Die Stimmung rund um Bitcoin hat sich spürbar eingetrübt. Auf der Prognoseplattform Polymarket wetten aktuell nur 27 Prozent der Teilnehmer darauf, dass Bitcoin im Jahr 2026 besser abschneidet als Gold. Eine deutliche Mehrheit geht demnach davon aus, dass das Edelmetall die Kryptowährung outperformen wird – ein bemerkenswerter Stimmungsumschwung in einem Markt, der jahrelang von technologischer Euphorie und Wachstumsfantasie geprägt war.
Der Pessimismus steht in starkem Kontrast zur historischen Entwicklung. Seit 2013 liegt die durchschnittliche jährliche Rendite von Bitcoin bei rund 173 Prozent. Selbst in Phasen erhöhter Volatilität blieb die langfristige Performance außergewöhnlich. Noch 2024 konnte Bitcoin ein Plus von rund 120 Prozent verzeichnen – trotz zunehmender regulatorischer Debatten und makroökonomischer Unsicherheiten.
Doch das Jahr 2025 hat Spuren hinterlassen. Nach einer Phase massiver Kursrückgänge, steigender realisierter Verluste und teils deutlicher ETF-Abflüsse ist das Vertrauen vieler Marktteilnehmer angeschlagen. On-Chain-Daten zeigen erhöhte Kapitulationssignale, während die Stimmungslage zuletzt in den Bereich extremer Furcht gerutscht ist. In einem solchen Umfeld rücken vermeintlich sichere Häfen wieder stärker in den Fokus.
Krypto News: Paradigmenwechsel in Sicht?
Gold profitiert sichtbar von dieser Verschiebung. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate legte das Edelmetall um 68,2 Prozent zu – eine bemerkenswerte Entwicklung für einen traditionell defensiven Vermögenswert. Getrieben wurde die Rallye unter anderem durch geopolitische Spannungen, anhaltende Staatsverschuldungsthemen und eine wachsende Skepsis gegenüber Papierwährungen. Zentralbanken weltweit stockten ihre Goldreserven weiter auf, was dem Markt zusätzlichen Rückenwind verlieh.
Die aktuelle Polymarket-Wette spiegelt somit nicht nur eine kurzfristige Einschätzung wider, sondern einen breiteren Mentalitätswandel. Während Bitcoin lange als „digitales Gold“ gehandelt wurde, scheint das physische Pendant aktuell wieder als stabilerer Wertspeicher wahrgenommen zu werden. Entscheidend dürfte sein, wie sich das makroökonomische Umfeld 2026 entwickelt: Kommt es zu Zinssenkungen und einer erneuten Liquiditätsausweitung, könnten risikoreiche Anlagen wie Bitcoin wieder profitieren. Bleiben Unsicherheiten dominant, dürfte Gold seine defensive Rolle behaupten.

Historisch betrachtet entstanden jedoch gerade in Phasen ausgeprägter Skepsis oftmals die Grundlagen für neue Aufwärtszyklen. Dass nur noch gut ein Viertel der Marktteilnehmer an eine Outperformance glaubt, ist daher nicht nur Ausdruck von Ernüchterung – sondern möglicherweise auch ein Kontraindikator. Ob sich diese These bestätigt, wird das Jahr 2026 zeigen.

Martin Müller schreibt seit mehreren Jahren über Finanzmärkte, Geldanlage und Kryptowährungen – mit einem besonderen Blick auf aktuelle Trends und Entwicklungen.