Eine Autovermietung bei Mailand soll als Fassade für eine Schattenbank der organisierten Kriminalität gedient haben. Italienische Ermittler gehen gegen ein Netzwerk vor, das mutmaßlich Drogengelder, Steuerhinterziehung und Kryptowährungen miteinander verband. Eine Spur führt über Bankkonten in Deutschland. Auf Konten der beteiligten Scheinfirmen sollen außerdem Zahlungen von Opfern vermeintlicher Krypto-Investments eingegangen sein.
Am 21. Oktober gingen die Behörden mit Maßnahmen gegen 30 Beschuldigte vor: Für 16 wurde Untersuchungshaft angeordnet, für 14 Hausarrest. Hinzu kommt eine Anordnung zur vorläufigen Beschlagnahme von Vermögenswerten über mehr als 21 Millionen Euro. Nach Angaben der Nachrichtenagentur ANSA betreffen die Ermittlungen mutmaßliche Verbindungen zur ’Ndrangheta, Camorra und organisierten Kriminalität aus Foggia.
Eine Autovermietung als Fassade
Im Zentrum steht eine Gesellschaft in Pero bei Mailand. Hinter deren Autovermietung soll ein illegaler Finanzdienstleister gearbeitet haben, dessen Kundschaft vor allem aus Steuerhinterziehern und Drogenhändlern bestand. Die Ermittlungen führt die Mailänder Antimafia-Staatsanwaltschaft gemeinsam mit der Guardia di Finanza.
Die ausführliche Behördenmitteilung, wiedergegeben bei StileTV, beschreibt einen Kreislauf: Das Netzwerk sammelte Bargeld aus mutmaßlichen Straftaten. Scheinfirmen stellten Unternehmen fingierte Rechnungen aus. Nach deren Bezahlung erhielten die Unternehmen Bargeld zurück – abzüglich zwei bis fünf Prozent Provision.
Das überwiesene Geld wurde anschließend über Auslandskonten weitergeleitet. Genannt werden Deutschland, Luxemburg und Litauen. Von dort sollen Mittel zu Kryptobörsen und anschließend als Kryptowährungen auf Wallets des mutmaßlichen Netzwerks geflossen sein.
Auch Zahlungen von Krypto-Betrugsopfern entdeckt
Auf den Konten der Scheinfirmen fanden die Ermittler nach eigener Darstellung außerdem Überweisungen von Menschen, die beim Versuch einer Krypto-Geldanlage Opfer von Onlinebetrug geworden waren und Anzeige erstattet hatten.
Damit weist die Untersuchung über Steuer- und Drogendelikte hinaus: Dieselben Kontostrukturen sollen auch zum Waschen von Betrugserlösen genutzt worden sein. Welche Banken, Kryptobörsen oder Coins betroffen waren, nennt die Mitteilung nicht. Eine wissentliche Beteiligung deutscher Finanzinstitute ist damit nicht belegt.
Was die Millionensummen tatsächlich bedeuten
Die Ermittler beziffern die mutmaßlichen Scheinrechnungen auf über 110 Millionen Euro. Rund 68 Millionen Euro wurden demnach ins Ausland transferiert. LaPresse beschreibt dabei einen Geldweg über Bankkonten und Kryptowährungen. Daraus lässt sich kein ausschließlich in Bitcoin oder anderen Kryptowährungen gewaschenes Volumen ableiten.
Auch die angeordneten Beschlagnahmen über mehr als 21 Millionen Euro betreffen unterschiedliche Vermögenswerte: Neben Kryptowährungen nennt ANSA Bargeld, Konten, Fahrzeuge, Boote und Schmuck. Die Summe bezeichnet somit keinen reinen Krypto-Fund.
Die Operation reicht bis in die Schweiz. Die Bundesanwaltschaft bestätigte dem Corriere del Ticino mehrere Durchsuchungen im Tessin auf ein Mailänder Rechtshilfeersuchen hin. Eine Person wurde zudem in Auslieferungshaft genommen.
Das Verfahren befindet sich im Ermittlungsstadium. Die beschriebenen Abläufe geben die Vorwürfe der Strafverfolger wieder; für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Für Anleger ist an diesem Fall besonders bitter: Wer glaubte, in Kryptowährungen wie Bitcoin zu investieren, könnte tatsächlich ein mutmaßliches Geldwäsche-Netzwerk finanziert haben. Eine professionell gestaltete Website und ein überzeugender Ansprechpartner reichen deshalb als Vertrauensbeweis nicht aus. Vor einer Überweisung lohnt sich ein unabhängiger Abgleich von Anbieter, Zulassung und Zahlungsempfänger. Bleiben dabei Widersprüche offen, sollte man die Einzahlung stoppen – auch wenn der Kontakt zur Eile drängt.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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