Circle hat am 12. Mai 2026 mit Agent Stack eine eigene Zahlungsinfrastruktur für KI-Agenten vorgestellt. Das Paket umfasst Agent Wallets, einen Command-Line-Interface, einen Agent Marketplace und ein Nanopayments-Protokoll. Letzteres wickelt USDC-Transfers ab einem Millionstel US-Dollar ohne Gas-Gebühren ab. Der Stablecoin-Emittent positioniert USDC damit direkt als Abrechnungsschicht für autonome Software.
Der Launch fällt in eine Woche dichter Konkurrenz. AWS hatte am 7. Mai gemeinsam mit Coinbase und Stripe die Bedrock AgentCore Payments in der Preview ausgerollt. Die Solana Foundation hat parallel mit Google Cloud das Open-Source-Gateway Pay.sh gestartet. Beide Systeme nutzen USDC für maschinelle Zahlungen – AWS über das x402-Protokoll auf Base, Solana über die eigene Chain.
Drei Anbieter, eine Wette
Alle drei Initiativen folgen derselben These: KI-Agenten haben keinen Zugang zu klassischen Bankrails, können keine Konten eröffnen und keine Kreditkarten beantragen. Stablecoins und Krypto-Wallets übernehmen diese Funktion. CEO Jeremy Allaire formulierte das beim Circle-Launch deutlich: Die nächste Phase der globalen Wirtschaft werde zunehmend von Agenten getrieben, und die Finanzinfrastruktur müsse dafür neu gebaut werden.
Circles Q1-2026-Zahlen, am selben Tag veröffentlicht, zeigen 77 Milliarden US-Dollar USDC im Umlauf und 21,5 Billionen US-Dollar Onchain-Transaktionsvolumen im Quartal. Die Aktie legte am Tag der Ankündigung rund 16 Prozent zu. Parallel meldete Circle einen Token-Sale von 222 Millionen US-Dollar für sein Arc-Netzwerk bei einer Bewertung von 3 Milliarden US-Dollar.
Visser sieht strukturelle Nachfrage für Ether
Der Makro-Investor und ehemalige Hedgefondsmanager Jordi Visser hat nach eigenen Angaben Ether gekauft. Im Podcast von Anthony Pompliano begründete er das mit dem Aufkommen autonomer KI-Agenten. Diese Systeme würden ohne traditionelle Bankdienstleistungen auskommen müssen.
Visser zufolge sind digitale Assets wie Ether und Stablecoins die logische Zahlungsschicht für agentische Systeme. KI-Agenten benötigten Tokens als „Nahrung“ – daraus könne eine strukturelle Nachfragequelle entstehen, die heute unterschätzt werde.
Volumen wächst, bleibt aber überschaubar
Das x402-Protokoll, eingeführt von Coinbase und Cloudflare, hat nach Branchendaten kumuliert rund 47,5 Millionen US-Dollar über 180 Millionen Transaktionen verarbeitet. In den 30 Tagen bis Ende April flossen 24,24 Millionen US-Dollar darüber – fast ausschließlich in USDC. CoinDesk berichtete im März, dass das tägliche Echt-Volumen bei nur rund 28.000 US-Dollar liegt, der Rest entfalle auf Tests und automatisierten Traffic.
McKinsey projiziert für agentisches Commerce ein Volumen von 3 bis 5 Billionen US-Dollar bis 2030. Standard Chartered sieht tokenisierte Realwerte bis 2028 bei rund 2 Billionen US-Dollar, mit Ethereum als dominanter Settlement-Schicht. Beide Zahlen sind Projektionen, keine Bestätigungen.
Ethereum als Tokenisierungs-Backbone
Ethereum hält nach Daten von rwa.xyz und The Block rund 34 Prozent des Onchain-RWA-Volumens auf dem Mainnet. Inklusive der Layer-2-Netzwerke wie Base und Arbitrum steigt der Marktanteil auf über 60 Prozent. BlackRocks BUIDL und Franklin Templetons BENJI laufen auf Ethereum, ebenso die wichtigsten tokenisierten US-Treasuries.
Damit profitiert die Chain doppelt von der Agenten-These: als Tokenisierungsplattform für reale Vermögenswerte und – über Base – als Settlement-Layer für x402-Transaktionen. Ob daraus eine messbare Nachfrage für Ether selbst entsteht, hängt davon ab, wie schnell agentisches Commerce über Testumgebungen hinauskommt. Die Infrastruktur ist Mitte Mai 2026 deutlich weiter als noch vor einem Quartal – die wirtschaftliche Aktivität dahinter bleibt vorerst klein.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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