Robinhood-Studie zu Tokenisierung: Mehrheit der befragten EU-Anleger zeigt Interesse an Stock Tokens

Raphael Lulay

09.07.2026, 12:50 Uhr

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Der Broker Robinhood hat eine Studie zur Tokenisierung von Aktien und ETFs im europäischen Retail-Markt veröffentlicht. Grundlage ist eine Online-Befragung von 6.811 Personen in 14 EU-Mitgliedstaaten, die zwischen dem 16. Februar und dem 30. März 2026 durchgeführt wurde. Die Stichprobe war je zur Hälfte in bestehende Anleger, definiert als Personen mit Investments in Aktien, Wertpapieren oder ETFs, und in interessierte Nicht-Anleger aufgeteilt. Ergänzt wurde die quantitative Erhebung durch rund 15 anonymisierte Interviews mit EU-Politikern und Behördenvertretern sowie durch qualitative Verbrauchergespräche in Frankreich und Deutschland.

Robinhood bezeichnet die untersuchten Produkte durchgehend als „Stock Tokens“. Gemeint sind konkret die „Classic Stock Tokens“ des Unternehmens, die laut Bericht als Derivatekontrakte zwischen Kunden und Robinhood ausgestaltet sind und ein wirtschaftliches Engagement im zugrunde liegenden Wertpapier abbilden, nicht ein direktes Aktieneigentum. Das Produkt wurde im Juni 2025 gestartet und ist nach Unternehmensangaben in 30 EU- und EWR-Staaten verfügbar.

Anleger offen für neue Produkte

Zentrales Ergebnis der Befragung: 55 Prozent der Befragten äußerten zumindest mäßiges Interesse an Stock Tokens, nachdem ihnen das Produkt sachlich beschrieben worden war. Das Interesse steigt deutlich mit Vorwissen. Unter jenen, die nach eigener Angabe zumindest ein wenig über Stock Tokens wussten, lag das Interesse nach der Produktbeschreibung bei 83 Prozent. Auch bei Befragten ohne jegliches Vorwissen äußerten 46 Prozent Interesse. Robinhood leitet daraus ab, dass geringes Interesse eher fehlende Produktkenntnis als fehlende Nachfrage widerspiegele.

Als Hürden für ein Investment nennt die Studie überwiegend praktische Gründe. 60 Prozent der bestehenden Anleger gaben an, schon einmal eine Aktie kaufen gewollt, den Preis einer ganzen Aktie aber als zu hoch empfunden zu haben. 47 Prozent brachen einen Handel nach Sichtung der Gebühren ab. Unter den Nicht-Anlegern nannten 22 Prozent Gebühren als Grund, gar nicht erst zu investieren. 48 Prozent konnten eine bestimmte Aktie nicht handeln, weil die Börse geschlossen war; 29 Prozent kamen nach einem Verkauf nicht rechtzeitig an ihr Geld, weil die Abwicklung noch nicht abgeschlossen war.

Bei den geschätzten Produktmerkmalen nannten interessierte Befragte am häufigsten die Flexibilität, jederzeit handeln zu können (49 Prozent), gefolgt von niedrigeren Gebühren (45 Prozent), dem Bruchstückhandel (40 Prozent) und einer nahezu sofortigen Abwicklung (35 Prozent). 59 Prozent der Interessierten betrachten Stock Tokens als Ergänzung zu einem bestehenden Portfolio, nicht als Ersatz. 30 Prozent verweisen auf die Möglichkeit, in nicht börsennotierte Unternehmen zu investieren.

Offene Fragen

Ein Abschnitt der Studie befasst sich mit der Regulierung. Nach Darstellung von Robinhood unterliegen die derivate- und schuldverschreibungsbasierten Stock Tokens dem MiFID-Rahmen, einschließlich Prospekt- und PRIIPs-Pflichten sowie einem MiFID-Angemessenheitstest. Nur 27 Prozent der Befragten gingen davon aus, dass für traditionelle Aktien und Token-Versionen dasselbe rechtliche Schutzniveau gelte. Das Unternehmen wertet dies als Sichtbarkeits- und weniger als Regulierungsproblem. Die laufende MiCA-Review-Konsultation greife die Frage auf, ob tokenisierte Vermögenswerte künftig unter MiCA statt MiFID fallen sollten.

Robinhood ordnet die Ergebnisse in den politischen Rahmen der EU-Spar- und Investitionsunion (SIU) ein, die auf eine stärkere Lenkung privater Ersparnisse in Kapitalmärkte zielt. Der Bericht verweist auf den Letta-Report von 2024, wonach in der EU rund 33 Billionen Euro an privaten Ersparnissen überwiegend in Bargeld und Einlagen liegen. Robinhood formuliert nach eigener Angabe keine politischen Empfehlungen, versteht die Studie aber als Beitrag zur laufenden Debatte.

Einzuordnen ist die Erhebung als Auftragsforschung des Anbieters selbst: Robinhood untersucht die Marktchancen eines eigenen Produkts. Die qualitativen Verbraucherinterviews wurden zudem mit KI-gestützten Befragungstechniken und nur in zwei Ländern durchgeführt.

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