Krypto-Stimmung auf Rekordtief: Bitcoin unter Druck, Wal-Verkäufe verschärfen Lage

Alex Merten

23.02.2026, 11:08 Uhr

Der Stimmungsindikator für den Kryptomarkt ist auf einen historischen Tiefstand gefallen. Während Bitcoin binnen zwölf Monaten deutlich verloren hat, sorgen massive Abverkäufe und eine heikle Makro-Woche für zusätzlichen Druck.

Am Montag, 23. Februar 2026, ist der Fear-and-Greed-Index von alternative.me auf den Wert 5 gefallen – der niedrigste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2018. Damit signalisiert der Indikator extreme Furcht unter Marktteilnehmern. Parallel dazu notiert der entsprechende Aktienmarkt-Indikator von CNN bei 42 Punkten und zeigt damit zwar Zurückhaltung, aber keine Panik. Die Diskrepanz unterstreicht, wie stark sich die Stimmung im Kryptosektor zuletzt eingetrübt hat.

Bitcoin selbst steht massiv unter Druck. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt die Kryptowährung 31,2 Prozent im Minus. Allein in den vergangenen 30 Tagen summiert sich der Rückgang auf 25,8 Prozent. Sollte der laufende Monat ebenfalls mit einem Minus enden, wäre es die längste Serie aufeinanderfolgender Verlustmonate seit sieben Jahren – ein markanter historischer Einschnitt für den Markt.

Krypto News: Weshalb die Stimmung kippt

Die extrem niedrige Indexanzeige ist kein isoliertes Signal. Begleitet wird sie von einer sprunghaft gestiegenen Google-Suchnachfrage nach Begriffen wie „fällt Bitcoin auf 0 US-Dollar“. Solche Suchmuster treten typischerweise in Phasen ausgeprägter Verunsicherung auf. Sie spiegeln weniger rationale Bewertung als vielmehr emotionale Kapitulation wider.

Gleichzeitig treffen mehrere Belastungsfaktoren aufeinander. Neben geopolitischen Spannungen und anhaltenden Zollthemen sorgt insbesondere eine Vielzahl an makroökonomischen Terminen in dieser Woche für Nervosität. Veröffentlicht werden unter anderem Daten zur Konsumentenstimmung, neue Arbeitsmarktzahlen sowie am Freitag der Erzeugerpreisindex (PPI), der als wichtiger Inflationsindikator gilt.

Für den Kryptomarkt sind diese Daten deshalb relevant, weil Bitcoin seit geraumer Zeit eine enge Korrelation mit dem US-Technologiesektor aufweist. Fallen Konjunktur- oder Inflationszahlen stärker aus als erwartet, steigen die Renditen am Anleihemarkt und wachstumsorientierte Anlageklassen geraten unter Druck. In solchen Phasen ziehen institutionelle Investoren häufig Kapital aus risikoreicheren Positionen ab – darunter auch Kryptowährungen.

Zusätzliche Brisanz erhält die Woche durch die Quartalszahlen von Nvidia, die am Mittwoch nach US-Börsenschluss erwartet werden. Der KI-Konzern gilt als Taktgeber für den Technologiesektor. Sollten die Ergebnisse oder der Ausblick hinter den hohen Erwartungen der Wall Street zurückbleiben, könnte das die Risikobereitschaft weiter dämpfen. Umgekehrt hätte ein positives Signal das Potenzial, zumindest kurzfristig Stabilität in den Markt zu bringen.

Bitcoin-Wal löst Kettenreaktion aus

Neben makroökonomischen Faktoren belastet ein konkretes Ereignis den Markt zusätzlich. Ebenfalls am Montag wurde bekannt, dass ein sogenannter Krypto-Wal aus der frühen „Satoshi-Ära“ nach rund 15 Jahren Inaktivität aktiv geworden ist. Laut Marktdaten wurden 11.300 Bitcoin im Gegenwert von rund 750 Millionen US-Dollar auf den Markt gebracht.

Solche Transaktionen haben nicht nur psychologische Wirkung, sondern können kurzfristig erhebliche Liquiditätseffekte auslösen. Innerhalb von nur 60 Minuten wurden überhebelte Positionen im Umfang von rund 230 Millionen US-Dollar zwangsliquidiert. Es handelt sich um einen klassischen Long-Squeeze: Fällt der Preis stark, werden gehebelte Long-Positionen automatisch geschlossen, was zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugt und die Abwärtsbewegung weiter verstärkt.

Der Vorgang zeigt, wie fragil die Marktstruktur in angespannten Phasen ist. Hohe Hebelquoten wirken in steigenden Märkten wie ein Beschleuniger nach oben – in fallenden Märkten jedoch wie ein Brandbeschleuniger nach unten.

Extremwerte beim Fear-and-Greed-Index traten in der Vergangenheit häufig in der Nähe markanter Tiefpunkte auf. Allerdings ist daraus kein Automatismus abzuleiten. Die aktuelle Kombination aus schwacher Kursentwicklung, erhöhter makroökonomischer Unsicherheit und strukturellem Verkaufsdruck durch Großinvestoren deutet zunächst auf anhaltende Volatilität hin.

Entscheidend wird sein, ob sich der Markt nach der Liquidationswelle stabilisieren kann und ob die anstehenden US-Daten Hinweise auf eine Entspannung oder eine weitere Verschärfung des Inflationsumfelds liefern. Bleibt die Inflation hartnäckig oder enttäuschen zentrale Tech-Unternehmen, könnte sich der Risikoabbau fortsetzen. Dreht dagegen die Stimmung im Technologiesektor, wäre eine technische Gegenbewegung im Kryptomarkt denkbar.

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