Ausgerechnet Trump sagt Krypto Betrug den Kampf an – doch 635 Millionen Dollar aus eigenem Memecoin werfen Fragen auf

Raphael Lulay

22.10.2026, 08:33 Uhr

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Donald Trump will internationale Krypto-Betrugsnetzwerke härter bekämpfen. Gleichzeitig zeigen seine offiziellen Vermögensangaben, dass er allein für 2025 rund 635 Millionen US-Dollar an Lizenzgebühren aus dem Umfeld seines eigenen Memecoins deklarierte. Eine Reuters-Recherche beziffert den Vermögenszuwachs seiner Familie durch Krypto-Geschäfte auf mindestens 2,3 Milliarden Dollar. Boersen-Parkett hat die offiziellen Dokumente und die Geschäftsbedingungen des TRUMP-Tokens ausgewertet.

US-Präsident Donald Trump will am Mittwoch (21. Oktober 2026) im Weißen Haus eine verschärfte Offensive gegen internationale Krypto-Betrugsnetzwerke vorstellen. Dabei soll es unter anderem um die Beschlagnahmung betrügerischer Investment-Websites und die Bekämpfung von Identitätsdiebstahl gehen. Das berichtet Reuters unter Berufung auf einen Vertreter des Weißen Hauses.

Dass die US-Regierung stärker gegen Krypto-Betrug vorgehen will, ist angesichts der Milliardenschäden grundsätzlich eine gute Nachricht. Allerdings macht Trumps eigene geschäftliche Verflechtung mit der Branche die Ankündigung politisch brisant.

Denn während seine Regierung Anleger vor betrügerischen Krypto-Geschäften schützen will, profitieren Unternehmen aus seinem familiären Umfeld selbst in erheblichem Umfang vom Handel mit zumindest zweifelhaften Kryptowerten.

Amtlich dokumentiert: 635 Millionen Dollar aus dem TRUMP-Memecoin

Die bislang wohl aussagekräftigste Zahl findet sich nicht in einer Schätzung von Blockchain-Analysten, sondern in einem offiziellen Dokument der US-Regierung.

Am 30. Juni 2026 veröffentlichte das U.S. Office of Government Ethics (OGE) die zertifizierte finanzielle Offenlegung des Präsidenten für das Geschäftsjahr 2025.

Auf Seite 1 der Anlage „Schedule 1 for Part 2“ wird für die Gesellschaft CIC Digital LLC ein Lizenzvertrag mit „Celebration Coins“ aufgeführt.

Als Einnahmen aus diesem Vertrag sind exakt 635.068.835 US-Dollar ausgewiesen. Die Einnahmeart lautet „Royalties“, also Lizenzgebühren.

Das Dokument weist CIC Digital LLC dem Donald J. Trump Revocable Trust zu, der die Gesellschaft zu 100 Prozent hält.

Die Summe entspricht somit offiziell deklarierten Lizenzeinnahmen einer Trump zuzurechnenden Gesellschaft. Sie darf allerdings nicht mit seinem persönlichen Nettogewinn nach sämtlichen Kosten und Steuern gleichgesetzt werden.

Die Höhe der Einnahmen ist dennoch bemerkenswert: Ein einzelnes Memecoin-Projekt brachte nach den veröffentlichten Angaben innerhalb eines Geschäftsjahres einen dreistelligen Millionenbetrag ein.

📄 Primärquelle: U.S. Office of Government Ethics – Donald Trumps Finanzoffenlegung 2025, veröffentlicht am 30. Juni 2026. Fundstelle: „Schedule 1 for Part 2“, Seite 1, Position 21.6. Originaldokument als PDF öffnen ↗

Reuters-Recherche: Trump-Familie gewinnt 2,3 Milliarden Dollar – Anleger verlieren Milliarden

Wie groß das finanzielle Geschäft der Präsidentenfamilie mit Kryptowährungen insgesamt geworden ist, zeigt eine umfangreiche Reuters-Untersuchung vom 9. Juni 2026.

Die Nachrichtenagentur untersuchte vier zentrale Krypto-Projekte beziehungsweise Beteiligungen aus dem Umfeld der Trump-Familie. Dazu zählen der TRUMP-Memecoin, World Liberty Financial sowie die börsennotierten Unternehmen American Bitcoin und AI Financial, vormals ALT5 Sigma.

Das Ergebnis der Untersuchung: Die Familie soll durch diese Geschäfte einen finanziellen Zugewinn von mindestens 2,3 Milliarden US-Dollar erzielt haben.

Auf der anderen Seite standen laut Reuters mehr als eine Million Investoren, deren Verluste Ende April 2026 insgesamt ebenfalls rund 2,3 Milliarden Dollar betrugen.

Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht ausschließlich um realisierte Verluste. Reuters berücksichtigt auch Buchverluste auf weiterhin gehaltene Wertpapiere und Token.

