Krypto-Geldwäsche in Südkorea explodiert – Behörden melden 152-fachen Anstieg der Fälle

Alex Merten

10.08.2026, 21:32 Uhr

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Südkorea verzeichnet einen drastischen Anstieg bei der Geldwäsche mit Kryptowährungen. Die Nationale Polizeibehörde registrierte im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 1.214 Fälle. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 waren es acht Fälle, 2023 lediglich drei. Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl damit um das 152-Fache erhöht.

Mit einem Anteil von 79,4 Prozent bilden Geldwäschefälle erstmals die größte Einzelkategorie der Krypto-Kriminalität im Land. Bislang dominierte der Anlagebetrug dieses Bild. Als Ursache für die Verschiebung nennen die Ermittler professionell organisierte Netzwerke, die Kryptowährungen einsetzen, um kriminelle Erlöse ins Ausland zu transferieren und Geldströme zu verschleiern.

Warum Kriminelle vermehrt auf Krypto setzen

Im Zentrum stehen laut den Ermittlungen Stablecoins wie Tether. Über sie werden Einnahmen aus Drogenhandel, illegalem Glücksspiel und Phishing-Betrug grenzüberschreitend bewegt. Die Behörden beobachten zunehmend Gruppen, die sich ausschließlich auf Geldwäsche mit digitalen Assets spezialisiert haben.

Ein konkreter Fall verdeutlicht die Dimension: Zwischen Februar 2024 und April 2025 sollen 23 Verdächtige Kryptowerte im Umfang von rund 11,1 Millionen US-Dollar für eine in Kambodscha ansässige Phishing-Gruppe verschoben haben. Dabei kamen illegale Wechselstuben und grenzüberschreitende Geldwäschestrukturen zum Einsatz.

Warum die Strafverfolgung an ihre Grenzen stößt

Trotz der stark gestiegenen Fallzahlen bleibt die Ahndung schwierig. Im ersten Halbjahr 2026 nahm die Polizei nur 18 Tatverdächtige fest. Ermittlungen scheitern häufig daran, dass die Coins über ausländische Börsen weitergeleitet und anschließend in andere Vermögenswerte getauscht werden.

Die Aufsicht reagiert mit verschärften Kontrollen des Sektors. Bereits 2025 gingen bei der koreanischen Finanzaufsicht mehr als 36.684 Verdachtsmeldungen zu Krypto-Transaktionen ein. Ohne engere internationale Kooperation und strengere Regeln dürfte die organisierte Geldwäsche über Kryptowährungen weiter zunehmen.

Eigene Meinung

Die Zahlen aus Südkorea sind in ihrer Steigerungsrate spektakulär, sollten aber eingeordnet werden: Ein Sprung von acht auf über 1.200 Fälle spiegelt zu einem erheblichen Teil auch veränderte Erfassung, geschärfte Meldepflichten und intensivere Ermittlungsarbeit wider – nicht allein reales Kriminalitätswachstum. Die niedrige Zahl der Festnahmen deutet zudem auf ein strukturelles Problem hin: Nicht die Blockchain selbst, sondern die grenzüberschreitende Weiterleitung über schwach regulierte ausländische Börsen erschwert die Verfolgung.

Für Anleger im DACH-Raum ist der Fall vor allem als regulatorisches Signal relevant. Unter dem MiCA-Rahmen und verschärften Geldwäschevorgaben ist absehbar, dass KYC-Pflichten und Transaktionsüberwachung bei europäischen Anbietern eher zu- als abnehmen. Wer über regulierte Plattformen investiert, ist davon in der Praxis kaum betroffen – sollte aber damit rechnen, dass Identitätsprüfungen und Herkunftsnachweise zum Standard werden. Stablecoins wiederum geraten als bevorzugtes Transfermittel krimineller Netzwerke weiter in den Fokus der Aufsicht, was mittelfristig strengere Auflagen für Emittenten wahrscheinlich macht.