Die Kryptobörse AscendEX (vormals BitMax) hat ihren Geschäftsbetrieb mit Wirkung zum 1. Juli 2026 eingestellt. In einem auf den 6. Juli datierten Schreiben nennt das Unternehmen die fehlende Zulassung unter der EU-Verordnung MiCA, die zum 1. Juli vollständig in Kraft getreten ist, sowie „weitere regulatorische, finanzielle und operative Erwägungen“ als Gründe. Eine MiCA-Autorisierung besitzt AscendEX nicht.
AscendEX stellt Betrieb ein: Das ist ab dem 1. Juli 2026 passiert
Für Nutzerinnen und Nutzer bedeutet die Einstellung einen weitreichenden Funktionsverlust. Konten können nicht mehr eröffnet, Assets nicht mehr eingezahlt werden. Handel, Swaps, Staking, Lending sowie Referral- und Promotionsprogramme sind eingestellt. Der Kontozugang bleibt laut Ankündigung nur noch für eingeschränkte Offboarding-Funktionen bestehen: das Stellen von Auszahlungsanträgen, KYC-Aktualisierungen, Beschwerden, Support und den Export der Transaktionshistorie.
AscendEX Auszahlung: Warum automatische Payouts gestoppt sind
Im Zentrum der Sorgen steht die AscendEX-Auszahlung. Seit dem 6. Juli 2026 sind automatische Auszahlungen pausiert. Sämtliche Anträge unterliegen einer manuellen Prüfung, die Kontoverifizierung, KYC-, AML- und Sanktionskontrollen, Betrugsprävention, Abgleich von Guthaben und Beständen, Netzwerkverfügbarkeit sowie mögliche insolvenzbezogene Anforderungen umfasst. AscendEX räumt in seinem Schreiben ausdrücklich ein, keine Zusicherungen zu Zeitpunkt oder Höhe der Auszahlungen geben zu können. Anträge könnten sich verzögern, weitere Angaben erfordern oder während der laufenden Prüfung gar nicht bearbeitet werden.
Der wahre Grund hinter der AscendEX-Schließung: Gescheiterter Liquiditätsdeal
Die offizielle MiCA-Begründung erzählt nicht die ganze Geschichte. Gegen Ende des Schreibens verweist AscendEX auf eine „vereinbarte strategische Transaktion“, auf die sich die Börse verlassen habe – die Gegenseite habe jedoch nicht geliefert. Dieser gescheiterte Liquiditätsdeal gilt als zentraler Auslöser hinter der Schließung.
AscendEX Reserven fast leer: Was Onchain-Daten und ZachXBT zeigen
Der Onchain-Ermittler ZachXBT hatte bereits vor der offiziellen Ankündigung Alarm geschlagen. In einer Nachricht vom 26. Juni wies er darauf hin, dass die bekannten Reserven der Börse große Assets wie Ethereum, USDT und Solana vermissen ließen. Am 2. Juli ergänzte er, dass Auszahlungen weiterhin nicht bearbeitet würden, während Einzahlungen weiter angenommen worden seien, und rief Betroffene dazu auf, sich an lokale Behörden zu wenden.
Die Onchain-Daten untermauern die Bedenken. Die Reserven von AscendEX fielen am 20. Juni um mehr als 240 Millionen US-Dollar – weniger als zwei Monate nach einer Liquiditätszufuhr in ähnlicher Größenordnung, vor der die Bestände stabil bei rund 50 Millionen Dollar lagen. Nach Daten von Arkham Intelligence hielt die als AscendEX gekennzeichnete Adresse zum 8. Juli nur noch Kryptowerte im Umfang von etwa 13,45 Millionen Dollar, wovon über 12 Millionen auf den plattformeigenen ASD-Token und den UNITE-Token entfielen. Das 24-Stunden-Handelsvolumen der Börse liegt bei null.
AscendEX Geld zurückbekommen: Betroffene berichten von blockierten Guthaben
Einzelne Nutzer berichten von Einschränkungen, die deutlich vor der offiziellen Ankündigung begannen. Ein Betroffener schilderte, seine Auszahlungen seien bereits ab dem 6. Mai beschränkt worden; eine am 24. Juni autorisierte erste Abwicklungsauszahlung sei später ohne Transaktions-ID als „Refunded“ markiert worden. Nach seiner Darstellung stehen 34.174 USDT und 25.592 XRP weiterhin aus. Eine verbindliche Zeitschiene zur Rückgewinnung der Mittel existiert derzeit nicht.
Einordnung: AscendEX und das Risiko zentralisierter Verwahrung
Der Fall AscendEX reiht sich in eine Serie von Marktaustritten ein, die die MiCA-Übergangsfrist zum 1. Juli 2026 begleitet. Die Börse, 2018 gestartet und 2021 nach einer 50-Millionen-Dollar-Finanzierungsrunde unter Führung von Polychain Capital und Hack VC ein Schwergewicht der Branche, verdeutlicht das Kernrisiko zentralisierter Verwahrung: Nutzer verlieren im Ernstfall die Kontrolle über ihre Bestände, wenn eine Plattform in die Abwicklung geht.
FAQ zu AscendEX
Ist AscendEX geschlossen?
Ja. AscendEX hat den Betrieb mit Wirkung zum 1. Juli 2026 eingestellt. Handel, Einzahlungen, Staking und weitere Services sind abgeschaltet; der Kontozugang besteht nur noch für begrenzte Offboarding-Funktionen.
Kann ich bei AscendEX noch Auszahlungen vornehmen?
Automatische Auszahlungen sind seit dem 6. Juli 2026 pausiert. Anträge sind weiterhin möglich, laufen aber über eine manuelle Prüfung. AscendEX kann weder Zeitpunkt noch Höhe garantieren.
Warum hat AscendEX den Betrieb eingestellt?
Offiziell wegen fehlender MiCA-Zulassung sowie weiterer regulatorischer, finanzieller und operativer Faktoren. Im Schreiben nennt die Börse zusätzlich eine gescheiterte strategische Transaktion.
Bekomme ich mein Geld von AscendEX zurück?
Das ist derzeit ungewiss. Onchain-Daten deuten auf fast leere Reserven hin. Betroffene sollten einen Auszahlungsantrag stellen, ihre KYC-Daten aktualisieren, die Transaktionshistorie exportieren und eine Meldung bei den zuständigen Behörden prüfen.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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