Während Bitcoin unter der 70.000-Dollar-Marke verharrt, mehren sich die Signale aus unterschiedlichen Lagern: Ein bekannter Gold-Verfechter erneuert seine Ausstiegswarnung, ein börsennotierter Mining-Konzern kündigt die vollständige Liquidation seiner BTC-Bestände an, und ein Krypto-Milliardär sieht in künstlicher Intelligenz die eigentliche Zukunft. Drei verschiedene Perspektiven, eine gemeinsame Richtung.
Peter Schiff, US-Ökonom und langjähriger Bitcoin-Kritiker, hat sich am 29. März erneut via X zu Wort gemeldet. Angesichts geopolitischer Spannungen und Zinsunsicherheiten zeigte er sich überrascht, dass Bitcoin trotz allem noch über 65.000 Dollar notiert. Seine Empfehlung an Anleger blieb gewohnt eindeutig: raus aus Bitcoin, rein in Gold. Schiff sieht in tokenisiertem physischem Gold den praktikablen Ausweg aus dem Fiat-System – nicht in der Kryptowährung, die er seit Jahren als „Narren-Gold“ bezeichnet.
Umbruch bei Krypto-Minern
Konkreter wird der Wandel bei Bitfarms. Der börsennotierte Bitcoin-Miner hat angekündigt, seine verbleibenden rund 1.827 BTC im Wert von etwa 124 Millionen Dollar schrittweise abzustoßen – und langfristig vollständig aus dem Bitcoin-Geschäft auszusteigen. CEO Ben Gagnon formulierte es direkt: Mit der Zeit werde das Unternehmen kein Bitcoin mehr halten. Bereits 2025 realisierte Bitfarms durch gezielte Verkäufe rund 28,2 Millionen Dollar Gewinn. Parallel dazu baut der Konzern unter dem neuen Namen „Keel Infrastructure“ eine KI-Infrastruktur-Pipeline von 2,2 Gigawatt in Nordamerika auf. Einnahmen aus diesem Bereich werden ab 2027 erwartet. Der Schritt steht exemplarisch für eine Branche unter Druck: Laut CoinShares lagen die durchschnittlichen Förderkosten börsennotierter Miner Ende 2025 bei knapp 80.000 Dollar pro Bitcoin – deutlich über dem damaligen Marktpreis.
Einen noch weiter reichenden Schwenk vollzog Jed McCaleb bereits früher. Der Mitgründer von Ripple und Stellar, der seine gesamten XRP-Bestände bis 2022 verkauft hatte, investiert nun über sein Astera Institute rund 1 Milliarde Dollar in Forschung zu künstlicher allgemeiner Intelligenz – orientiert am menschlichen Gehirn als Blaupause. Weitere 600 Millionen Dollar fließen in Neurowissenschaften. McCaleb beschrieb seine Zeit in der Kryptowelt gegenüber Forbes als „großen Umweg“ auf dem Weg zu seinem eigentlichen Ziel: KI. Sein Ansatz zielt auf Alternativen zu heutigen Transformer-Modellen, die er als limitiert in Planung und Entscheidungsfindung betrachtet.
Einschätzung von boersen-parkett.de
Die drei Fälle unterscheiden sich in Timing und Schärfe. Schiff betreibt seit Jahren Stimmungsmache gegen Bitcoin, ohne je wirklich in den Markt eingegriffen zu haben. Bitfarms hingegen handelt: Der Umbau zu einem KI-Infrastrukturunternehmen ist operativ bereits im Gang. McCaleb hat Krypto faktisch schon hinter sich gelassen. Was alle drei verbindet, ist die Richtung – weg von Bitcoin, hin zu alternativen Anlageformen oder Technologien. Ob das ein Warnsignal für den Markt ist oder schlicht eine Momentaufnahme im Bärenmarkt 2026, bleibt offen.
Einzuordnen ist das alles vor einem bekannten Hintergrund: In Schwächephasen dominieren negative Schlagzeilen – das war in jedem Bärenmarkt der Bitcoin-Geschichte so. Schiff warnt seit 2013, Miner restrukturieren sich zyklisch, und Gründer der frühen Krypto-Ära wechseln schon länger die Felder. Dass Bitcoin am Donnerstagmorgen bei 66.842 Dollar notiert, ist kein Kollaps – sondern eine Konsolidierung auf einem Niveau, das vor zwei Jahren noch als utopisch galt. Erfahrene Marktbeobachter wissen: Das Blatt dreht sich oft genau dann, wenn die Stimmung am Boden ist.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
