Einen Tag vor dem Auslaufen der MiCA-Übergangsfrist ist im europäischen Krypto-Markt ein Wettbewerb um Neukunden entbrannt. Am 1. Juli 2026 endet die EU-weite Schonfrist endgültig: Börsen ohne gültige MiCA-Lizenz dürfen Kundinnen und Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum ab diesem Datum keine Krypto-Dienstleistungen mehr anbieten. Ein laufender Lizenzantrag genügt nach Bestätigung der Wertpapieraufsicht ESMA ausdrücklich nicht. Für deutsche Anleger lief der entscheidende Stichtag bereits Ende 2025 ab, weil Deutschland die Übergangsfrist über das Kryptomärkteaufsichtsgesetz vorgezogen hatte. Der 1. Juli trifft vor allem Plattformen, die ihre Frist über andere EU-Staaten wie Malta oder Frankreich bis zum letztmöglichen Tag ausgeschöpft haben.
Den vorläufigen Höhepunkt erreichte der Verdrängungswettbewerb in den vergangenen Tagen mit dem Rückzug von Binance. Die nach Handelsvolumen größte Krypto-Börse der Welt teilte ihren Nutzern mit, ab dem 1. Juli bestimmte Dienste in der EU einzustellen und vorerst keine Neuregistrierungen mehr anzunehmen. Zuvor hatte Binance seinen Lizenzantrag in Griechenland zurückgezogen. Das Unternehmen betonte, an seinen Ambitionen in Europa festzuhalten und eine MiCA-Lizenz in einem anderen Mitgliedstaat anzustreben. Bestehende Guthaben blieben nach Unternehmensangaben jederzeit zugänglich.
Boni als Lockmittel
Den Abgang der Konkurrenz nutzen lizenzierte Anbieter offensiv zur Kundengewinnung. OKX, das über seine maltesische Gesellschaft seit Anfang 2025 eine MiCA-Lizenz hält, wirbt im Rahmen seiner Kampagne „Time to Switch“ mit einem Einzahlungsbonus von acht Prozent auf Netto-Einzahlungen, maximal 20.000 Euro. Die Aktion läuft vom 29. Juni bis zum 31. Juli 2026, gilt für Neu- und Bestandskunden ab zehn Euro Einzahlung und wird über zwölf Monate in Raten ausgezahlt. Neukunden erhalten zusätzlich einen verbesserten Willkommensbonus von bis zu 400 Euro. Coinbase wiederum, nach eigenen Angaben seit 2025 MiCA-lizenziert, bietet Neukunden in mehreren großen europäischen Märkten einen Transfer-Bonus von fünf Prozent. Auch Kraken, Bitvavo, Bitpanda und BISON werben mit Aktionen um wechselwillige Nutzer.
Wer den OKX-Bonus nutzen möchte, registriert sich hier.
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Was Anleger beachten sollten
Trotz der aggressiven Werbung gilt: MiCA reguliert die Anbieter, nicht den privaten Besitz von Kryptowährungen. Wer Bitcoin selbst verwahrt, ist von der Frist nicht betroffen. Wer Guthaben auf einer nicht lizenzierten Börse hält, sollte deren Status prüfen und im Zweifel rechtzeitig wechseln. Die Boni sind an Bedingungen geknüpft: Die Teilnahme erfordert ein Opt-in vor der Einzahlung, die Auszahlung erfolgt gestaffelt in USDC über 52 Wochen, der Prämienpool ist gedeckelt. Anleger sollten die Konditionen vor einer Entscheidung sorgfältig lesen, statt sich allein vom Stichtagsdruck leiten zu lassen.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
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