Krypto-Report: Google-Nachfrage auf 12-Monats-Tief, Handelsvolumen bricht ein – doch Profi-Anleger wittern ihre Chance. Trendwende in Sicht?

Raphael Lulay

09.09.2026, 07:34 Uhr

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Obwohl der Kryptomarkt zuletzt wieder für deutlich grüne Vorzeichen gesorgt hat – allein der Bitcoin-Kurs kletterte im August um knapp 25 Prozent und verzeichnete damit den stärksten August seit 2017 –, kann von Euphorie derzeit noch keine Rede sein. Das Interesse an Kryptowährungen ist auf Tiefstände gefallen, während die Handelsvolumina an zahlreichen Krypto-Börsen weiterhin deutlich unter früheren Höchstständen liegen. Doch während sich viele Privatanleger offenbar zurückhalten, zeichnet sich bei professionellen Investoren ein anderes Bild ab. Mehrere Datenpunkte sprechen dafür, dass sich unter der Oberfläche bereits eine Trendwende anbahnen könnte.

Besonders deutlich zeigt sich die derzeitige Zurückhaltung beim Blick auf die Google-Suchdaten. Der Google-Trends-Score, der das relative Suchinteresse abbildet, liegt für Bitcoin derzeit auf dem niedrigsten Stand der vergangenen zwölf Monate – und das in der weltweiten Auswertung. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Ethereum und XRP, zwei der bekanntesten Altcoins: Auch hier bewegt sich das Suchinteresse nahe am jeweiligen 12-Monats-Tief.

Quelle: Google Trends

Damit steht das öffentliche Interesse in einem auffälligen Kontrast zur jüngsten Kursentwicklung. Während Bitcoin im August deutlich zulegen konnte, hat sich die Aufmerksamkeit der breiten Masse bislang kaum erholt. Von einer Euphorie, wie sie frühere starke Marktphasen begleitet hat, ist zumindest bei den Google-Suchanfragen nichts zu erkennen.

Noch deutlicher wird die Zurückhaltung bei Suchanfragen, hinter denen eine konkrete Kaufabsicht vermutet werden kann. In Deutschland ist das relative Google-Suchvolumen für „Bitcoin kaufen“ ebenfalls auf ein 12-Monats-Tief gefallen.

Quelle: Google Trends

Die schwache Nachfrage beschränkt sich dabei nicht auf Suchmaschinen. Auch die tatsächlichen Handelsaktivitäten bei unter Privatanlegern beliebten Plattformen zeichnen ein ähnliches Bild. Lag das Krypto-Handelsvolumen etwa bei der Robinhood-App im Juli 2025 noch bei 16,8 Milliarden US-Dollar, waren es ein Jahr später lediglich 4,3 Milliarden US-Dollar.

Quelle: Robinhood Markets – Monthly Operating Data

Das entspricht einem Rückgang von rund 74 Prozent innerhalb eines Jahres. Bemerkenswert ist dabei vor allem der Vergleich mit dem Aktienhandel: Während das Krypto-Handelsvolumen massiv schrumpfte, stieg das Handelsvolumen mit Aktien in der Robinhood-App im selben Zeitraum um 59 Prozent.

Quelle: Robinhood Markets – Monthly Operating Data

Die Daten sprechen damit zunächst eine klare Sprache: Trotz der jüngsten Kursgewinne ist die breite Begeisterung für Bitcoin, Ethereum, XRP & Co. bislang nicht zurückgekehrt. Suchinteresse und Handelsaktivität deuten vielmehr darauf hin, dass viele Privatanleger weiterhin an der Seitenlinie stehen.

Antizyklischer Einstieg: Gerade jetzt Bitcoin kaufen?

Doch genau an diesem Punkt wird das Bild interessanter. Denn während die breite Masse bislang kaum zurückkehrt, mehren sich die Anzeichen dafür, dass professionelle Anleger ihre Positionierung bereits verändern.

Nach einer aktuellen CoinShares-Umfrage, an der institutionelle Investoren, Vermögensverwalter, Family Offices und auch Privatinvestoren teilnahmen, ist der durchschnittliche Krypto-Anteil in den untersuchten Portfolios erstmals seit Oktober 2025 wieder gestiegen – auf nunmehr 1,2 Prozent. An der im Juli 2026 durchgeführten Erhebung nahmen 30 Investoren teil, die zusammen rund 1,16 Billionen US-Dollar an verwaltetem Vermögen abdecken.

