Trumps Zollpolitik und Massenliquidationen erschüttern Krypto-Markt: Das steckt dahinter

Alex Merten

23.02.2026, 10:25 Uhr

Der Krypto-Markt startet mit deutlichen Verlusten in die neue Woche. Bitcoin notiert am Montagvormittag bei 65.794 US-Dollar und damit 3,2 Prozent niedriger als noch vor 24 Stunden. Auch zahlreiche Altcoins geraten unter Druck. Die Frage, die sich viele Anleger nun stellen: Handelt es sich nur um eine kurzfristige Korrektur – oder um den Beginn einer größeren Abwärtsbewegung?

Ein Blick auf die Stimmungslage zeigt: Die Verunsicherung nimmt zu. In der täglichen Community-Umfrage von CoinGecko äußern sich aktuell nur noch 58 Prozent bullisch für Bitcoin. Zum Vergleich: Die Community gilt traditionell als ausgesprochen optimistisch, häufig liegen die Werte bei 80 Prozent oder darüber. Der jüngste Rückgang signalisiert daher einen spürbaren Dämpfer für das Sentiment.

Gleichzeitig zieht das Handelsvolumen massiv an. Das tägliche Handelsvolumen von Bitcoin liegt laut CoinGecko bei 39,19 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg von 99,6 Prozent gegenüber dem Vortag. Ein solch sprunghafter Anstieg deutet häufig auf forcierte Marktbewegungen hin. In Phasen starker Kursrückgänge spielen dabei oft Massenliquidationen eine Rolle, insbesondere im Derivatebereich. Wenn gehebelte Positionen zwangsweise geschlossen werden, verstärkt dies die Abwärtsdynamik zusätzlich.

Krypto News: Zollpolitik sorgt für neue Unsicherheit

Ein zentraler Auslöser für die jüngste Marktreaktion ist die erneute Unsicherheit rund um die US-Zollpolitik. US-Präsident Donald Trump hatte angekündigt, die globalen Zölle von 10 auf 15 Prozent anheben zu wollen. Obwohl der Oberste Gerichtshof die Nutzung von Notstandsbefugnissen zur Einführung von Zöllen untersagt hatte, sorgte allein die Ankündigung für Nervosität an den Finanzmärkten.

Eigene Darstellung. US-Dollar-Wert der US-Importe. Quelle: Bloomberg

Wie aktuelle Handelsdaten zeigen, entfallen rund 20,2 Prozent der gesamten US-Importe auf die EU. Eine Verschärfung der Zollpolitik hätte somit erhebliche Auswirkungen längst nicht nur auf den Kryptomarkt, sondern vor allem auch auf globale Lieferketten, Unternehmensgewinne und letztlich auch auf die Risikobereitschaft der Investoren. Gerade Kryptowährungen reagieren jedoch sensibel auf makroökonomische Unsicherheiten, da sie stark von globaler Liquidität und spekulativem Kapital abhängen.

Bitcoin und Altcoins betroffen: geopolitische Spannungen verschärfen die Lage

Neben der Zollthematik belasten auch geopolitische Risiken den Markt. Der massive militärische Aufmarsch der USA im Nahen Osten sowie die Unsicherheit über mögliche Schritte gegenüber dem Iran haben die Risikowahrnehmung deutlich erhöht.

Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran hat in den vergangenen Tagen eine neue Eskalationsstufe erreicht. Historisch führen solche Spannungen häufig zu Umschichtungen in klassische „sichere Häfen“ wie Gold oder Öl, während Risikoassets – darunter Aktien und Kryptowährungen – unter Druck geraten. Anleger reduzieren Exposure, um sich gegen potenzielle Schocks abzusichern.

Globale Unsicherheit auf Extremniveau

Ein weiterer Indikator unterstreicht die angespannte Gesamtlage: der World Uncertainty Index, veröffentlicht über die Datenbank der Federal Reserve Economic Data (FRED). Der Index misst globale Unsicherheit, indem er wirtschaftliche und politische Risiken aus tausenden Länderberichten, Regierungsdokumenten und ökonomischen Analysen auswertet.

Gerät die Welt aus den Fugen? Index zeigt massive Unsicherheit. Bildquelle: FRED

Berücksichtigt werden geopolitische Konflikte, geldpolitische Unsicherheiten, Handelskonflikte sowie makroökonomische Schocks. Aktuell befindet sich der Index auf einem außergewöhnlich hohen Niveau – ein Signal dafür, dass die globale Unsicherheit strukturell zugenommen hat.

Für den Krypto-Markt bedeutet das: Die aktuelle Schwäche ist weniger ein isoliertes Phänomen, sondern Teil eines breiteren „Risk-off“-Umfelds. Ob sich die Lage stabilisiert, dürfte maßgeblich davon abhängen, ob sich die geopolitischen Spannungen entschärfen und ob die US-Handelspolitik klarere Signale sendet.

Kurzfristig bleibt die Volatilität hoch. Das stark gestiegene Handelsvolumen zeigt, dass der Markt aktiv um eine neue Preisfindung ringt. In solchen Phasen entscheidet sich oft, ob eine Korrektur ausläuft – oder in eine tiefere Marktbereinigung übergeht.

Abonniere boersen-parkett.de auf Google News für tägliche Krypto-Analysen