Nigel Farages Partei Reform UK hat innerhalb von rund 24 Stunden 72 Millionen Pfund erhalten – umgerechnet etwa 83 Millionen Euro. Den Auftakt machte am 11. September BitMEX-Mitgründer Ben Delo mit 36 Millionen Pfund, der bis dahin größten Einzelspende in der Geschichte der britischen Parteienfinanzierung. Einen Tag später zog der in Thailand ansässige Unternehmer Christopher Harborne mit exakt derselben Summe nach.
Zur Einordnung der Größenordnung: Sämtliche britischen Parteien zusammen sammelten im gesamten Jahr 2025 rund 64,8 Millionen Pfund an meldepflichtigen Spenden ein. Zwei Privatpersonen haben diesen Jahresbetrag aller Parteien an einem Wochenende übertroffen. Der bisherige Rekord für eine Einzelzuwendung lag bei 10 Millionen Pfund, vermacht 2022 testamentarisch an die Konservativen. Harborne selbst hielt seit August 2025 mit 9 Millionen Pfund die Bestmarke für lebende Spender.
Reform UK Spenden: Wer Ben Delo und Christopher Harborne sind
Ben Delo baute sein Vermögen als Mitgründer der Derivatebörse BitMEX auf. 2022 bekannte er sich in den USA im Zusammenhang mit Verstößen gegen Vorgaben des Bank Secrecy Act schuldig und zahlte eine Geldstrafe; im März 2025 wurde er begnadigt. In diesem Jahr verlegte er seinen Wohnsitz von Hongkong zurück nach Großbritannien. Nach eigener Darstellung wollte er ursprünglich monatlich eine Million Pfund bis zur nächsten Unterhauswahl zahlen und zog den Gesamtbetrag vor, um möglichen künftigen Obergrenzen zuvorzukommen.
Christopher Harborne ist unter anderem als Investor beim Stablecoin-Emittenten Tether und der Krypto-Börse Bitfinex bekannt. Er finanziert Farages politische Projekte seit der Brexit-Party-Phase 2019 und überweist Reform UK nach eigenen Angaben seit über einem Jahr rund eine Million Pfund monatlich. Seine Zuwendungen stehen unter Beobachtung: Eine nicht deklarierte persönliche Zahlung von 5 Millionen Pfund an Farage ist Gegenstand parlamentarischer Prüfung, zudem ermittelt die Londoner Polizei seit dem 9. September zu Vorwürfen rund um ausländische Parteienfinanzierung. Farage weist jedes Fehlverhalten zurück. Beide Spender erklärten, keine persönlichen Gegenleistungen zu erwarten.
Krypto-Spenden-Verbot in Großbritannien: Warum die Regel hier nicht greift
Der entscheidende Punkt für die regulatorische Bewertung: Keine der beiden Zahlungen erfolgte in Kryptowährungen. Großbritannien hat Spenden in digitalen Assets an Parteien und Kandidaten bereits im März 2026 untersagt – ohne Mindestbetrag und über eine Änderung des laufenden Wahlrechtsgesetzes. Begründet wurde das Verbot mit der Pseudonymität von On-Chain-Transaktionen, die mit der Meldepflicht für Spenden ab 500 Pfund und der Identitätsprüfung des Spenders kollidiert.
Genau diese Regel läuft im aktuellen Fall ins Leere. Beide Männer sind in britischen Wählerverzeichnissen eingetragen, und das Geld floss in Pfund über reguläre Bankwege. Auch Harbornes frühere Zuwendungen waren Fiat-Zahlungen. Das Krypto-Verbot adressiert das Zahlungsmittel, nicht die Herkunft des Vermögens – ein Unterschied, der in der politischen Debatte regelmäßig verschwimmt. Parallel geplant ist eine jährliche Obergrenze von 100.000 Pfund für im Ausland lebende britische Staatsbürger. Delos Rückkehr auf die Insel und die Vorauszahlung der Gesamtsumme lassen sich als Reaktion auf genau diesen Gesetzgebungspfad lesen. Abgeordnete der Regierungspartei arbeiten inzwischen an einer dauerhaften und weiter gefassten Sperre.
Was Anleger aus dem Vorgang mitnehmen können
Für den Krypto-Markt ist weniger die Summe relevant als die Konzentration. Im zweiten Quartal 2026 nahm Reform UK 5,4 Millionen Pfund ein, davon allein 4 Millionen von Delo. Eine Partei, die in nationalen Umfragen etwa gleichauf mit Labour liegt, hängt damit finanziell an einer Handvoll Personen mit direkten wirtschaftlichen Interessen in einem Sektor, dessen Regulierung sie mitgestalten würde. Farage wirbt seit Monaten für Deregulierung und hat eine staatliche Bitcoin-Reserve in Aussicht gestellt; im April beteiligte er sich persönlich mit über 200.000 Pfund an einem börsennotierten Bitcoin-Treasury-Unternehmen.
Kurzfristige Kurseffekte sind daraus nicht abzuleiten. Mittelfristig entsteht aber ein politisches Risiko in beide Richtungen: Je enger die Branche mit einer einzelnen Partei identifiziert wird, desto stärker fällt die regulatorische Gegenbewegung aus, falls diese Partei nicht regiert – und desto größer ist die Fallhöhe, wenn Ermittlungen zu Ergebnissen führen. Ob und wie die beiden Zahlungen im offiziellen Spendenregister erscheinen, wird sich erst mit der Veröffentlichung der Quartalszahlen zeigen.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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