Die Entwicklerteams hinter Zcash haben einen verbindlichen Fahrplan für das Netzwerk-Upgrade NU7 vorgelegt. Vorgesehen ist die Aktivierung auf dem Mainnet am 5. November 2026, nachdem das Testnetz bereits am 6. Oktober umgestellt werden soll. Der Code soll bis zum 30. September fertiggestellt sein. Die endgültige Entscheidung über die Aktivierungshöhe fällt am 20. Oktober – bis dahin ist der November-Termin ein Zielwert, kein bestätigter Starttermin.
Inhaltlich umfasst NU7 drei Blöcke: die Reduktion der angestrebten Blockzeit von 75 auf 25 Sekunden, die Deaktivierung des alten v4-Transaktionsformats samt sofortiger Sprout-Abwicklung sowie die Integration des sogenannten Network Sustainability Mechanism. Neue Transaktionsformate bringt das Upgrade nicht mit. Wallets müssen daher voraussichtlich nicht angepasst werden, während Full Nodes, Indexer und Block-Explorer Aktualisierungen benötigen.
Zcash News: Was die 25-Sekunden-Blöcke technisch bedeuten
Die Umstellung der Blockzeit verkürzt die durchschnittliche Wartezeit auf die erste Bestätigung von 75 auf 25 Sekunden. Krypto-Börsen und Bridges, die auf eine feste Zahl an Bestätigungen warten, geben ZEC entsprechend in rund einem Drittel der bisherigen Zeit frei. Pro Tag entstehen künftig 3.456 statt 1.152 Blöcke.
Weniger beachtet, aber für die Netzwerkökonomie relevanter: Mit dem Upgrade werden erstmals harte Obergrenzen für abgeschirmte Transaktionen pro Block eingeführt. Vorgesehen sind maximal 330 Orchard-Actions, 300 Sapling-Ein- und -Ausgaben sowie 25 Sprout-JoinSplits, zusätzlich begrenzt durch ein globales Budget von 330 Einheiten über alle Pools hinweg. Für Standardtransaktionen mit zwei Actions steigt der Orchard-Durchsatz damit von rund 2,9 auf 6,6 Transaktionen pro Sekunde. Gleichzeitig sinkt die theoretische Worst-Case-Bandbreite für Light Wallets trotz verdreifachter Blockanzahl von rund 270 auf 169 Megabyte pro Tag.
Die Emission bleibt in ZEC pro Zeiteinheit unverändert. Dafür wird die Belohnung je Block durch drei geteilt – von 1,5625 auf 0,26041666 ZEC – und das Halving-Intervall von 1,68 auf 5,04 Millionen Blöcke gestreckt. Der Halving-Rhythmus in Kalenderzeit bleibt damit erhalten.
Der Gebührenmechanismus ist kleiner, als er klingt
Parallel führt NU7 eine Regel ein, nach der mindestens 60 Prozent der Transaktionsgebühren je Block aus dem Umlauf genommen werden. Die verbleibenden 40 Prozent gehen weiterhin an die Miner. Anders als bei einer klassischen Verbrennung sollen die entzogenen Mittel ab Februar 2031 über Blockbelohnungen zurückfließen und dann das Minereinkommen stützen, wenn die reguläre Emission durch weitere Halvings sinkt.
Die Dimension dieses Mechanismus wird in der Berichterstattung regelmäßig überschätzt. Die Schätzung im zugehörigen Verbesserungsvorschlag selbst geht bei aktuellem Transaktionsaufkommen von rund 211 ZEC aus, die pro Jahr dem Umlauf entzogen würden. Dem steht nach der Umstellung eine jährliche Emission von etwa 328.500 ZEC gegenüber. Der Entzug entspricht damit knapp 0,06 Prozent der Neuemission – bei einem ZEC-Kurs um 1.450 US-Dollar ein Gegenwert im niedrigen sechsstelligen Dollarbereich pro Jahr. Als angebotsseitiger Kurstreiber taugt der Mechanismus bei heutigem Gebührenniveau nicht. Seine Bedeutung liegt in der Architektur: Er schafft die Grundlage, den 60/40-Schlüssel später anzupassen, wenn Gebühren tatsächlich einen relevanten Teil des Sicherheitsbudgets tragen sollen.
