Der New Yorker ETF-Anbieter Roundhill Investments wird am 5. Mai 2026 die ersten regulierten Prognosemarkt-ETFs der USA an die Börse bringen. Das geht aus einer aktuellen SEC-Einreichung hervor, die der Bloomberg-Analyst James Seyffart am Dienstag öffentlich machte. Insgesamt sechs Fonds sollen Anlegern erstmals erlauben, über ein klassisches Brokerage-Konto auf den Ausgang amerikanischer Wahlen zu wetten – ohne den Umweg über spezialisierte Plattformen wie Polymarket oder Kalshi.
Die Produktpalette teilt sich in zwei Blöcke: Vier ETFs zielen auf die Kongresswahlen am 3. November 2026 und tracken jeweils, ob Demokraten oder Republikaner die Mehrheit im Senat beziehungsweise Repräsentantenhaus erringen. Die beiden prominentesten Fonds – BLUP (Demokraten) und REDP (Republikaner) – beziehen sich auf die Präsidentschaftswahl am 7. November 2028. Beide ETFs verschaffen sich ihr Engagement nicht direkt, sondern über Swap-Vereinbarungen, die an Binär-Eventkontrakte auf CFTC-regulierten Marktplätzen gekoppelt sind. Diese Kontrakte zahlen ein US-Dollar pro Anteil aus, falls das jeweilige Ereignis eintritt – und null Dollar, falls nicht.
Totalverlust-Warnung
Im Prospekt findet sich ein bemerkenswerter Hinweis. Sollte die im Fonds gewettete Partei nicht gewinnen, wird der ETF „praktisch seinen gesamten Wert verlieren“. Anders als Konkurrenzprodukte werden die Roundhill-Fonds nach der Wahl jedoch nicht aufgelöst. Sobald der Markt fünf Handelstage in Folge einen Sieger oberhalb von 0,995 oder unterhalb von 0,005 US-Dollar einpreist, gilt das Ergebnis als entschieden. Das Kapital rollt dann automatisch in den nächsten Wahlzyklus weiter – bei den Kongress-ETFs in die Midterms 2028, bei BLUP und REDP in die Präsidentschaftswahl 2032. Wird der Marktpreis im Nachhinein widerlegt, gibt es laut Prospekt „keinen Rückgriff“ für Anteilseigner.
Roundhill ist nicht allein. Auch Bitwise (unter der Marke „PredictionShares“) und GraniteShares haben praktisch identische Anträge bei der SEC eingereicht. Seyffart rechnet mit einem koordinierten Marktstart aller drei Anbieter rund um den 5. Mai. Hintergrund ist das massiv gewachsene Volumen des Sektors: Polymarket und Kalshi sollen im März 2026 zusammen rund 24,3 Milliarden US-Dollar an Handelsvolumen verzeichnet haben – ein Niveau, das ETF-Emittenten als institutionelle Goldgrube sehen.
Einschätzung
Für die Zielgruppe deutscher Privatanleger sind die neuen Wahl-ETFs in mehrfacher Hinsicht interessant, aber auch problematisch. Positiv ist, dass Prognosemärkte erstmals einen regulierten Wrapper bekommen und damit für viele Investoren überhaupt erst zugänglich werden. Gleichzeitig handelt es sich um Produkte mit binärem Auszahlungsprofil – das Risiko eines Totalverlusts ist nicht theoretisch, sondern strukturell eingebaut. Wer glaubt, hier ein klassisches ETF-Investment im Sinne breiter Diversifikation zu finden, missversteht das Produkt. Realistisch betrachtet sind diese Fonds eher hochspekulative Wett-Vehikel im ETF-Mantel – geeignet für Anleger, die bewusst eine Meinung zum Wahlausgang spielen möchten und den Einsatz im Zweifel komplett abschreiben können. Hinzu kommt: Eine Handelbarkeit über deutsche Broker ist bislang nicht gesichert, da US-domizilierte ETFs hierzulande regelmäßig an PRIIPs-Vorgaben scheitern. Anleger sollten daher abwarten, ob und wann die Produkte über deutsche oder zumindest europäische Schnittstellen verfügbar werden – und sich der Tatsache bewusst sein, dass der CFTC-Kompetenzstreit mit einzelnen US-Bundesstaaten das gesamte Marktsegment kurzfristig auch wieder kassieren könnte.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.