Solana ist am Morgen des 12. August nur knapp an einem Ausfall vorbeigekommen. Durch einen Routing-Fehler beim Infrastrukturanbieter Teraswitch fielen zeitweise 28,83 Prozent des gesamten gestakten SOL aus. Damit lag das Netzwerk rund 4,5 Prozentpunkte unter der kritischen Marke von 33,34 Prozent, ab der keine Transaktionen mehr final bestätigt werden.
Der Unterschied ist technisch entscheidend. Solanas Konsensverfahren, eine Variante der Byzantine Fault Tolerance, benötigt etwa zwei Drittel des aktiven Stakes, um Transaktionen zu finalisieren. Kippt mehr als ein Drittel offline, verliert das Netzwerk diese Supermehrheit. Blöcke würden weiter produziert, aber keine Transaktion gälte mehr als unumkehrbar. Nach eigenen Angaben fehlten dem Netzwerk zum Zeitpunkt des Vorfalls nur rund 20 Millionen SOL bis zu diesem Punkt.
Solana Ausfall: Was genau passiert ist
Auslöser war eine fehlerhafte Internetroute aus einer Teraswitch-Anlage in Miami. Der Fehler verbreitete sich auf Rechenzentren in Europa und Asien und trennte Validatoren in London, Amsterdam, Frankfurt, Singapur und Tokio vom Netz. Nordamerika blieb online. Nach etwa zehn Minuten war die Ursache behoben, doch zahlreiche Validatoren blieben insgesamt rund 33 Minuten offline.
Rund 90 Validatoren waren betroffen und verloren zusammen etwa 333 SOL an Staking-Rewards. Anders als einige andere Proof-of-Stake-Netzwerke bestraft Solana Ausfälle nicht mit Slashing – wer offline geht, verdient schlicht keine Belohnung. Die entgangenen Rewards sollen über sogenannte Validator Bonds ausgeglichen werden. Für einen echten Netzwerkstillstand existiert ein solcher Schutz jedoch nicht.
Solana Prognose: Warum das Konzentrationsrisiko bleibt
Die eigentliche Schwachstelle ist die Bündelung der Infrastruktur. Ein einzelnes autonomes System beherbergte mehr als ein Viertel des gesamten gestakten SOL und lag damit über der intern vorgesehenen Obergrenze von 25 Prozent. Nahezu der komplette dort angesiedelte Stake ging gleichzeitig offline, bei weiteren Anbietern fielen zusätzlich rund 14 Millionen SOL aus. Auch Backup-Systeme vieler Validatoren versagten, darunter bei einem der größten Betreiber im Netzwerk.
Genau hier liegt die Lehre des Vorfalls. Eine hohe Zahl an Validatoren garantiert keine echte Dezentralisierung, solange viele davon von denselben Rechenzentren und Netzanbietern abhängen. Als Reaktion sollen die Konzentrationsgrenzen pro Anbieter und pro Rechenzentrum künftig strenger gefasst und offengelegt werden, welche Validatoren über automatische Ausfallsicherung verfügen.
Zur Einordnung: Solanas letzter vollständiger Ausfall datiert auf Februar 2024, der Neustart dauerte damals rund fünf Stunden. Seither lief das Netzwerk über 30 Monate ohne kompletten Halt. Der aktuelle Fall zeigt allerdings eine feinere Gefahr – das Netzwerk kann technisch weiterlaufen und trotzdem die Fähigkeit verlieren, Transaktionen endgültig zu bestätigen.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
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