Quelle: CoinShares – Digital Asset Fund Manager Survey, August 2026

Entscheidend ist dabei weniger die absolute Höhe als vielmehr, wer hinter dem Anstieg steht: Nach Angaben von CoinShares wurde die Zunahme ausschließlich von institutionellen Teilnehmern getragen. Diese reduzierten zugleich ihre Allokationen in Anleihen und Rohstoffen und schichteten Kapital in risikoreichere Anlageklassen um. Während das öffentliche Interesse an Kryptowährungen also auf einem Tiefpunkt verharrt, beginnen professionelle Marktteilnehmer offenbar wieder damit, ihre Krypto-Positionen auszubauen.

Ein weiteres Signal liefern die Bitcoin-ETFs. In den vergangenen zwölf Handelstagen verzeichneten sie an zehn Tagen Nettozuflüsse. Unter dem Strich flossen innerhalb dieses kurzen Zeitraums 2,825 Milliarden US-Dollar netto in Bitcoin-ETFs.

Quelle: Farside Investors – Bitcoin ETF Flow

Auch hier zeigt sich damit eine bemerkenswerte Diskrepanz: Während Google-Suchanfragen und die Krypto-Handelsaktivität bei einigen Börsen schwächeln, fließen über regulierte Anlageprodukte Milliardenbeträge in Bitcoin. Zwar lassen sich die ETF-Zuflüsse nicht ausschließlich institutionellen Anlegern zurechnen, da auch Privatinvestoren entsprechende Produkte nutzen. 13F-Daten zeigen jedoch, dass professionelle Investoren einen erheblichen Teil des US-Bitcoin-ETF-Marktes ausmachen. Zusammen mit der steigenden Krypto-Allokation in der CoinShares-Umfrage spricht dies dafür, dass professionelle Anleger den jüngsten Kursanstieg derzeit stärker mittragen als die breite Masse.

Langfristige Investitionen liefern positive Krypto-News

Für anhaltendes Vertrauen in den Sektor spricht zudem die Entwicklung bei Unternehmens- und Finanzinvestitionen. Risikokapital, Private Equity sowie Fusionen und Übernahmen sorgten laut einem aktuellen KPMG-Report allein im ersten Halbjahr 2026 für Investitionen in Höhe von 11,1 Milliarden US-Dollar.

Damit wurde bereits innerhalb von sechs Monaten mehr Kapital investiert als im gesamten Jahr 2023 mit 9,9 Milliarden US-Dollar oder 2024 mit 9,6 Milliarden US-Dollar.

Quelle: KPMG, Pulse of Fintech H1 2026, Digital Assets & Currencies

Unterm Strich ergibt sich damit ein zweigeteilter Kryptomarkt: Auf der einen Seite stehen Privatanleger, deren Interesse gemessen an Suchanfragen und Handelsaktivität weiterhin ausgesprochen schwach ausfällt. Auf der anderen Seite stehen institutionelle Investoren, ETF-Anleger sowie Risikokapital- und Private-Equity-Gesellschaften, die wieder Milliardenbeträge in Bitcoin und den Kryptosektor lenken.

Ob daraus tatsächlich eine nachhaltige Trendwende entsteht, lässt sich aus diesen Daten allein noch nicht ableiten. Sie zeigen jedoch, dass der jüngste Kursanstieg keineswegs ohne Unterstützung durch größere Kapitalströme erfolgt. Sollte nun auch das Interesse der breiten Masse zurückkehren, könnte daraus eine deutlich breitere Marktbewegung werden.

Status quo trifft auf 840.000‑Dollar Bitcoin-Prognose

Wie groß das langfristige Potenzial einer stärkeren Bitcoin-Adoption sein könnte, zeigt eine aktuelle Modellrechnung des US-Bitcoin-Finanzdienstleisters River. Das Unternehmen hält bei deutlich steigenden Portfolio-Allokationen innerhalb der kommenden drei bis fünf Jahre einen Bitcoin-Kurs von 250.000 bis zu 840.000 US-Dollar für möglich. Voraussetzung wären laut Modell Netto-Kapitalzuflüsse von rund 1,3 bis 5,3 Billionen US-Dollar – die Berechnung ist daher weniger als konkrete Bitcoin Prognose denn als Szenario dafür zu verstehen, welche Auswirkungen eine deutlich breitere Bitcoin-Allokation haben könnte.