Besonders auffällig fällt die Bilanz beim TRUMP-Memecoin aus. Laut Reuters hatte das Projekt der Familie bis zur Untersuchung rund 616 Millionen Dollar eingebracht. Käufer des Tokens hätten dagegen mehr als 700 Millionen Dollar verloren.

Die Reuters-Schätzung zu den Einnahmen des Memecoin-Projekts und die später veröffentlichte OGE-Angabe von rund 635 Millionen Dollar beruhen auf unterschiedlichen Erfassungsmethoden und Zuordnungen. Sie sind deshalb nicht unmittelbar miteinander gleichzusetzen.

Auch die Verluste der Anleger lassen sich nicht pauschal als direkte Zahlungen an die Trump-Familie interpretieren. Kursverluste, Handelsgebühren und Erlöse aus Token-Verkäufen sind wirtschaftlich unterschiedliche Größen.

Dennoch verdeutlichen die Zahlen eine problematische Asymmetrie: Während das geschäftliche Umfeld des Präsidenten erhebliche Einnahmen erzielte, verloren zahlreiche Anleger mit den beworbenen Produkten Geld.

Die Geschäftsbedingungen zeigen, wie stark die Projektbetreiber profitieren können

Ein Blick auf die offizielle Website des TRUMP-Memecoins zeigt, dass das Projekt keineswegs einem vollständig unabhängig organisierten Anlegerkollektiv gehört.

Nach den dort veröffentlichten Angaben entfallen 80 Prozent des gesamten Token-Angebots auf die Projektgründer und verbundene Gesellschaften. Die entsprechenden Bestände unterliegen einem mehrjährigen Freigabeplan.

Außerdem erklärt die Website ausdrücklich, dass die verbundenen Unternehmen CIC Digital LLC und Celebration Cards LLC Einnahmen aus Handelsaktivitäten erhalten.

Die Betreiber weisen zugleich darauf hin, dass es sich beim Token nicht um eine klassische Kapitalanlage handeln soll. Ein Anspruch auf Unternehmensgewinne oder eine garantierte Rendite ist damit nicht verbunden.

Genau diese Konstruktion verdient Aufmerksamkeit: Bei einem Memecoin können die wirtschaftlichen Interessen der Projektbetreiber und der später einsteigenden Anleger erheblich voneinander abweichen.

Während neue Käufer vor allem auf steigende Tokenpreise hoffen, können beteiligte Unternehmen bereits durch Lizenzvereinbarungen und Handelsaktivitäten Einnahmen erzielen.

Das bedeutet nicht automatisch, dass ein rechtswidriges Geschäftsmodell vorliegt. Es zeigt jedoch, weshalb Anleger bei prominenten Krypto-Projekten nicht allein auf den Namen des Herausgebers vertrauen sollten.

Aktueller Widerspruch: Schon das nächste exklusive TRUMP-Dinner wird beworben

Besonders interessant ist ein weiterer Befund der aktuellen Recherche von Boersen-Parkett.

Während Trump eine härtere Linie gegen Krypto-Betrugsnetzwerke ankündigt, bewirbt die offizielle Website des TRUMP Coin Club weiterhin exklusive Veranstaltungen, deren Teilnahmebedingungen eng mit dem Besitz des Memecoins verknüpft sind.

Für den 22. November 2026 wird auf der Veranstaltungsseite ein Gala-Dinner im Trump National in Washington, D.C. angekündigt. Donald Trump wird dort als vorgesehener Gastredner genannt.

Die veröffentlichten Teilnahmebedingungen sehen vor:

  • Die 185 bestplatzierten qualifizierten Tokenhalter sollen am Dinner teilnehmen können.
  • Die 29 bestplatzierten Teilnehmer sollen Zugang zu einem zusätzlichen VIP-Empfang erhalten.
  • Die Ranglistenplatzierung hängt unter anderem davon ab, wie viele TRUMP-Token ein Teilnehmer besitzt und wie lange er sie im Bewertungszeitraum hält.

Die Betreiber betonen ausdrücklich, dass keine privaten Treffen mit dem Präsidenten vorgesehen sind.

Die Struktur bleibt dennoch bemerkenswert: Die Aussicht auf exklusive Erlebnisse wird unmittelbar an das Halten einer spekulativen Kryptowährung gekoppelt.

Aus Sicht der Anleger entsteht damit ein zusätzlicher Anreiz, Token zu kaufen oder bestehende Positionen trotz möglicher Kursverluste weiter zu halten.

Die Veranstaltung ist keine belegte Form von Betrug. Sie illustriert aber, wie Trumps öffentliche Bekanntheit und sein politischer Status weiterhin zur Vermarktung eines privatwirtschaftlichen Krypto-Projekts eingesetzt werden.

FBI meldet 11,37 Milliarden Dollar Schäden in Fällen mit Krypto-Bezug

Dass die US-Regierung gegen Online-Betrug vorgehen will, hat einen ernsthaften Hintergrund.

Laut dem FBI Internet Crime Report 2025 wurden beim Internet Crime Complaint Center (IC3) im vergangenen Jahr insgesamt 1.008.597 Beschwerden über Internetkriminalität registriert.

