Der Ripple Coin XRP notiert am Dienstagabend bei 1,06 US-Dollar, und damit nur knapp oberhalb der 1-Dollar-Marke, die als psychologisch wichtig gilt. Im 24-Stunden-Rückblick steht ein Minus von 3,2 Prozent, das Momentum scheint alles andere als intakt.
Selbst in der als überaus optimisch geltenden Coingecko-Community zeigen sich Risse. In der täglichen Umfrage teilen 61 Prozent eine bullishe XRP Prognose. Das mag auf den ersten Blick viel erscheinen, doch meistens liegen die Umfragewerte oberhalb der 70-Prozent-Marke.
Wer möchte Ripple kaufen? Auf- und Ab bewegt Markt
Zumindest mit Blick auf das Handelsvolumen sind grüne Zahlen zu vermelden: Dieses stieg bei XRP im 24-Stunden-Verlauf um 45,30 Prozent an, wie Coingecko-Daten zeigen.
Ein Blick auf den Prognosemarkt von Polymarket zeigt: Nur eine verschwindend kleine Minderheit glaubt an einen baldigen fulminanten Ripple-Bullrun. Konkret setzen nur 1 Prozent der Spekulanten in einer entsprechenden Wette ihr Geld darauf, dass der XRP Coin bis Ende September 2026 ein neues Allzeit-Hoch erreicht.
XRP Kurs heute: Fed-Sitzung räumt den Markt leer
Das Minus bei XRP ist kein isoliertes Ereignis. Am Dienstagmorgen wurden binnen weniger Stunden rund 700 Millionen US-Dollar an gehebelten Positionen liquidiert, rund 80 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung verschwanden im selben Zeitraum. Bitcoin rutschte auf rund 63.150 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit dem 17. Juli, XRP verlor die Unterstützung bei 1,10 US-Dollar. Der Angst-und-Gier-Index steht bei 29.
Auslöser ist der Kalender, nicht der Chart. Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank tagt am 28. und 29. Juli, die Entscheidung fällt am Mittwoch. Der Leitzins liegt seit vier Sitzungen unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Wer vor einer solchen Sitzung gehebelt long positioniert ist, wird planbar aus dem Markt gedrückt. Das erklärt den Volumensprung von über 45 Prozent besser als eine plötzliche Verkaufswelle.
Bemerkenswert ist die Gegenbewegung innerhalb des Marktes: Ethereum legte am Nachmittag um rund 4,5 Prozent auf etwa 1.968 US-Dollar zu und erreichte damit den höchsten Stand seit zwei Monaten. XRP profitiert von dieser Rotation bislang nicht.
XRP ETF Zuflüsse versiegen, Goldman Sachs ist raus
Die institutionelle Seite liefert das eigentlich unangenehme Bild. Die monatlichen Zuflüsse in XRP-ETFs sind im Juli auf 12,43 Millionen US-Dollar gefallen, nach 131,94 Millionen US-Dollar im Vormonat. Das ist der niedrigste Stand seit April, verstärkt durch den vollständigen Rückzug von Goldman Sachs. Die Bank war zwischenzeitlich mit rund 153,8 Millionen US-Dollar über vier Spot-ETFs der größte institutionelle XRP-Halter an der Wall Street.
Kumuliert stehen die US-Spot-Produkte weiterhin bei rund 1,49 Milliarden US-Dollar seit Auflage, ein Wert, der sich seit Wochen kaum noch bewegt. Auf der Gegenseite steht die Wal-Aktivität: Die größten Wallets haben ihre Bestände in fünf Wochen um 2,8 Prozent aufgestockt. Für eine Trendwende reicht das bisher nicht, denn bei einer Bewertung von über 66 Milliarden US-Dollar erfordert jede Vervielfachung entsprechend viel Kapital.
CLARITY Act: Die Abstimmung, die XRP nicht bekommt
Der dritte Belastungsfaktor kommt aus Washington. Der CLARITY Act wird den Senat nicht mehr vor der August-Pause passieren. Das Gesetz hat den Bankenausschuss zwar durchlaufen, benötigt für die Verabschiedung aber 60 Stimmen. Die gesicherten und wahrscheinlichen Ja-Stimmen liegen derzeit bei rund 51, nachdem zwei demokratische Ausschussmitglieder vom jüngsten Entwurf abgerückt sind. Ein Verfahrensantrag müsste bis zum 29. Juli gestellt werden, eine begleitende Ethik-Vereinbarung bis zum 30. Juli.
Für XRP ist das mehr als eine Randnotiz. Die Einstufung als digitaler Rohstoff beruht bislang auf einer gemeinsamen Auslegung von SEC und CFTC aus dem März 2026. Eine Auslegung kann die nächste Regulierungsriege wieder kippen, ein Bundesgesetz nicht. Für Pensionsfonds, Vermögensverwalter und Bank-Treuhandbereiche ist genau diese Dauerhaftigkeit meist die Voraussetzung für eine Allokation.
Dass Ripple als Unternehmen parallel liefert, ändert daran wenig. Die luxemburgische Finanzaufsicht CSSF hat Ripple Payments Europe im Juli 2026 in das MiCA-Register aufgenommen, womit das Unternehmen seine regulierten Dienste per Passporting im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum anbieten kann. Der Stablecoin RLUSD benötigt allerdings weiterhin eine separate EU-Zulassung, bevor er in der Region regulär eingesetzt werden kann. Die Lizenz gilt dem Zahlungsgeschäft, nicht dem Token. Ein Unterschied, den der Kurs seit Wochen zuverlässig abbildet.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
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