Die Nachfrage russischer Verbraucher nach Hardware-Wallets hat sich im ersten Halbjahr 2026 mehr als verdoppelt – parallel zum Inkrafttreten eines neuen regulatorischen Rahmens für Kryptowährungen. Zwei große Einzelhändler berichten von deutlich gestiegenen Verkaufszahlen, ohne den konkreten Treiber der Nachfrage zu benennen.
Der Elektronikhändler M.Video verzeichnete im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Quartal einen Anstieg der verkauften Einheiten um 107 Prozent, während der Umsatzwert um 92 Prozent zulegte. Der Marktplatz Wildberries meldete im ersten Halbjahr ein Verkaufsplus von 84 Prozent im Jahresvergleich, bei einem um 60 Prozent gestiegenen Verkaufswert. Wichtig für die Einordnung: Die Zahlen beziehen sich auf unterschiedliche Vergleichszeiträume – M.Video stellt Q2 gegen Q1, Wildberries das erste Halbjahr gegen den Vorjahreszeitraum. Absolute Stückzahlen wurden von keinem der beiden Händler veröffentlicht. Der Durchschnittspreis bei Wildberries sank um 13 Prozent auf 7.900 Rubel.
Hintergrund ist der regulatorische Umbruch. Hardware-Wallets speichern die privaten Schlüssel offline auf einem dedizierten Gerät und ermöglichen so die Eigenverwahrung. Nicht-verwahrende Wallets sind nach russischem Recht weder verboten noch illegal. Untersagt sind jedoch Auszahlungen von inländischen digitalen Verwahrstellen auf persönliche Wallets – hier läuft eine Übergangsphase bis zum 1. Juli 2027. Der breitere Krypto-Rahmen tritt bereits zum 1. September in Kraft: Regulierte Börsen und Verwahrstellen dürfen dann bestimmten Privatanlegern nach einer Testphase den Kauf liquider Kryptowährungen erlauben, begrenzt auf eine jährliche Obergrenze von 300.000 Rubel je Intermediär. Das Verbot inländischer Krypto-Zahlungen bleibt bestehen.
Einordnung für Anleger: Eigenverwahrung umgeht die russischen Rücknahmebeschränkungen nicht und beseitigt auch nicht die technischen Risiken der Geräte selbst. Wie relevant Letzteres bleibt, zeigte zuletzt eine Ende Juli offengelegte Schwachstelle in der Coldcard-Firmware, die die Seed-Generierung betraf und zu geschätzten Verlusten von über 116 Millionen US-Dollar führte.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
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