Historische Wende bei Strategy: Der Markt bewertet das Unternehmen jetzt niedriger als seine Bitcoin-Reserve

Alex Merten

27.06.2026, 20:14 Uhr

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Es ist eine Lage, die es bei Strategy (vormals MicroStrategy) so noch nie gab: Der Markt bewertet das Unternehmen von Michael Saylor inzwischen niedriger als den Wert seiner Bitcoin-Bestände. Die Kennzahl mNAV, also das Verhältnis aus Unternehmenswert und dem Marktwert der gehaltenen Bitcoin, ist offiziell unter 1 gerutscht. Jahrelang lag dieser Wert deutlich über 1 und war damit das Fundament des gesamten Geschäftsmodells.

Die MSTR-Aktie notiert aktuell bei rund 82 US-Dollar und damit etwa 85 Prozent unter ihrem Allzeithoch aus dem November 2024. Der Unternehmenswert ist auf rund 50 Milliarden US-Dollar gesunken. Die 847.363 Bitcoin, die Strategy hält, sind bei einem Bitcoin-Preis von etwa 60.000 US-Dollar zusammen rund 51 Milliarden US-Dollar wert. Erstmals liegt der Marktwert des Konzerns also unter dem Wert seines Bitcoin-Bestands.

Warum die mNAV-Linie über das Modell entscheidet

Solange die Aktie über dem Nettoinventarwert handelte, konnte Strategy neue Aktien ausgeben, mit dem Erlös weitere Bitcoin kaufen oder Dividenden und Zinsen bedienen, und dabei den Wert je Aktie sogar steigern. Diese Maschine funktioniert nur oberhalb des NAV. Fällt die Aktie darunter, kehrt sich der Effekt um: Eine Neuemission verwässert dann die bestehenden Aktionäre, weil das Unternehmen Eigenkapital faktisch unter dem Wert der zugrundeliegenden Vermögenswerte verkauft. Genau an dieser Schwelle steht Strategy nun.

Zusätzlichen Druck erzeugt die Vorzugsaktie STRC, die zuletzt deutlich unter ihren Nennwert von 100 US-Dollar gefallen ist. Kritiker sehen darin ein Warnsignal, dass Anleger an der Tragfähigkeit der zinslastigen Finanzierungsstruktur zweifeln. Befürworter halten dagegen, dass die Dividende auf den Liquidationswert von 100 US-Dollar berechnet wird und ein niedrigerer Kaufpreis somit eine höhere laufende Rendite bedeutet.

Liquidation ist nicht das eigentliche Thema

Eine kurzfristige Zwangsauflösung steht trotz der Schlagzeilen nicht im Raum. Dafür müsste der Bitcoin-Preis in die Nähe von Null fallen. Strategy sitzt zwar auf einem erheblichen Buchverlust, weil der durchschnittliche Einstandspreis der Bestände deutlich über dem aktuellen Bitcoin-Kurs liegt, doch ein Buchverlust allein zwingt das Unternehmen zu nichts.

Die kritischere Frage lautet, was Strategy verkauft, wenn die Eigenkapital-Maschine dauerhaft blockiert bleibt und in den kommenden Jahren Milliardenbeträge für Wandelanleihen und Dividenden fällig werden. Das Unternehmen verweist auf mehrere verbleibende Hebel: die Ausgabe von Schuldverschreibungen, die Refinanzierung bestehender Wertpapiere, operative Cashflows aus dem Softwaregeschäft und die aktive Steuerung der Kapitalstruktur. Damit unterscheidet es sich von einem klassischen geschlossenen Fonds, der einen einmal entstandenen Abschlag oft nicht mehr abbauen kann.

Saylors Statement als halbes Eingeständnis

In sein Statement, wonach Volatilität jede Kapitalstruktur auf die Probe stelle und Strategy weiter auf Bitcoin, disziplinierte Kapitalallokation und Kreditqualität setze, lässt sich genau diese Spannung hineinlesen. Es ist die erste öffentliche Anerkennung, dass die aktuelle Marktphase ausgerechnet an der eigenen Struktur des Unternehmens zerrt. Für Anleger ist die mNAV-Linie damit zur entscheidenden Beobachtungsgröße geworden, nicht der Tagespreis von Bitcoin allein.