Die Stimmung unter professionellen Investoren ist gespalten wie selten: 80 Prozent der institutionellen Anleger halten eine Korrektur bei KI-Aktien von mindestens 20 Prozent innerhalb der nächsten 12 bis 18 Monate für realistisch. Gleichzeitig sind dieselben Investoren so stark in KI-Werten positioniert wie nie zuvor. Krypto spielt in den Portfolios der Profis dagegen weiterhin kaum eine Rolle – während ausgerechnet die kleinsten Privatanleger-Depots die höchste Krypto-Quote aufweisen. Ein Blick auf drei aktuelle Datensätze zeigt ein bemerkenswertes Ungleichgewicht.

Warum rechnen Investoren mit einer KI-Aktien Korrektur?
Laut einer aktuellen Studie, über die das Fachmedium Institutional Money berichtet, gehen vier von fünf institutionellen Investoren davon aus, dass KI-Aktien in den kommenden 12 bis 18 Monaten mindestens 20 Prozent ihres Wertes verlieren könnten. Nur 20 Prozent der Befragten erwarten keine Korrektur.
Das Bemerkenswerte daran: Die Skepsis hält die Profis nicht vom Investieren ab. Dieselbe Umfrage zeigt, dass zwei Drittel der Befragten zwischen 25 und 50 Prozent ihres Aktienportfolios in KI-bezogenen Werten halten. Institutionelle Anleger fahren damit eine Strategie, die sich als „investiert bleiben trotz Blasen-Bewusstsein“ beschreiben lässt. Die Angst, die Rallye zu verpassen, wiegt offenbar schwerer als die Sorge vor dem Rücksetzer.
Krypto Portfolio: Fondsmanager allokieren im Median nur 1 Prozent
Während KI-Aktien die Portfolios dominieren, bleibt Krypto für institutionelle Anleger eine Fußnote. Der Digital Asset Fund Manager Survey von CoinShares aus dem Mai 2026 beziffert die mediane Krypto-Allokation von Fondsmanagern auf gerade einmal 1 Prozent des verwalteten Portfolios. 99 Prozent entfallen auf klassische Anlageklassen.

Die Zahl ist deshalb interessant, weil sie das Narrativ der längst vollzogenen institutionellen Adoption relativiert. Bitcoin-Spot-ETFs, MiCA-Regulierung und börsennotierte Krypto-Unternehmen haben den Zugang erleichtert – in den tatsächlichen Allokationen der Profis kommt davon bislang wenig an.
Kleinanleger halten 11 Prozent Krypto – Profis nur 2 Prozent
Ein gegenläufiges Bild zeigt sich bei Privatanlegern. Nach Daten von Getquin, über die das Handelsblatt berichtet, liegt der Krypto-Anteil in Kleinanleger-Depots mit einem Gesamtvolumen von unter 3.000 Euro bei 11 Prozent. Bei Anlegern mit Depots über 100.000 Euro sinkt die Quote auf durchschnittlich 2 Prozent.

Je kleiner das Depot, desto höher die Krypto-Quote – und desto größer der Abstand zur Allokation der Profis. Ob das an höherer Risikobereitschaft, geringeren Diversifikationsmöglichkeiten oder schlicht an der niedrigeren Einstiegshürde von Kryptowährungen liegt, lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Klar ist nur: Zwischen dem 1-Prozent-Median der Fondsmanager und den 11 Prozent der kleinsten Depots liegt ein Faktor von mehr als zehn.
Einordnung: Konzentrationsrisiko bei KI, Zurückhaltung bei Krypto
Die drei Datensätze ergeben zusammen ein klares Bild. Institutionelle Investoren haben ein erhebliches Konzentrationsrisiko in KI-Aktien aufgebaut – bei gleichzeitig mehrheitlicher Erwartung einer deutlichen Korrektur. Krypto bleibt dagegen strukturell untergewichtet, obwohl die regulatorischen Rahmenbedingungen in Europa seit Inkrafttreten der MiCA-Verordnung so klar sind wie nie.
Für Anleger heißt das zweierlei: Wer KI-Aktien hält, sollte das Korrektur-Szenario, das 80 Prozent der Profis für realistisch halten, in der eigenen Positionsgröße berücksichtigen. Und wer die institutionelle Krypto-Adoption als Kursargument heranzieht, sollte wissen, dass sie in den Portfolios der Fondsmanager bislang bei einem Median von 1 Prozent steht – viel Raum nach oben, aber eben auch der Beleg, dass der große Kapitalzufluss der Institutionellen noch aussteht.
Quellen:
- Institutional Money: KI-Studie – Institutionelle Investoren zwischen Boom und Bust
- CoinShares: Digital Asset Quarterly Fund Manager Survey, Mai 2026
- Getquin / Handelsblatt: Krypto-Anteile in Privatanleger-Depots

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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