Core Scientific und AMD vereinbaren 2,5-GW-Deal – Bitcoin-Mining läuft aus

Raphael Lulay

28.07.2026, 15:09 Uhr

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Core Scientific hat am Dienstag eine Partnerschaft mit dem Chipkonzern AMD bekannt gegeben, die dem Halbleiterhersteller ab 2027 zunächst mehr als 500 Megawatt Rechenzentrumsleistung in den USA sichert und auf bis zu 2,5 Gigawatt ausgebaut werden kann. Zeitgleich legte das Unternehmen Zahlen zum zweiten Quartal vor. Der Umsatz lag bei 164,2 Millionen Dollar und damit deutlich über den Analystenerwartungen von rund 135 Millionen Dollar. Je Aktie stand ein Verlust von 3,32 Dollar zu Buche.

Für Core Scientific ist der Abschluss der vorläufige Endpunkt eines Umbaus, der seit gut zwei Jahren läuft: Das Unternehmen war einer der größten börsennotierten Bitcoin-Miner Nordamerikas und fährt dieses Geschäft inzwischen kontrolliert herunter.

AMD-Deal: 529 Megawatt fest vereinbart, 1.925 Megawatt als Option

Die zugrunde liegenden Mietverträge wurden am 27. Juli unterzeichnet und umfassen kombiniert 529 Megawatt kritischer IT-Leistung an fünf Standorten in Texas, Oklahoma, Alabama und Georgia. Rund 377 Megawatt entfallen auf AMD selbst an den Standorten Pecos, Muskogee und Hunt County, weitere 152 Megawatt auf einen Neocloud-Betreiber in Auburn und Dalton. Die Laufzeit beträgt jeweils 15 Jahre mit drei Verlängerungsoptionen von je fünf Jahren.

Über die fest vereinbarte Kapazität hinaus erhält AMD das Recht, bis zum 28. Dezember 2028 weitere 1.925 Megawatt zu reservieren. Erst daraus ergibt sich die kommunizierte Obergrenze von 2,5 Gigawatt. Auf den Flächen sollen Instinct-Beschleuniger, EPYC-Prozessoren und die Softwareumgebung ROCm zum Einsatz kommen.

Bestandteil der Vereinbarung ist zudem ein Optionsschein, der AMD den Bezug von bis zu 30 Millionen Core-Scientific-Aktien zu 23,47 Dollar ermöglicht. Die Ausübbarkeit ist an die tatsächlich bereitgestellte Leistung gekoppelt, pro Megawatt werden 12.222 Aktien fällig. Mit den unterzeichneten Verträgen wurden rund 6,5 Millionen Aktien sofort ausübbar. Bei einer voll verwässerten Aktienzahl von etwa 508 Millionen Stück entspricht das volle Paket rund sechs Prozent des Kapitals – ein Verwässerungseffekt, der in der Schlagzeile zur Gigawatt-Zahl nicht auftaucht.

Nach eigenen Angaben verfügt Core Scientific damit über kontrahierte Leistung von etwa 1,1 Gigawatt und einen potenziellen Vertragsumsatz von mehr als 24 Milliarden Dollar.

Vom Bitcoin-Miner zum Betreiber von KI-Rechenzentren

Der Umbau lässt sich an der Bilanz ablesen. Im Januar verkaufte Core Scientific rund 1.900 Bitcoin für etwa 175 Millionen Dollar, im ersten Quartal weitere 2.385 Bitcoin für 208,3 Millionen Dollar. Parallel wurden Mining-Vermögenswerte in Höhe von 266,5 Millionen Dollar abgeschrieben und eine Anleihe über 3,3 Milliarden Dollar mit einem Kupon von 7,75 Prozent begeben, deren Erlöse in den Rechenzentrumsausbau fließen.

Der Fall steht nicht allein. Nach Berechnungen von Bernstein haben Bitcoin-Miner in den vergangenen zwei Jahren rund sieben Gigawatt Leistung an Hyperscaler, Neoclouds und Chiphersteller vermietet, verteilt auf 19 Transaktionen mit einem Volumen von mehr als 135 Milliarden Dollar. Was die Miner in den Bullenmärkten aufgebaut haben – gesicherte Netzanschlüsse, Grundstücke, Umspannwerke –, ist als Vorleistung für KI-Rechenzentren wertvoller geworden als für die Blockproduktion.

Auf der Nachfrageseite passt der Zeitpunkt: AMD hatte am 22. Juli eine Partnerschaft mit dem KI-Unternehmen Anthropic über bis zu zwei Gigawatt Instinct-Kapazität angekündigt. Die Rechenleistung, die dort zugesagt wurde, braucht physische Standorte.

Core Scientific Aktie: Analysten sehen Bewertung teilweise vorweggenommen

Die Aktie legte im vorbörslichen US-Handel zunächst rund vier Prozent zu, im frühen Handel zeitweise bis zu zehn Prozent. AMD-Papiere gaben vorbörslich um mehr als fünf Prozent nach.

Einschränkend ist der Zeitpunkt der jüngsten Analystenstimme zu lesen: Erst am Montag hatte KBW Core Scientific von Outperform auf Market Perform abgestuft und das Kursziel von 28 auf 25 Dollar gesenkt. Die Begründung lautete, der Kurs preise bereits rund 400 Megawatt neuer Mietabschlüsse ein – etwa 80 Prozent dessen, was das Management binnen eines Jahres realistisch liefern könne. Als Referenz wurden 22,75 Dollar genannt. Der AMD-Abschluss liefert damit einen Teil dessen, was der Markt bereits unterstellt hatte.

Hinzu kommen die Baukosten. Core Scientific beziffert den Aufwand auf 11 bis 12 Millionen Dollar je Megawatt, zuzüglich 1 bis 2 Millionen Dollar für den Mieterausbau. Bei den in Aussicht gestellten Margen von 80 bis 85 Prozent bleibt die Rechnung an eine Bedingung geknüpft: Die Kapazität muss termingerecht ans Netz gehen und der Mieter zahlungsfähig bleiben. Bei einer Struktur mit wenigen großen Ankermietern ist das Konzentrationsrisiko höher als bei klassischen Rechenzentrumsbetreibern mit gestreutem Mieterbestand.

Bemerkenswert bleibt der Kontrast zum übrigen Marktumfeld. Während Core Scientific langfristige Verträge über KI-Kapazität meldet, notierte Bitcoin am Dienstag rund zwei Prozent schwächer bei etwa 63.400 Dollar, und der südkoreanische Kospi verlor über Nacht 10,8 Prozent. Die Infrastruktur, die einst für Bitcoin gebaut wurde, folgt inzwischen einem anderen Zyklus als der Coin selbst.

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