Solana-Mitgründer warnt: KI könnte Post-Quantum-Kryptografie knacken – Ethereum L2s seien „verloren“

Raphael Lulay

03.05.2026, 19:39 Uhr

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Solana-Mitgründer Anatoly Yakovenko hat am 2. Mai 2026 auf X eine Warnung veröffentlicht, die in der Krypto-Branche für Aufsehen sorgt. Sein Kernargument: Nicht klassische Quantencomputer seien das größte Risiko für die Sicherheit von Blockchains – sondern Künstliche Intelligenz, die selbst die als „quantensicher“ geltenden neuen Verschlüsselungsverfahren brechen könnte.

Was Yakovenko konkret sagt

Yakovenko bezieht sich auf sogenannte Post-Quantum-Kryptografie, kurz PQC. Das sind neue Signaturverfahren, die speziell gegen Angriffe durch Quantencomputer entwickelt wurden. Heute übliche Verschlüsselungen wie sie bei Bitcoin, Ethereum oder Solana zum Einsatz kommen, gelten als verwundbar, sobald leistungsfähige Quantencomputer verfügbar sind. PQC soll genau das verhindern.

Das Problem laut Yakovenko: Die Branche habe weder die mathematischen Schwächen dieser neuen Verfahren vollständig verstanden, noch alle praktischen Fallstricke bei der Umsetzung. Hinzu komme das Tempo, mit dem KI-Systeme Forschungsfortschritte machen. Sein Vorschlag: Wallets sollten künftig auf 2-von-3-Multisignaturen setzen, damit ein Bruch eines einzelnen Verfahrens nicht sofort den Zugriff auf die Vermögenswerte gefährdet.

Seitenhieb gegen Ethereum

Im selben Atemzug warnte Yakovenko auch Ethereum-Nutzer. Layer-2-Lösungen wie Arbitrum, Optimism oder Base seien aktuell „nicht quantensicher“ – wörtlich schrieb er, man solle „alle Hoffnung fahren lassen“. Hintergrund: L2-Netzwerke nutzen weiterhin dieselben kryptografischen Grundlagen wie Ethereum selbst. Diese basieren auf elliptischen Kurven, die ein ausreichend starker Quantencomputer mit dem sogenannten Shor-Algorithmus brechen könnte.

Befürchtet wird vor allem das „Harvest now, decrypt later“-Szenario: Angreifer sammeln heute verschlüsselte Transaktionsdaten und entschlüsseln diese später, sobald die Technologie reif ist. Wer einmal einen privaten Schlüssel rekonstruiert hat, kann auf das dazugehörige Wallet zugreifen.

Solana macht ernst – Falcon-512 ist bereits im Code

Der Vorwurf gegen Ethereum kommt nicht zufällig. Solana arbeitet bereits an einer konkreten Umsetzung. Die Entwicklerteams Anza und Firedancer haben sich für das Signaturverfahren Falcon-512 entschieden. Erste Implementierungen sind auf GitHub öffentlich verfügbar. Mit dem geplanten Upgrade SIMD-0416 soll die quantensichere Verifizierung künftig direkt in Wallets und Smart Contracts möglich sein.

Der Übergang ist mehrstufig geplant: Neue Konten würden zuerst auf Falcon umgestellt, bestehende Wallets mit dem heutigen Ed25519-Standard können später migrieren – ohne Hard Fork. Ethereum verfolgt einen ähnlichen Plan, allerdings mit Zielhorizont 2029 über die kommenden Upgrades Glamsterdam und Hegotá.

Wer noch betroffen ist

Die Diskussion betrifft nicht nur Solana und Ethereum. Bitcoin nutzt ebenfalls elliptische Kurven und steht vor demselben Problem. Bereits im September 2025 hatte Yakovenko auf dem All-In Summit prognostiziert, die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Quantenangriffs auf Bitcoin liege bis 2030 bei „50/50″. El Salvador hat seine Bitcoin-Reserven inzwischen auf mehrere Adressen aufgeteilt, um die Angriffsfläche zu reduzieren. Algorand arbeitet ebenfalls an einer Falcon-Migration, Cardano forscht an eigenen Post-Quantum-Protokollen.

Eigene Meinung

Yakovenkos Warnung ist mehr als reines Solana-Marketing, auch wenn der Seitenhieb auf Ethereum natürlich Kalkül ist. Der eigentliche Punkt – dass KI die Entwicklung kryptografischer Angriffe beschleunigt – wird in der Branche bislang unterschätzt. Post-Quantum-Verfahren werden oft als endgültige Lösung verkauft, sind aber selbst noch jung und wenig erprobt. Dass Solana mit Falcon-512 bereits produktiven Code liefert, ist ein realer Vorsprung. Gleichzeitig sollte man Yakovenkos Aussagen nicht überbewerten: Ein konkreter KI-gestützter Angriff auf PQC ist bislang nicht dokumentiert, die Warnung ist vorausschauend, kein akuter Notfall.

Für langfristig orientierte Krypto-Anleger ist die Botschaft trotzdem relevant: Wer Coins über mehrere Jahre halten möchte, sollte beobachten, wie die jeweiligen Netzwerke mit dem Thema umgehen. Für kurzfristig orientierte Trader spielt das Quantenrisiko in der aktuellen Marktphase praktisch keine Rolle. Die Zielgruppe, die hier am genauesten hinschauen sollte, sind technisch interessierte Halter größerer Bestände – also alle, für die ein „Harvest now, decrypt later“-Szenario in fünf bis zehn Jahren tatsächlich relevant werden könnte.

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