Trump-Familie erhöht Druck auf Banken – Clarity Act rückt in den Fokus

Raphael Lulay

05.03.2026, 08:47 Uhr

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Eric Trump hat am 4. März auf der Plattform X große US-Banken frontal angegriffen und ihnen vorgeworfen, höhere Renditen für Sparer aktiv zu blockieren. Bereits einen Tag zuvor hatte Donald Trump auf Truth Social die Finanzbranche kritisiert und gleichzeitig eine schnelle Verabschiedung des sogenannten Clarity Act gefordert.

Beide Wortmeldungen richten sich gegen den Einfluss traditioneller Banken auf die Regulierung des Kryptomarktes. Gleichzeitig unterstreichen sie, wie stark digitale Vermögenswerte inzwischen Teil der wirtschaftspolitischen Diskussion in Washington geworden sind.

Eric Trump wirft Banken Blockade von Sparzinsen vor

Eric Trump kritisierte in seinem Beitrag vor allem die Zinspolitik großer US-Finanzhäuser. Banken wie JPMorgan Chase, Bank of America oder Wells Fargo würden ihren Kunden auf klassischen Sparkonten oft nur minimale Renditen bieten, obwohl das Zinsumfeld deutlich höhere Erträge ermögliche.

Nach seiner Darstellung erhalten Banken über Instrumente der US-Notenbank deutlich höhere Zinserträge, während Sparer häufig lediglich Bruchteile eines Prozents auf ihre Einlagen bekommen. Diese Differenz habe wesentlich zu den hohen Gewinnen im Bankensektor beigetragen.

Besonders kritisch äußerte sich Trump über den Umgang der Banken mit neuen Kryptoangeboten. Plattformen rund um Stablecoins oder tokenisierte Finanzprodukte könnten deutlich attraktivere Renditen bieten, teilweise im Bereich von vier bis fünf Prozent oder mehr.

Seiner Einschätzung nach versuchen Banken deshalb, diese Modelle politisch auszubremsen. Branchenverbände und Lobbygruppen würden erheblichen Druck ausüben, um entsprechende Angebote regulatorisch einzuschränken und damit Konkurrenz zu klassischen Bankeinlagen zu begrenzen.

Donald Trump drängt auf schnelle Verabschiedung von Kryptogesetzen

Bereits am 3. März hatte Donald Trump auf Truth Social ebenfalls Kritik an der Rolle der Banken geäußert. In seinem Beitrag warnte der frühere US-Präsident davor, dass Finanzinstitute zentrale Gesetzesinitiativen für den Kryptomarkt verzögern könnten.

Trump verwies dabei auf den sogenannten Genius Act sowie den Clarity Act. Er bezeichnete den Genius Act als ersten wichtigen Schritt, um die Vereinigten Staaten stärker als globales Zentrum für die Kryptobranche zu positionieren.

Der Clarity Act soll nach seiner Darstellung den nächsten entscheidenden Schritt darstellen. Das Gesetz soll klare Zuständigkeiten für die Regulierung digitaler Vermögenswerte schaffen und damit Unsicherheiten für Unternehmen und Investoren reduzieren.

Trump argumentierte, dass die Vereinigten Staaten Gefahr liefen, einen wichtigen Zukunftssektor an andere Länder zu verlieren, falls der regulatorische Rahmen weiterhin unklar bleibe. Länder wie China könnten von dieser Situation profitieren, wenn die USA nicht zügig handeln.

Clarity Act soll regulatorische Struktur klären

Im Mittelpunkt der aktuellen Diskussion steht daher der Clarity Act. Der Gesetzesentwurf soll vor allem festlegen, welche Aufsichtsbehörden künftig für unterschiedliche Bereiche des Kryptomarktes verantwortlich sind.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Streit zwischen der Börsenaufsicht SEC und der Rohstoffaufsicht CFTC über die Zuständigkeit für bestimmte Token und Handelsplattformen. Der Clarity Act soll hier eine klarere Abgrenzung schaffen.

Darüber hinaus enthält der Entwurf Bestimmungen, die bestimmte Akteure der Blockchain-Industrie von besonders strengen Regulierungsvorschriften ausnehmen könnten. Dazu zählen etwa Miner, Validatoren oder Entwickler von Blockchain-Software, sofern sie keine Verwahr- oder Finanzdienstleistungen für Kunden anbieten.

Bestandsschutz könnte mehrere große Token betreffen

Auch für einzelne Kryptowährungen könnte das Gesetz erhebliche Auswirkungen haben. Eine mögliche Bestandsschutzregel würde dafür sorgen, dass bereits etablierte Token unter ein weniger strenges Aufsichtsregime fallen könnten.

Nach Einschätzung der US-Investmentbank JPMorgan könnte diese Regel mehrere bekannte Kryptowährungen betreffen. In einem aktuellen Bericht nennt die Bank unter anderem XRP, Solana, Litecoin, Hedera, Dogecoin und Chainlink als mögliche Kandidaten.

Sollte der Gesetzgeber tatsächlich eine solche Übergangsregel beschließen, könnte dies für Projekte, Börsen und institutionelle Investoren mehr Planungssicherheit schaffen.

JPMorgan erwartet Entscheidung noch im ersten Halbjahr

JPMorgan geht nach einem Coindesk-Bericht davon aus, dass der Clarity Act bereits im Laufe der ersten Jahreshälfte verabschiedet werden könnte. Ein entsprechendes Gesetz würde den regulatorischen Rahmen für den US-Kryptomarkt erstmals umfassend definieren.

Für Investoren und Unternehmen wäre insbesondere die rechtliche Einordnung von Token entscheidend. Ein klarer Status könnte institutionellen Kapitalzufluss erleichtern und gleichzeitig neue Geschäftsmodelle im Bereich digitaler Finanzprodukte ermöglichen.

Ob der Clarity Act letztlich in der aktuell diskutierten Form verabschiedet wird, bleibt jedoch offen. Der Gesetzgebungsprozess im US-Kongress ist weiterhin in Bewegung – und die jüngsten Aussagen aus dem Trump-Umfeld zeigen, wie stark der Konflikt zwischen traditionellem Bankensystem und aufstrebender Kryptobranche inzwischen auch auf politischer Ebene ausgetragen wird.

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