Der Kryptomarkt steht weiter unter Druck. Innerhalb von 24 Stunden ist die gesamte Marktkapitalisierung um 0,6 Prozent gesunken. Zwar wirkt das Minus auf den ersten Blick überschaubar, doch ein genauerer Blick auf Stimmungsindikatoren, Kapitalflüsse und On-Chain-Daten zeichnet ein deutlich angespanntes Bild.
Besonders alarmierend ist der aktuelle Stand des Crypto Fear and Greed Index von alternative.me. Mit einem Wert von 9 notiert der Indikator im Bereich „extreme Furcht“ und damit nahe einem der historisch niedrigsten Werte überhaupt. Vergleichbare Niveaus wurden in der Vergangenheit nur in Phasen massiver Marktverwerfungen erreicht – etwa nach abrupten Kurseinbrüchen oder in klaren Kapitulationsphasen. Die Stimmung ist entsprechend gedrückt, viele Marktteilnehmer reduzieren Risiko oder stehen an der Seitenlinie.

Zum Vergleich: Der Fear-and-Greed-Index für den US-Aktienmarkt von CNN liegt aktuell bei 36 Punkten. Auch dort dominiert Furcht, allerdings deutlich weniger ausgeprägt als im Kryptosektor. Die Differenz verdeutlicht, wie stark digitale Assets derzeit unter Druck stehen. Während Aktienanleger vorsichtig agieren, herrscht im Kryptomarkt nahezu Panik.
Die Zurückhaltung spiegelt sich auch in den Kapitalflüssen wider. Am Donnerstag, den 12. Februar 2026, wurden erneut 410,2 Millionen US-Dollar aus Bitcoin-ETFs abgezogen. Bei Ethereum-ETFs summierten sich die Nettoabflüsse auf 113,1 Millionen US-Dollar. Institutionelle Investoren scheinen kurzfristig weiter Risiko abzubauen, was den Verkaufsdruck zusätzlich verstärkt.
On-Chain-Daten unterstreichen die angespannte Lage. In den vergangenen sieben Tagen summierten sich die realisierten Nettoverluste bei Bitcoin auf 2,3 Milliarden US-Dollar. Laut Daten der Analyseplattform CryptoQuant handelt es sich um eines der größten Kapitulationsereignisse in der Geschichte von Bitcoin. Der On-Chain-Analyst „IT Tech“ spricht von einem außergewöhnlich starken Abverkauf, der vor allem kurzfristig orientierte Marktteilnehmer getroffen habe.
Wieder bullishe Krypto News?
Gleichzeitig gibt es erste vorsichtige Hoffnungsschimmer auf makroökonomischer Ebene. Die neuen Inflationszahlen aus den USA fielen günstiger aus als erwartet. Der Verbraucherpreisindex (CPI) sank im Januar von 2,7 Prozent auf 2,4 Prozent und lag damit unter der Konsensschätzung von 2,5 Prozent. Für die US-Notenbank eröffnet dies potenziell mehr Spielraum für Zinssenkungen – ein Szenario, auf das risikobehaftete Anlagen wie Bitcoin seit Monaten spekulieren.
Ob dieser positive Impuls ausreicht, um die extreme Furcht im Markt nachhaltig zu drehen, bleibt offen. Kurzfristig dominieren Abflüsse, Verluste und Kapitulationssignale. Historisch betrachtet entstanden jedoch gerade in Phasen maximaler Verunsicherung häufig langfristig attraktive Einstiegsniveaus. Der aktuelle Markt bewegt sich damit in einem Spannungsfeld aus Panik und geldpolitischer Hoffnung – eine Konstellation, die in den kommenden Wochen entscheidend werden dürfte.

Martin Müller schreibt seit mehreren Jahren über Finanzmärkte, Geldanlage und Kryptowährungen – mit einem besonderen Blick auf aktuelle Trends und Entwicklungen.