Die Raiffeisen Bank International (RBI) weitet ihre Zusammenarbeit mit dem Wiener Broker Bitpanda auf den gesamten Konzern aus. Künftig sollen die Netzwerkbanken der Gruppe in Zentral- und Osteuropa Krypto-Dienste anbieten können – auf Basis der Infrastruktur von Bitpanda Enterprise, der B2B-Sparte des Unternehmens. Beide österreichischen Finanzunternehmen gaben die Partnerschaft am 23. September bekannt.
Die viel zitierte Zahl von 18 Millionen Kunden ist dabei eine Reichweiten-Obergrenze, kein prognostizierter Nutzerkreis. RBI ist mit Tochterbanken in elf Märkten der Region vertreten; wie viele davon das Angebot tatsächlich ausrollen, ist offen.
Kein einheitlicher Start, keine Länderliste
Bemerkenswert ist weniger die Ankündigung selbst als das, was sie ausdrücklich nicht enthält. Die Partner nennen weder einen Starttermin noch die ersten Länder, noch welche Assets angeboten werden. Laut Mitteilung soll gerade kein einheitliches Produkt gleichzeitig in der gesamten CEE-Region eingeführt werden. Stattdessen entscheidet jede Netzwerkbank selbst über Umfang und Zeitpunkt – abhängig von lokalen Marktbedingungen und regulatorischen Vorgaben.
Konkret ist damit vorerst nur der Rahmen: RBI bringt Vertriebsnetz und Kundenbeziehungen ein, Bitpanda Enterprise die technische Infrastruktur, über die Banken digitale Assets in ihre bestehenden Angebote integrieren können. Für Kunden bedeutet das im Idealfall Krypto-Zugang über die vertraute Banking-Umgebung, ohne separate App oder zusätzliches Konto.
MiCA als eigentlicher Enabler
Möglich wird das Modell durch die europäische Krypto-Verordnung MiCA. Bitpanda verfügt über eine MiCA-Zulassung – und genau das ist für Banken der entscheidende Punkt: Über einen lizenzierten Anbieter können sie ein Krypto-Angebot aufbauen, ohne selbst eine eigene Krypto-Lizenz beantragen zu müssen. Aus der Bank wird so ein Vertriebskanal, während das regulatorische Risiko beim Infrastruktur-Partner liegt. Bitpanda fährt dieses B2B-Geschäft zunehmend als eigene Wachstumssäule; erst kürzlich hatte etwa die BW-Bank ein reguliertes Krypto-Angebot auf gleicher Basis angekündigt.
Vom österreichischen Pilotprojekt zum Konzernmodell
Der Ausgangspunkt liegt zwei Jahre zurück: 2024 zählte die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien nach eigenen Angaben zu den ersten traditionellen Banken der EU, die ihren Kunden Krypto direkt über die eigene Banking-App zugänglich machten – ebenfalls mit Bitpanda im Hintergrund. Michael Höllerer, damals Chef dieses Instituts und heute CEO der RBI, überträgt den Ansatz nun auf die gesamte Gruppe.
Timing im Führungsumbau
Für Bitpanda fällt der Enterprise-Deal in eine Phase personeller Unruhe. Vor gut einer Woche wurde bekannt, dass CEO Lukas Enzersdorfer-Konrad das Unternehmen im ersten Quartal 2027 verlässt und zur Erste Group wechselt. Mitgründer Christian Trummer rückte daraufhin als Co-CEO nach – und präsentierte die Partnerschaft nun gemeinsam mit Höllerer öffentlich.
Einordnung: Die Meldung ist ein Signal, aber noch keine Zahl, an der sich etwas ablesen ließe. Ob aus den „bis zu 18 Millionen“ ein relevanter Krypto-Vertrieb wird, entscheidet sich erst, wenn einzelne Netzwerkbanken konkrete Angebote mit Ländern, Assets und Gebühren vorlegen. Der eigentliche Trend hinter der Ankündigung ist struktureller Natur: MiCA verwandelt lizenzierte CASP-Infrastruktur in ein B2B-Produkt – und traditionelle Banken in dessen Distributoren.
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Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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