Coldcard Hack News: Phishing-Angreifer machen Jagd auf verunsicherte Wallet-Nutzer

Alex Merten

04.08.2026, 19:17 Uhr

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Der Coldcard-Vorfall entwickelt sich zur doppelten Krise. Nachdem ein Firmwarefehler die Seed-Erzeugung mehrerer Gerätegenerationen über Jahre geschwächt hatte, nutzen Kriminelle nun die Verunsicherung der Anleger für eine zweite Angriffswelle – diesmal rein sozialtechnisch. Der Angriff zielt nicht mehr auf die kryptografische Schwäche der Hardware, sondern auf den Menschen davor.

Coldcard Hack News: Wie die Phishing-Masche funktioniert

Die Betrüger versenden gefälschte E-Mails, die zu einem angeblichen Sicherheitscheck auffordern und auf eine originalgetreu nachgebaute Hersteller-Website führen. Der dort angebotene Download installiert jedoch keine Firmware, sondern eine Fernwartungssoftware auf dem Rechner des Opfers. Besonders perfide: In einem eingebauten Support-Chat der Fake-Seite antwortet eine echte Person, die die Opfer Schritt für Schritt durch die Installation lotst. Die E-Mails verweisen dabei bewusst auf den realen Firmwarefehler, um Glaubwürdigkeit vorzutäuschen. Auch Hersteller wie Trezor und Foundation, deren Geräte von der ursprünglichen Schwachstelle gar nicht betroffen sind, beobachten inzwischen vermehrt solche Nachahmerversuche.

Der ursprüngliche Vorfall hatte über eine deterministische Zufallszahlen-Erzeugung ab Firmware 4.0.0 (März 2021) private Schlüssel vorhersehbar gemacht. Bislang gelten knapp 1.600 BTC aus rund 7.300 Adressen über drei bestätigte Angriffswellen als gestohlen. Rechnet man vermutete, aber noch unbestätigte Vorfälle einer möglichen vierten Welle hinzu, könnte der Gesamtschaden auf rund 2.000 BTC steigen – umgerechnet etwa 130 Millionen US-Dollar.

Warum umgeht der Angriff den Schutz der Hardware-Wallet?

Der Reiz für die Angreifer liegt im Zielobjekt: die Seed-Phrase. Eine Hardware-Wallet schützt private Schlüssel, solange sie das Gerät nie verlassen. Gibt ein Nutzer seine Seed-Phrase jedoch auf einer gefälschten Website ein oder bestätigt eine manipulierte Empfangsadresse, ist dieser Schutz wertlos – unabhängig davon, wie sicher das Gerät selbst konstruiert ist. Genau hier setzt die Masche an: Sie verlagert den Angriffspunkt von der Maschine auf den Menschen.

Am stärksten gefährdet sind tatsächlich betroffene Nutzer, die zur Migration aufgefordert wurden. Der Hersteller empfiehlt Betroffenen, einen neuen Seed auf korrigierter Firmware zu erzeugen und ihre Bestände auf frische Adressen zu übertragen. Weil die Betrüger genau auf diesen Migrationsdruck spekulieren, gilt: Firmware ausschließlich über die offizielle Website beziehen und jede Empfangsadresse direkt auf dem Display der Wallet prüfen. Kein seriöser Hersteller fordert per E-Mail zur Installation von Software über verlinkte Seiten auf.

Was bedeutet der Vorfall für Selbstverwahrung?

Der Fall zeigt eine unbequeme Wahrheit über Self-Custody: Sicherheit ist kein Zustand, sondern eine Kette – und die schwächste Stelle entscheidet. Nachdem die technische Schwachstelle einmal öffentlich war, wurde die daraus entstandene Panik selbst zum Einfallstor.