Prediction Markets: Retailer verlieren mehr als Sportwetter – Citizens-JMP-Studie mit klaren Zahlen

Alex Merten

25.03.2026, 13:52 Uhr

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Nutzer von Prediction Markets erzielen schlechtere Renditen als klassische Sportwetter. Das zeigt eine neue Analyse der US-Investmentbank Citizens JMP, basierend auf anonymisierten Wallet-Daten der Analyseplattform Juice Reel. Ausgewertet wurden Transaktionen von Juli 2025 bis Mitte März 2026.

Median-Rendite: minus 8 Prozent

Die mediane Rendite für Prediction-Market-Nutzer lag im Untersuchungszeitraum bei minus 8 Prozent. Sportwetter im legalen US-Markt kamen im selben Zeitraum auf minus 5 Prozent. Eine frühere Version der Studie hatte noch minus 7 Prozent für Prediction Markets ausgewiesen – die Verluste haben sich seither vertieft.

Die Verluste steigen mit sinkendem Handelsvolumen. Nutzer mit weniger als 100 Dollar Einsatz verloren im Median 26,8 Prozent. Erst ab einem Gesamtvolumen von über 500.000 Dollar drehte die Rendite ins Plus – auf median plus 2,6 Prozent. Jede Kohorte darunter blieb negativ.

Kein Limit für Gewinner – struktureller Unterschied zu Sportwetten

Der Unterschied zur klassischen Sportwette liegt im Plattformdesign. Regulierte Sportwettanbieter wie DraftKings oder FanDuel limitieren erfolgreiche Kunden oder sperren sie. Prediction Markets tun das nicht.

Das zieht professionelle Sharp-Bettor und Market Maker an. Auf einem Analysten-Call von Citizens JMP erklärten zwei professionelle Wettkunden, Prediction Markets seien attraktiv, weil Retailer die Gegenseite ihrer Trades stellten. Wer als Market Maker agiert, kann dort Positionen von 50.000 bis 100.000 Dollar platzieren – Beträge, die bei klassischen Sportwettanbietern längst zu einer Limitierung geführt hätten.

Analyst Jordan Bender fasst es so zusammen: Retailer liefern die Liquidität, Profis und Market Maker vereinnahmen sie.

Crossover-Nutzer schneiden auf Prediction Markets schlechter ab

Nutzer, die beide Plattformtypen parallel verwenden, zeigen dasselbe Muster. Ihre mediane Rendite auf klassischen Sportwettseiten lag bei plus 1 Prozent – auf Prediction Markets bei minus 6 Prozent. Für Sportwettanbieter sind diese Crossover-Kunden laut Bender ohnehin weniger wertvolle Kunden.

Kalshi wächst, DraftKings verliert Downloads

Die Marktentwicklung zeigt eine klare Verschiebung. Zwischen September 2025 und Februar 2026 gingen die App-Downloads von FanDuel um 18 Prozent zurück, bei DraftKings um 13 Prozent. Kalshi verzeichnete im gleichen Zeitraum 6,3 Millionen Downloads.

DraftKings-Chef Jason Robins erklärte im Q4-Earnings-Call, Prediction Markets kanalisierten keine nennenswerten Bestandskunden ab. Bender sieht das Risiko woanders: Die Plattformen erreichen eine jüngere Zielgruppe, bevor diese überhaupt zu klassischen Sportwettanbietern wechselt. 24 Prozent der Kalshi-Nutzer sind unter 25 Jahre alt, das Median-Alter liegt bei 31 – gegenüber 35 bei DraftKings und FanDuel.

Rund 90 Prozent des DraftKings-Umsatzes wird laut Studie von Nutzern ab 30 Jahren generiert. Die Überschneidung mit der Kalshi-Kernzielgruppe ist damit gering – was den kurzfristigen Kannibalisierungseffekt begrenzt, den langfristigen Verlust an Nachwuchskunden aber nicht ausschließt.

Parallel zur wachsenden Nutzerbasis hat das Segment zuletzt auch regulatorische Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Ein parteiübergreifender Gesetzentwurf im US-Senat zielt darauf ab, Prediction Markets stärker zu regulieren. Kalshi erzielte allein am ersten März-Madness-Wochenende 2026 über 800 Millionen Dollar Handelsvolumen – fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Die Plattformen sind längst kein Nischenprodukt mehr, sondern ein wachsender Markt mit strukturellen Fragen, die Regulierer, Sportwettanbieter und Verbraucherschützer gleichermaßen beschäftigen.

Quellen: Citizens JMP Securities (Analyst Jordan Bender), Juice Reel, Sensor Tower