zeigen: Krypto-Risiko endet nicht beim Wallet. Mit steigenden Kursen wird digitaler Reichtum zunehmend auch zu einer physischen Verwundbarkeit – ein Aspekt, der bei der Sicherheitsplanung künftig genauso mitgedacht werden muss wie der Schutz vor Hacks und Phishing.

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