Coinbase hat in einem Blogpost vom 14. Mai 2026 angekündigt, künftig als offizieller Treasury-Deployer von USDC auf Hyperliquid zu fungieren. Damit rückt die größte US-Kryptobörse direkt in den Stablecoin-Kern einer der am schnellsten wachsenden On-Chain-Handelsplattformen vor. Parallel dazu wird der Hyperliquid-native Stablecoin USDH, erst im vergangenen Jahr von Native Markets eingeführt, schrittweise abgewickelt. Native Markets hat Coinbase die Rechte zum Erwerb der USDH-Markenwerte eingeräumt.
Die Einordnung ist deutlich: Auf Hyperliquid liegen aktuell rund 5 Milliarden US-Dollar in USDC, eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Dieses Volumen wandert nun unter ein Modell, in dem Coinbase als Treasury-Deployer den überwiegenden Teil der aus den USDC-Reserven generierten Zinserträge an das Hyperliquid-Protokoll zurückführt. Die Mittel fließen unter anderem in den sogenannten Assistance Fund, der HYPE-Rückkäufe und das Ökosystem-Wachstum stützt
Hintergrund: Hyperliquid-Validatoren hatten 2025 Native Markets ausgewählt, um mit USDH einen protokoll-eigenen Stablecoin unter dem sogenannten Aligned-Quote-Asset-Modell (AQA) zu starten. Ziel war es, die Zinserträge aus den Stablecoin-Reserven, die zuvor an externe Emittenten wie Circle und Coinbase abflossen, im Hyperliquid-Ökosystem zu halten. Nach Schätzungen aus dem Krypto-Markt belief sich dieser jährliche Reserve-Yield auf rund 110 Millionen US-Dollar – ein nicht zu unterschätzender wirtschaftlicher Hebel.
Mit dem jetzt verkündeten Schritt wird dieses Modell faktisch von außen übernommen. Coinbase steigt nicht in Konkurrenz zu USDH ein, sondern absorbiert die Konstruktion: Die ökonomische Logik des Yield-Sharings bleibt erhalten, der Stablecoin selbst wird jedoch durch USDC ersetzt. Native Markets bleibt als eigenständige Einheit bestehen und will sich künftig anderen Ökosystem-Initiativen widmen. Bestehende USDH-Märkte laufen während der Migrationsphase weiter, Nutzer können USDH gebührenfrei in USDC tauschen oder gegen Fiat einlösen.
Parallel zur Coinbase-Ankündigung übernimmt Circle die technische Deployer-Rolle für USDC auf Hyperliquid und verantwortet damit das Minting, die Redemption sowie das Cross-Chain Transfer Protocol (CCTP). Beide Unternehmen, Coinbase und Circle, haben zugesagt, HYPE-Token zu staken, um das aktualisierte AQAv2-Framework zu aktivieren. Circle plant, zusätzlich 500.000 HYPE zu staken und in Richtung einer Validatoren-Rolle auf Hyperliquid zu rücken.
Strategisch bedeutet der Schritt eine doppelte Verschiebung. Erstens festigt USDC seine Position als faktisches Settlement-Asset im wachsenden On-Chain-Derivatemarkt – Hyperliquid hat sich in den vergangenen Monaten als eine der dominanten Perpetuals-Handelsplattformen etabliert. Zweitens markiert die Übernahme der USDH-Marke und die Integration des AQA-Modells durch Coinbase einen Wendepunkt im Wettbewerb zwischen nativen DeFi-Stablecoins und institutionellen Emittenten. Das Experiment, Reserveerträge protokoll-intern zu halten, endet nach knapp einem Jahr – nicht durch Marktversagen, sondern durch Vereinnahmung des Modells durch den dominanten USDC-Anbieter.
Für Trader auf Hyperliquid heißt das in der Praxis: ein einheitliches Quote-Asset über die wichtigsten Märkte hinweg, tiefere Liquidität in USDC-denominierten Paaren und direkter Zugang zu den Fiat-On- und Off-Ramps von Coinbase. Für die übergeordnete Marktstruktur stellt sich die grundsätzlichere Frage, ob künftige Versuche anderer Protokolle, eigene Stablecoins als wirtschaftlichen Anker zu etablieren, ein ähnliches Schicksal nehmen – oder ob Hyperliquid den Präzedenzfall liefert, dass Yield-Sharing nur in Kooperation mit den großen Emittenten skaliert.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
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