Spot-Bitcoin-ETFs verlieren 630 Millionen Dollar an einem Tag – BlackRock-IBIT führt die Verkaufswelle an

Raphael Lulay

14.05.2026, 08:45 Uhr

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Die Woche kippt mit Ansage. Nachdem die Spot-Bitcoin-ETFs am Montag und Dienstag bereits ins Minus gerutscht waren, folgte am Mittwoch der wuchtige Schlag: 630,4 Millionen US-Dollar Nettoabfluss an einem einzigen Handelstag. Es ist die größte Tagesentnahme aus den zwölf in den USA gelisteten Spot-Produkten seit mehreren Wochen – und sie kommt in einem Marktumfeld, das ohnehin schon nervös ist.

BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) führt die Liste mit 284,7 Millionen Dollar Abfluss an. Allein dieser eine Tag löscht damit fast die kompletten Zuflüsse aus der starken Woche zuvor wieder aus. Direkt dahinter folgt Fidelitys FBTC mit minus 133,2 Millionen Dollar und – besonders auffällig – Arks ARKB mit 177,1 Millionen Dollar Abfluss. Bitwise BITB verliert 35,4 Millionen. Auf der Plus-Seite: nichts. Kein einziger der zwölf Anbieter konnte am Mittwoch Mittelzuflüsse vermelden, lediglich Grayscale BTC und MSBT lagen mit Nullbewegungen bei null. Es ist also kein Rotationstag innerhalb der Produkte, sondern ein klassischer Risk-Off-Tag über das gesamte Segment.

Der eigentliche Auslöser sitzt nicht in Krypto, sondern beim US-Erzeugerpreisindex

Wer den Schock isoliert betrachtet, übersieht den Hebel. Am Mittwoch veröffentlichte das US-Arbeitsministerium den Producer Price Index für April – und der lag mit einem Monatsplus von 1,4 Prozent fast dreimal so hoch wie die Konsens-Erwartung von 0,5 Prozent. Bitcoin verlor daraufhin im US-Handel die Marke von 80.000 Dollar und schloss laut Yahoo Finance bei rund 79.166 Dollar. Die Inflationsdaten haben damit das gemacht, was der Markt zuvor verdrängt hatte: Sie verschieben den Zeitpunkt möglicher Zinssenkungen der Federal Reserve nach hinten – und in einem Szenario, in dem der designierte neue Fed-Chef Kevin Warsh am 15. Mai das Amt von Jerome Powell übernimmt, ist die geldpolitische Glaskugel ohnehin trüber als zuvor.

Warsh gilt als Falke. Mehrere Marktteilnehmer rechnen damit, dass er Bilanzverkürzung gegen weitere Zinssenkungen abwägt. Genau diese Unsicherheit erklärt, warum institutionelle Allokatoren am Mittwoch lieber Kasse machten, als auf die nächste Pressekonferenz zu warten.

Die Geopolitik liefert die zweite Front

Parallel zum Inflationsschock landete Donald Trump am 13. Mai in Peking – der erste Besuch eines amtierenden US-Präsidenten in China seit fast einem Jahrzehnt. Auf der Agenda: Handel, Halbleiter, KI, Iran und Taiwan. Xi Jinping warnte Trump beim Auftakttreffen am Donnerstagmorgen, Taiwan sei das „wichtigste Thema“ der bilateralen Beziehungen, und stellte rhetorisch die Frage, ob beide Länder die „Thukydides-Falle“ vermeiden könnten – die historische Beobachtung, dass der Aufstieg einer Macht gegenüber einer etablierten Macht oft im Krieg endet. Solche Sätze, einen halben Tag bevor die ETF-Daten in Europa über die Ticker laufen, erhöhen die Risikoprämie auf jedes Asset, das institutionelle Investoren als „spekulativ“ kategorisieren.

