Bitcoin-ETFs: 9-Tage-Serie gerissen – drei rote Tage in Folge kosten 436 Millionen Dollar

Alex Merten

30.04.2026, 05:47 Uhr

,

Die US-amerikanischen Bitcoin-Spot-ETFs steuern auf einen schwachen April-Abschluss zu. Zwischen dem 27. und 29. April zogen Anleger nach Daten von Farside Investors netto rund 436 Millionen US-Dollar aus den Produkten ab – und brachen damit eine Zuflussserie, die das Segment zuvor zum stärksten Monat seit Januar gemacht hatte. Ob der heutige Handelstag den Streak verlängert oder dreht, entscheidet über die endgültige April-Bilanz.

Der Tagesüberblick zeigt das ganze Ausmaß der Kehrtwende. Am 27. April flossen netto 263,2 Millionen Dollar ab, am 28. April weitere 89,7 Millionen, und am 29. April nochmals 82,9 Millionen. In Summe ergibt das 435,8 Millionen Dollar in drei Handelstagen – die schärfste Korrektur, seit Bitcoin im April auf seinen jüngsten Rallye-Pfad eingebogen ist.

Wer sind die Verkäufer?

Auffällig ist, dass die Outflow-Tage von verschiedenen Häusern getrieben werden. Am 27. April war es vor allem Fidelitys FBTC mit einem Abfluss von 150,4 Millionen Dollar, gestützt durch GBTC mit weiteren 46,6 Millionen. BlackRocks IBIT – sonst der größte Treiber in beide Richtungen – meldete an diesem Tag keine Veränderung.

Am 28. April drehte sich das Bild: Hier war es BlackRocks IBIT selbst, der 112,2 Millionen Dollar Abflüsse verzeichnete. Bitwise BITB kam mit 13,7 Millionen hinzu, FBTC mit weiteren 5,0 Millionen. Einzig ARK 21Shares (ARKB) konnte mit 41,2 Millionen Dollar Zuflüssen gegensteuern.

Am 29. April setzte sich der Verkaufsdruck fort: FBTC verlor weitere 36,1 Millionen, ARKB diesmal 30,0 Millionen, GBTC 21,1 Millionen. Selbst Invescos BTCO meldete mit 6,5 Millionen Dollar erstmals seit Wochen wieder einen Abfluss. Einzig Morgan Stanleys MSBT konnte mit 10,8 Millionen Dollar Zuflüssen erneut gegensteuern.

Der einzige Gewinner: Morgan Stanley MSBT

In den vorliegenden Farside-Daten vom 13. bis 29. April sticht ein Fonds heraus, über den bislang kaum berichtet wird: Morgan Stanleys MSBT. Der erst kürzlich gestartete Spot-ETF verzeichnete an zehn von dreizehn ausgewerteten Handelstagen Nettozuflüsse – und an keinem einzigen Tag Abflüsse. In Summe flossen MSBT in dieser Zeit rund 132,6 Millionen Dollar zu, oft in einer Größenordnung von 8 bis 19 Millionen pro Tag.

Damit ist MSBT der einzige Fonds in der Farside-Tabelle, der durchgehend Kapital anzieht – selbst an Tagen, an denen das gesamte Segment unter Druck steht. Das spricht für gezielte Allokationsentscheidungen aus dem Beraternetzwerk von Morgan Stanley, weniger für taktisches Trading. Mit einer Gebühr von 0,14 Prozent ist MSBT zudem nach Franklins EZBC der zweitgünstigste Spot-ETF am Markt.

Grayscale: Der bekannte Abwärtstrend setzt sich fort

Auf der anderen Seite des Spektrums steht Grayscales klassischer GBTC. Der Fonds mit 1,50 Prozent Gebühr – dem mit Abstand teuersten Produkt am Markt – verzeichnete an acht von dreizehn Handelstagen Abflüsse. Insgesamt flossen aus GBTC in diesem Zeitraum rund 205,4 Millionen Dollar ab.

Der parallel laufende günstigere Bitcoin Mini Trust (BTC, 0,15 Prozent Gebühr) zeigt ein gemischteres Bild mit Inflows an einigen Tagen, allerdings ohne den klaren Trend, den MSBT abliefert.

Der Kontext: Stärkster April seit 2020 in Sicht

Die Outflow-Tage am Monatsende relativieren ein insgesamt herausragendes Ergebnis nicht grundlegend. Der Bitcoin-Kurs hat im April bislang rund 13,7 Prozent zugelegt und liegt damit auf Kurs zum stärksten April seit 2020. Die kumulierten Nettozuflüsse in die Spot-Bitcoin-ETFs lagen Mitte des Monats bei rund 2,43 Milliarden Dollar – der stärkste Monatswert seit Januar. Auch nach den drei Verlusttagen bleibt der April damit klar im Plus.

Die Rallye startete Mitte April mit einer Serie von neun aufeinanderfolgenden Inflow-Tagen, die ihren Höhepunkt am 17. April mit 663,9 Millionen Dollar an einem einzigen Tag fand. BlackRocks IBIT vereinte in diesem Zeitraum den Großteil der Zuflüsse auf sich – laut Marktbeobachtern rund 91 Prozent der Wochenzuflüsse zwischen dem 13. und 17. April.

Einschätzung

Drei rote Tage in Folge wirken nach einer fast dreiwöchigen Rallye dramatischer, als sie es wirtschaftlich sind. Bei einem ETF-Segment, das im April rund 2,4 Milliarden Dollar an Zuflüssen verbucht hat, sind 436 Millionen Dollar Korrektur weniger ein Trendbruch als eine Verschnaufpause. Spannender ist der strukturelle Befund: Während Grayscales teurer GBTC weiter abverkauft wird, ziehen günstigere Produkte wie Morgan Stanleys MSBT konstant Kapital an.

Boersen-Parkett bei Google als bevorzugte Nachrichtenquelle markieren und keine Finanz- und Krypto-News mehr verpassen.