Die Genossenschaftsbanken wollen beim Kryptohandel aufholen, allerdings deutlich langsamer als oft dargestellt. Laut einer aktuellen Umfrage des Genoverbands unter 196 Instituten bieten erst 6 Prozent der Volks- und Raiffeisenbanken ihren Kunden den Handel mit Bitcoin und Co. an. Weitere 26 Prozent wollen innerhalb von spätestens fünf Monaten starten. Damit hätte bis Anfang 2027 rund jede dritte Bank im Verbandsgebiet ein Angebot.
Innerhalb von zwei Jahren dürften 59 Prozent der Institute Kryptohandel anbieten. 30 Prozent planen das bislang nicht. Befragt wurden die Banken zwischen dem 31. Juli und dem 21. August. Das Verbandsgebiet umfasst alle Bundesländer außer Bayern und Baden-Württemberg, die Zahlen gelten also nicht für den gesamten genossenschaftlichen Sektor.
Volksbank Krypto: So funktioniert meinKrypto
Technische Grundlage ist die Plattform „meinKrypto“ der DZ Bank. Das genossenschaftliche Zentralinstitut hat Ende Dezember 2025 die MiCAR-Zulassung der BaFin erhalten, im Januar 2026 ging die Wallet in der VR Banking App an den Start. Entwickelt wurde sie gemeinsam mit dem IT-Dienstleister Atruvia. Die Verwahrung übernimmt Boerse Stuttgart Digital, die Orders werden über die EUWAX ausgeführt.
Handelbar sind derzeit vier Kryptowährungen: Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Cardano. Das Angebot richtet sich ausschließlich an sogenannte Selbstentscheider. Eine Anlageberatung zu Kryptowerten findet nicht statt.
Warum der Start so lange dauert
Der entscheidende Engpass liegt nicht bei der DZ Bank, sondern bei den einzelnen Häusern. Jede Volks- und Raiffeisenbank entscheidet selbst, ob sie den Kryptohandel anbietet, und muss dafür eine eigene MiCAR-Notifizierung bei der BaFin beantragen. Das erklärt, warum acht Monate nach dem Plattformstart erst ein kleiner Teil der Institute live ist.
Genoverbands-Chef Michael Hoeck begründet den Schritt mit dem Wettbewerb: Man dürfe das Thema nicht Anbietern überlassen, die möglicherweise vor allem riskante Anlagen im Angebot hätten. Gerade jüngere Kunden sollen gehalten werden.
Bitcoin kaufen bei der Bank: Druck durch Neobroker und Sparkassen
Der Hintergrund ist handfest. 54 Prozent der befragten Vorstände erwarten eine starke oder sehr starke Verschärfung des Wettbewerbs um Einlagen, nur 13 Prozent rechnen mit wenig oder keiner Verschärfung. Neobanken und Neobroker wie N26, Trade Republic und Revolut bieten Kryptohandel seit Jahren an.
Zugleich rückt die Sparkassen-Gruppe nach. Über die Dekabank soll der Kryptohandel ab Oktober direkt in der Sparkassen-App möglich sein, zunächst mit Bitcoin und Ethereum. Damit erhalten Millionen klassischer Bankkunden erstmals regulierten Kryptozugang ohne separates Konto bei einer Börse.
Einordnung
Die Zahlen zeigen: Der Kryptohandel bei Filialbanken ist kein Massenstart, sondern ein schrittweiser Ausbau. Für Anleger bedeutet das mehr regulierte Zugangswege mit bekanntem Ansprechpartner, allerdings mit schmaler Coin-Auswahl und ohne Beratung. Das Kursrisiko bleibt dasselbe wie bei jedem anderen Anbieter.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
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