Hinzu kommt die Iran-Lage. Der Brent-Ölpreis hatte zu Wochenbeginn nach einer Trump-Aussage zum brüchigen Waffenstillstand mit Iran kurzzeitig auf 107 Dollar gezogen. Steigende Energiepreise speisen die Inflation, die Inflation drückt auf die Zinserwartungen, die Zinserwartungen drücken auf Risk-Assets. Bitcoin steht in dieser Kette aktuell ganz am Ende.

Die Jane-Street-Rotation als strukturelles Signal

Eine Meldung des 13. Mai, die in den großen Schlagzeilen unterging, ist für die mittelfristige Einordnung deutlich relevanter als die Tagesdaten: Jane Street hat laut 13F-Filing seinen IBIT-Bestand im ersten Quartal um 71 Prozent reduziert und seine Strategy-Position (MSTR) um 78 Prozent gekürzt. Gleichzeitig hat das Handelshaus rund 82 Millionen Dollar in Ethereum-ETFs aufgebaut – verteilt auf BlackRocks ETHA und Fidelitys FETH.

Das ist keine Kapitulation. Das ist eine bewusste Rotation eines der größten Liquiditätsanbieter weg von Bitcoin und hin zu Ethereum, im selben Fondsmantel beim selben Emittenten. Wer den ETF-Markt seit dem Launch im Januar 2024 begleitet, kennt das Muster: Hedgefonds, die das CME-Basis-Geschäft mit annualisierten Renditen zwischen 15 und 20 Prozent über zwei Jahre dominierten, ziehen sich seit dem Hoch im Oktober 2025 systematisch zurück. Die aktuelle Abflusswelle ist damit nicht nur Reaktion auf den PPI-Schock – sie ist auch das sichtbare Ende einer Carry-Trade-Ära.

Was die Wochenbilanz wirklich zeigt

Wer nur den 13. Mai betrachtet, übersieht die Volatilität der zurückliegenden zwei Wochen. Anfang Mai gab es noch deutliche Zuflüsse: 629,8 Millionen Dollar am 1. Mai, 532,3 Millionen am 4. Mai, 467,3 Millionen am 5. Mai. Diese drei Tage zusammen brachten den Spot-Produkten über 1,6 Milliarden Dollar frisches Kapital. Seit dem 7. Mai allerdings dreht das Bild: An sechs der letzten sieben Handelstage standen Nettoabflüsse zu Buche. Die kumulierte Bilanz der letzten Woche ist negativ – und der Mittwoch hat sie endgültig in eine andere Liga geschoben.

Die für mich entscheidende Frage lautet nicht „wie tief geht es noch“, sondern „wer kauft, wenn die Hedgefonds verkaufen“. Solange der Bitcoin-Spotpreis unter dem 200-Tage-EMA bei rund 82.000 Dollar festhängt und die nächsten makroökonomischen Datenpunkte – Warshs Amtsantritt am Freitag, Trumps Rückreise aus Peking, mögliche Iran-Eskalationen – allesamt Risikofaktoren liefern, dürften vorsichtige Allokatoren weiter auf der Bremse stehen. Erst ein klares Tagesschluss-Signal über 82.000 Dollar würde aus meiner Sicht das Bild drehen.

Meine Einschätzung

Die 630 Millionen Dollar Abfluss am 13. Mai sind ein Warnsignal, aber kein struktureller Bruch. Die ETFs verwalten weiterhin rund 105 Milliarden Dollar – ein Tag wie dieser entspricht damit weniger als 0,6 Prozent des Gesamtvolumens. Wer die Diskussion auf den reinen Tagesabfluss verengt, missversteht die eigentliche Geschichte: Es geht um eine geldpolitische Neuausrichtung unter neuer Fed-Führung, um eine geopolitische Großwette in Peking und um institutionelle Rotation, die im Hintergrund seit Monaten läuft. Für die Zielgruppe der mittel- bis langfristigen Allokatoren ist das eher ein Reset als ein Crash – für kurzfristig orientierte Trader allerdings ein klarer Cash-Tag.

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