Warum steigt Zcash? Abstimmung und Marktumfeld
Dem Zeitplan vorausgegangen war eine Reihe von Abstimmungen. An der Coinholder-Umfrage beteiligten sich rund 2,4 Millionen ZEC und damit etwa 66 Prozent des stimmberechtigten Pools. 98,9 Prozent sprachen sich dafür aus, den bestehenden Halving-Zeitplan beizubehalten statt auf eine geglättete Emissionskurve umzustellen. 96,6 Prozent votierten für Februar 2031 als Startpunkt der Rückführung.
Der Kursverlauf lässt sich zeitlich klar zuordnen: ZEC notiert nach einem Anstieg von rund 170 Prozent binnen 30 Tagen bei etwa 1.450 US-Dollar, die Marktkapitalisierung liegt bei rund 24 Milliarden US-Dollar. Der Markt honoriert dabei weniger die technischen Parameter als die Bestätigung des Bitcoin-ähnlichen Emissionsmodells – die Alternative hätte die Halvings durch eine gleichmäßigere Ausschüttung ersetzt.
Bemerkenswert ist, dass die Gremienabstimmungen in einem Punkt gegenläufig ausfielen. Während die Coinholder mit klarer Mehrheit für 2031 stimmten, favorisierten die beteiligten Panels eine möglichst frühe Rückführung. Aufgelöst wurde der Widerspruch nicht durch ein formales Verfahren, sondern durch eine Abstimmung der beteiligten Organisationen untereinander, die sich auf 2031 als konservativste Lesart verständigten. Für ein Governance-Modell, das sich über mehrere Gremien legitimiert, ist das eine Schwachstelle, die bei kontroverseren Fragen deutlicher zutage treten dürfte.
Zcash Prognose: Welche Risiken im Upgrade stecken
Die Verdreifachung der Blockfrequenz hat einen Preis, der in der Diskussion um schnellere Zahlungen untergeht. Die Rate verwaister Blöcke liegt derzeit bei etwa 0,4 Prozent. Theoretisch steigt sie bei 25-Sekunden-Blöcken auf rund 3,26 Prozent, in einem Testnetz mit 99 geografisch verteilten Knoten wurden 4,86 Prozent gemessen. Das liegt unterhalb der als Sicherheitsgrenze gesetzten Marke von 5,4 Prozent, bedeutet aber eine Verzehnfachung gegenüber heute. Verwaiste Blöcke begünstigen tendenziell größere Mining-Pools, weil diese Blöcke schneller im eigenen Netz verbreiten.
Zweiter Punkt: Die maximal unterstützte Reorganisationstiefe wird von 99 auf 600 Blöcke angehoben, um das zeitliche Sicherheitsfenster von rund vier Stunden wiederherzustellen. Das bedeutet ausdrücklich, dass eine unterstützte Reorganisation auch bereits gereifte Coinbase-Ausgaben ungültig machen kann. Als Begründung wird ein Vorfall bei einem anderen Proof-of-Work-Netzwerk im April 2026 angeführt, bei dem eine ungültige Kette über 13 Blöcke bestand und die Bereinigung drei Stunden dauerte.
Schließlich sind die beiden zentralen Verbesserungsvorschläge formal weiterhin im Entwurfsstatus. Ob der Zeitplan hält, entscheidet sich am Verhalten des Testnetzes zwischen dem 6. und dem 20. Oktober. Ein Verschieben der Aktivierung wäre kein Scheitern des Upgrades, sondern der vorgesehene Ablauf.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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