Der US-Risikokapitalgeber Pantera Capital Management fordert die London-gelistete Satsuma Technology öffentlich auf, ihre verbleibenden 646 Bitcoin im Wert von rund 50 Millionen US-Dollar zu verkaufen und den Erlös an die Aktionäre auszuschütten. Bloomberg berichtete gestern über den Vorgang. Die Meldung fällt in eine Phase, in der Bitcoin-Treasury-Unternehmen außerhalb von Michael Saylors Strategy massiv unter Druck geraten sind.
Satsuma: Aktie 99 Prozent eingebrochen, Marktkapitalisierung unter Bitcoin-Wert
Satsuma Technology sammelte im August 2025 über eine Wandelanleihe rund 164 Millionen Pfund ein – umgerechnet etwa 221 Millionen US-Dollar. Mit dabei als Geldgeber waren neben Pantera auch ParaFi Capital, Kraken und die Digital Currency Group. Das Unternehmen positionierte sich als „AI-powered Bitcoin Treasury Company“ und erwarb zu Spitzenpreisen Bitcoin.
Seit dem Hoch vom Juni 2025, als die Aktie noch bei etwa 14 Pfund notierte, ist der Kurs um mehr als 99 Prozent eingebrochen. Das Papier wechselt derzeit bei rund 21 Pence den Besitzer, die Marktkapitalisierung liegt nach Angaben von Coinpedia bei rund 25 Millionen US-Dollar – also deutlich unter dem reinen Bitcoin-Bestand von 50 Millionen US-Dollar.
Pantera hält über seinen DAT Opportunity Fund etwa 6 bis 7 Prozent der Anteile. Satsuma-Verwaltungsratschef Ranald McGregor-Smith bestätigte gegenüber Bloomberg, dass einzelne Aktionäre eine Kapitalrückführung verlangt haben. Man prüfe Optionen, um den Anträgen nachzukommen und zugleich die Interessen aller Anteilseigner zu wahren.
Non-Strategy-Treasuries: Bitcoin-Käufe um 99 Prozent eingebrochen
Die Meldung steht stellvertretend für einen strukturellen Bruch im Treasury-Segment. Laut CryptoQuant-Daten fielen die monatlichen Bitcoin-Käufe aller Treasury-Unternehmen außerhalb von Strategy von 69.000 BTC im August 2025 auf rund 1.000 BTC – ein Einbruch von 99 Prozent. Die zentrale Kennzahl mNAV (Market-to-Net-Asset-Value) vieler Firmen liegt inzwischen unter 1,0. Das heißt: Der Börsenwert ist kleiner als der Wert der gehaltenen Bitcoin.
Damit wird die Logik des Modells umgedreht. Solange die mNAV über 1 lag, konnten Unternehmen Aktien mit Aufschlag emittieren und mit den Erlösen mehr Bitcoin pro Aktie kaufen. Bei einer mNAV unter 1 ist es aus Aktionärssicht rational, Bitcoin zu verkaufen und den Betrieb einzustellen.
Konkrete Fälle aus den vergangenen Monaten:
- Sequans (Frankreich) veräußerte im November 2025 970 BTC zur Tilgung von Wandelanleihen.
- MARA Holdings verkaufte im März 15.133 BTC, um Wandelanleihen mit Abschlag zurückzukaufen.
- Empery Digital trennte sich am 1. April von 370 BTC.
- Nakamoto – das Vehikel des Ex-Trump-Beraters David Bailey – stieß 284 BTC für Zinsen und operative Kosten ab.
Strategy kauft dagegen aggressiv: 34.164 BTC in einer Woche
Während das Modell außerhalb von Strategy bröckelt, hat Michael Saylors Unternehmen nach eigenen Angaben zwischen dem 13. und 19. April 2026 insgesamt 34.164 Bitcoin für rund 2,54 Milliarden US-Dollar erworben. Der Durchschnittspreis lag bei 74.395 US-Dollar je BTC. Es handelt sich um den drittgrößten Einzelkauf der Unternehmensgeschichte und die größte Wochenakkumulation seit November 2024.
Der Gesamtbestand von Strategy steigt damit auf 815.061 BTC zu durchschnittlichen Anschaffungskosten von 75.527 US-Dollar – erworben für rund 61,56 Milliarden US-Dollar. Strategy überholt mit dieser Position den US-Vermögensverwalter BlackRock, dessen iShares-Bitcoin-ETF 802.823 BTC hält.
Finanziert wurde der Kauf über 2,18 Milliarden US-Dollar aus dem Verkauf der STRC-Vorzugsaktie sowie 366 Millionen US-Dollar aus einer regulären MSTR-Aktienplatzierung. Unter den bestehenden Emissionsprogrammen stehen laut Benzinga weitere 26,7 Milliarden US-Dollar aus MSTR-Stammaktien und 19,46 Milliarden US-Dollar aus STRC-Vorzugsaktien als Kapazität zur Verfügung.
Bitcoin-Kurs stabil über 77.700 US-Dollar
Am heutigen Freitagmorgen notiert Bitcoin laut Daten von Coingecko.com bei rund 70.700 US-Dollar – ein Plus von etwa 4,1 Prozent gegenüber der Vorwoche. Bis zum Allzeithoch von 126.198 US-Dollar vom 6. Oktober 2025 fehlen rund 38 Prozent.
Einschätzung
Der Fall Satsuma macht sichtbar, was im Treasury-Segment seit Monaten unterschwellig läuft: Die zweite und dritte Reihe der „Bitcoin Treasury Companies“ ist operativ kaputt. Wer mit Wandelanleihen nahe am Zyklushoch eingestiegen ist, hat weder Zugang zu neuem Eigenkapital noch ausreichend Cash, um die Zinsen zu bedienen. Bitcoin verkaufen, Aktien zurückkaufen oder das Unternehmen gleich abwickeln – das sind die Optionen.
Bemerkenswert ist vor allem die Rolle von Pantera Capital. Derselbe Fonds, der die Runde 2025 mitgetragen hat, fordert nun die Liquidation. Das ist kein externer Short-Angriff, sondern Kapitulation aus dem Gesellschafterkreis. Für den breiten Markt sind 646 BTC zwar irrelevant, als Signal aber nicht. Wenn Pantera bei Satsuma dreht, dürfte das bei weiteren Beteiligungen im Segment ähnlich laufen.
Gleichzeitig zeigt der Saylor-Kauf, dass das Modell an sich nicht tot ist – sondern nur in der Skalierung funktioniert, die Strategy hat. 34.164 BTC in einer Woche, finanziert über STRC-Preferred-Shares zu 11,5 Prozent Annualrendite, ist eine Kapitalmarkttiefe, die kein Nachahmer in UK, Japan oder Frankreich abbildet. Die Konsolidierung im Segment dürfte weitergehen – und am Ende vermutlich sogar gesund für die Nachhaltigkeit des Trends sein.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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