Bei 181.565 Beschwerden spielten Kryptowährungen eine Rolle. Die gemeldeten Verluste erreichten rund 11,37 Milliarden Dollar – ein Anstieg um 22 Prozent gegenüber 2024.

Allein bei den über 60-Jährigen summierten sich die Verluste in Fällen mit Krypto-Bezug auf mehr als 4,4 Milliarden Dollar.

Wichtig ist eine saubere Unterscheidung: Die FBI-Zahlen erfassen gemeldete mutmaßliche Straftaten mit Krypto-Bezug. Darunter fallen etwa betrügerische Investmentplattformen und organisierte Täuschungssysteme. Sie sind nicht mit gewöhnlichen Kursverlusten bei spekulativen Kryptowährungen gleichzusetzen.

Bereits am 6. März 2026 hatte Trump mit der Executive Order 14390 Maßnahmen gegen Cyberkriminalität und grenzüberschreitende Betrugsnetzwerke angeordnet.

Der Erlass sieht unter anderem eine engere Zusammenarbeit der Behörden, eine stärkere strafrechtliche Verfolgung und die Prüfung von Möglichkeiten zur Entschädigung betroffener Opfer vor.

Diese Maßnahmen sind unabhängig von der Debatte um Trumps eigene Krypto-Geschäfte zu bewerten. Die Bekämpfung organisierter Betrugsnetzwerke kann erhebliche Schäden verhindern.

Interessenkonflikt oder Betrug? Die entscheidende Unterscheidung

Bei aller Kritik gilt: Weder die hohen Einnahmen der Trump-Familie noch die Verluste der Käufer beweisen für sich genommen einen strafbaren Betrug.

Ein spekulativer Token kann massiv an Wert verlieren, ohne dass sein Herausgeber dadurch automatisch gegen Strafgesetze verstoßen hat.

Die politische Problematik liegt an anderer Stelle.

Trump ist als Präsident an der Gestaltung der amerikanischen Krypto-Politik beteiligt. Seine Regierung beeinflusst unter anderem das regulatorische Umfeld, die Marktaufsicht und die Prioritäten der Strafverfolgungsbehörden.

Gleichzeitig profitiert sein familiäres Umfeld finanziell von Unternehmen, deren Geschäftsmodelle auf Kryptowährungen beruhen.

Mehrere von Reuters befragte Ethikexperten sehen darin einen außergewöhnlichen Interessenkonflikt. Die US-Regierung weist diesen Vorwurf zurück.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Anna Kelly, erklärte gegenüber Reuters, weder der Präsident noch seine Familie hätten sich in Interessenkonflikte begeben. Sämtliche Maßnahmen der Regierung erfolgten im besten Interesse der amerikanischen Bevölkerung.

Auch rechtlich besteht ein Unterschied zwischen einem ethisch fragwürdigen Geschäftsmodell und einer nachgewiesenen Straftat. Für Letzteres wären konkrete Beweise erforderlich, etwa für Täuschungshandlungen oder den rechtswidrigen Austausch politischer Gegenleistungen.

Solche Beweise liefern die hier ausgewerteten Finanzunterlagen nicht.

Einordnung: Kein Betrug – aber ein bitterer Beigeschmack

Eines muss bei aller berechtigten Kritik klar sein: Trumps Memecoin ist nicht mit einer betrügerischen Handelsplattform gleichzusetzen. Wer TRUMP-Token kauft, erwirbt einen hochspekulativen Kryptowert ohne garantierte Rendite. Dass Anleger damit Geld verlieren, macht das Projekt nicht automatisch zu einem Betrugsfall. Gegen organisierte Netzwerke vorzugehen, die Menschen mit gefälschten Investmentplattformen gezielt um ihr Erspartes bringen, ist deshalb ausdrücklich zu begrüßen.

Und doch bleibt ein erheblicher Widerspruch.

Ausgerechnet der US-Präsident, der sich nun als entschlossener Kämpfer gegen Krypto-Betrug präsentiert, steht selbst im Mittelpunkt eines Krypto-Geschäftsmodells, bei dem sein Name und seine politische Bekanntheit eine zentrale Rolle spielen. Während zahlreiche Käufer Verluste erlitten, flossen Unternehmen aus seinem Umfeld Hunderte Millionen Dollar zu.

Das mag rechtlich einen erheblichen Unterschied zu einem klassischen Anlagebetrug darstellen. Die Frage nach der politischen Glaubwürdigkeit beantwortet es allerdings nicht.

Denn zwischen strafbarem Betrug und einem ethisch unproblematischen Geschäftsmodell liegt ein ziemlich großer Bereich. Und genau dort beginnt die Debatte über Trumps Krypto-Geschäfte.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Trump mit seinem Memecoin nachweislich Anleger betrogen hat. Sondern ob ein amtierender Präsident, der von seiner eigenen Popularität im Kryptomarkt wirtschaftlich profitiert, gleichzeitig glaubwürdig als oberster Beschützer der Anleger auftreten kann.