mBridge vor dem kommerziellen Start: Was Chinas Blockchain-Netzwerk wirklich kann

Alex Merten

15.06.2026, 09:23 Uhr

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China steht kurz vor dem kommerziellen Start von mBridge, einem Blockchain-Netzwerk für grenzüberschreitende Zahlungen zwischen Zentralbanken. Das berichtete die Financial Times am 13. Juni unter Berufung auf mit dem Vorhaben vertraute Personen. Ziel des Projekts ist es, internationale Transaktionen direkt zwischen Zentralbanken abzuwickeln – ohne den US-Dollar als Zwischenwährung und ohne das etablierte SWIFT-System.

Getragen wird mBridge von den Zentralbanken Chinas, Hongkongs, Thailands, der Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabiens. Anfang Juni kam Macau als sechstes Mitglied hinzu; elf lokale Banken nahmen dort den Handel auf. Eine eigens gegründete Gesellschaft mit Sitz in Hongkong soll den Betrieb künftig koordinieren. Die Gebühren sollen laut den Quellen rund halb so hoch ausfallen wie bei bestehenden internationalen Zahlungssystemen – ein Angebot, das vor allem kleinere Unternehmen ansprechen dürfte, denen SWIFT zu teuer und zu komplex ist.

Wie mBridge den Zahlungsverkehr verkürzt

Technisch setzt mBridge auf digitale Zentralbankwährungen (CBDCs), die über eine gemeinsame Blockchain ausgetauscht werden. Statt mehrerer Korrespondenzbanken und einer Dollar-Zwischenstufe transagieren teilnehmende Zentralbanken direkt miteinander. Die Abwicklung von Devisengeschäften verkürzt sich dadurch von mehreren Tagen auf Sekunden.

Das kumulierte Transaktionsvolumen lag laut Atlantic Council zuletzt bei rund 55,5 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg um das rund 2.500-Fache gegenüber den ersten Pilotphasen Anfang 2022. Über 95 Prozent des abgewickelten Volumens entfielen dabei auf den digitalen Renminbi (e-CNY). Das Projekt geht auf eine Initiative der Hong Kong Monetary Authority und der Bank of Thailand aus dem Jahr 2021 zurück, an der auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich beteiligt war.

Warum der Dollar trotzdem nicht fällt

Trotz der Schlagzeile vom „Angriff auf den Dollar“ ordnen Beobachter mBridge nüchterner ein. Das Netzwerk ersetzt den US-Dollar nicht flächendeckend, sondern reduziert seine Rolle in einzelnen Handelskorridoren – etwa zwischen China und den Golfstaaten. Analysten des Atlantic Council sprechen von einer schrittweisen Erosion entlang bestimmter Sektoren und Anwendungsfälle, nicht von einer Verdrängung. Auch andere regionale Systeme gewinnen parallel an Bedeutung, darunter das europäische SEPA-Netzwerk.

Für Anleger ist mBridge weniger ein direkt handelbares Investment als ein geopolitischer Indikator: Das Netzwerk zeigt, wie sich der globale Zahlungsverkehr von einem SWIFT-dominierten Modell hin zu konkurrierenden Systemen verschiebt. Wer die langfristige Stellung des US-Dollars im Welthandel beobachtet – und damit indirekt auch die Rahmenbedingungen für Krypto-Assets und Stablecoins – findet hier einen relevanten Datenpunkt.

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