Vom Bitcoin-Miner zum KI-Vermieter — die Branche rechnet um (Infografik)

Raphael Lulay

04.03.2026, 08:27 Uhr

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Eine neuer Infografik-Marktreport von boersen-parkett.de zeigt eine deutliche Verschiebung im Geschäftsmodell vieler Bitcoin-Mining-Unternehmen. Während die Bitcoin-Reserven der Miner kontinuierlich sinken, steigen gleichzeitig die Produktionskosten deutlich an. Parallel dazu beschleunigt sich ein struktureller Wandel der Branche: Immer mehr Unternehmen wandeln ihre Infrastruktur in Rechenzentren für Künstliche Intelligenz und High-Performance-Computing (HPC) um.

Wie aus der Infografik hervorgeht, halten alle Miner zusammen derzeit rund 1.801.272 Bitcoin. Der Trend ist dabei klar rückläufig. Nicht zuletzt in den vergangenen Monaten sind mehrere börsennotierte Mining-Unternehmen verstärkt dazu übergegangen, ihre Bestände teilweise zu verkaufen oder ihre Treasury-Strategien anzupassen.

Bitcoin-Bestand der Miner. Bildquelle: CryptoQuant (Miner Reserve – All Miners).

Sinkende Bitcoin-Reserven der Miner

Die Bestände der Mining-Unternehmen gelten traditionell als wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Lage der Branche. In Phasen hoher Margen neigen Miner dazu, Bitcoin zu halten. Steigen jedoch Kosten oder sinken Einnahmen, werden Reserven häufig verkauft, um Investitionen oder laufende Ausgaben zu finanzieren.

Die Infografik zeigt, dass sich genau dieser Trend derzeit verstärkt. Neben operativen Kosten spielen dabei zunehmend auch strategische Entscheidungen eine Rolle. Einige Unternehmen haben ihre Bilanzpolitik verändert und behalten sich inzwischen ausdrücklich vor, Bitcoin zu verkaufen.

Zu den verifizierten Beispielen zählt etwa Bitdeer, das seine Bitcoin-Reserven inzwischen vollständig auf null BTC reduziert hat. Auch MARA Holdings hat seine Treasury-Strategie angepasst und signalisiert, künftig flexibler mit den eigenen Beständen umzugehen.

Mining wird deutlich teurer

Parallel zu den sinkenden Reserven steigt der wirtschaftliche Druck auf die Branche. Die durchschnittlichen Kosten für die Produktion eines Bitcoins liegen laut aktuellen Daten mittlerweile bei rund 49.645 US-Dollar. Zum Vergleich: 2024 lagen die durchschnittlichen Kosten noch bei etwa 32.216 US-Dollar. Innerhalb von nur zwei Jahren ist der Aufwand damit um mehr als 50 Prozent gestiegen.

Durchschnittliche Bitcoin-Mining-Kosten. Darstellung von boersen-parkett.de. Datenquelle: BTC-ECHO

Andere Berechnungen, die neben den reinen Cash-Kosten auch Abschreibungen, Kapitalkosten und Infrastrukturausgaben einbeziehen, kommen auf deutlich höhere Werte – Branchenanalysten beziffern die All-in-Kosten je nach Unternehmen und Methodik auf 75.000 bis über 130.000 US-Dollar pro Bitcoin.

Der Kostendruck ergibt sich aus mehreren Faktoren, darunter steigende Energiepreise, höhere Hardwarekosten und der zunehmende Wettbewerb im globalen Mining-Netzwerk.

Mining-Unternehmen entdecken KI-Rechenzentren

Gleichzeitig zeichnet sich ein strategischer Wandel ab, der die Branche langfristig verändern könnte. Mehrere große Mining-Unternehmen investieren inzwischen verstärkt in Infrastruktur für Künstliche Intelligenz und High-Performance-Computing.

Immer mehr Mining-Betreiber bauen ihre Standorte ganz konkret zu Rechenzentren um, die statt Bitcoin-Mining künftig Rechenleistung für KI-Anwendungen bereitstellen. Unternehmen wie Hive, Hut 8, TeraWulf oder Iren verfolgen bereits entsprechende Strategien.

Aktuelle Verkäufe von BTC-Mining-Unternehmen. Darstellung von boersen-parkett.de Datenquelle: Blocktrainer.de

Ein prominentes Beispiel ist Riot Platforms, das Anfang des Jahres eine Vereinbarung mit dem Chip-Hersteller AMD unterzeichnete und zusätzlich Land in Texas kaufte, um neue Rechenzentrumsprojekte zu entwickeln. Hintergrund ist unter anderem der zunehmende Druck von Investoren, das Geschäftsmodell stärker in Richtung KI-Infrastruktur auszubauen.

Auch Core Scientific hat bereits deutliche Schritte in diese Richtung unternommen. Das Unternehmen verkaufte im Januar mehr als 1.900 Bitcoin für rund 175 Millionen US-Dollar, wodurch der Bestand deutlich schrumpfte. Gleichzeitig kündigte das Management an, Mining künftig nur noch begrenzt fortzuführen und stattdessen Standorte zu Colocation-Rechenzentren umzubauen.

Prognose: Mining verliert für viele Konzerne an Bedeutung

Der strukturelle Wandel wird auch durch Branchendaten gestützt. Laut dem Bericht “Bitcoin Mining Outlook 2026” von CoinShares verändert sich die Umsatzstruktur der größten Mining-Unternehmen derzeit rapide.

Bei den sechs größten Unternehmen, die bereits Verträge im Bereich KI-Infrastruktur abgeschlossen haben, könnte der Anteil des klassischen Bitcoin-Minings am Gesamtumsatz drastisch sinken. Während Mining Anfang 2025 noch rund 85 Prozent der Einnahmen ausmachte, könnte dieser Anteil bis Ende 2026 auf unter 20 Prozent fallen, so die Einschätzung.

Anteil Bitcoin-Mining am Gesamtumsatz der 6 größten Unternehmen, die bereits KI-Infrastruktur-Verträge abgeschossen haben. Status quo und Prognose. Darstellung von boersen-parkett.de. Datenquelle: CoinShares

Wie die Infografik verdeutlicht, steht die Branche damit möglicherweise vor einer grundlegenden Transformation. Bitcoin-Miner entwickeln sich zunehmend von reinen Blockchain-Betreibern zu Anbietern digitaler Recheninfrastruktur – ein Wandel, der sowohl durch steigende Kosten als auch durch neue Marktchancen im KI-Sektor vorangetrieben wird.

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