Der börsennotierte Bitcoin-ATM-Betreiber Bitcoin Depot (NASDAQ: BTM) hat am 18. Mai 2026 ein freiwilliges Chapter-11-Verfahren beim U.S. Bankruptcy Court for the Southern District of Texas eingeleitet. Das Unternehmen, das mit zuletzt rund 9.000 Kiosks als größter Krypto-ATM-Betreiber Nordamerikas galt, wickelt seinen Betrieb geordnet ab und veräußert seine Vermögenswerte. Das ATM-Netzwerk ist bereits vollständig offline.
CEO Alex Holmes begründet den Schritt in der Mitteilung mit einer materiell veränderten Geschäftsgrundlage: verschärfte Compliance-Pflichten, neue Transaktionslimits und in mehreren US-Bundesstaaten regelrechte Verbote für BTM-Operationen. Hinzu kommt eine Klagewelle gegen den Konzern – insbesondere von den Generalstaatsanwälten der Bundesstaaten Massachusetts und Iowa, die Bitcoin Depot unzureichenden Verbraucherschutz vor Krypto-Scams vorwerfen. Unter diesen Bedingungen sei das aktuelle Geschäftsmodell nicht mehr tragfähig.
Scam-Vorwürfe als zentrales Druckmittel der US-Behörden
Krypto-Geldautomaten gehören seit Jahren zu den bevorzugten Auszahlungswerkzeugen organisierter Betrugsmaschen. Bei sogenannten Pig-Butchering- und Romance-Scams werden Opfer dazu gebracht, Bargeld an einem BTM einzuzahlen und an Wallets der Täter zu senden – oft im fünfstelligen Bereich pro Transaktion. Da die Übertragungen on-chain irreversibel sind, sind die Mittel praktisch verloren.
Die Klagen aus Iowa und Massachusetts zielen genau auf diesen Mechanismus. Vorgeworfen wird Bitcoin Depot unter anderem, Transaktionslimits zu lasch gesetzt und Warnhinweise unzureichend implementiert zu haben. Bitcoin Depot verweist auf nachgeschärfte Identitätsprüfungen, Betrugswarnungen und niedrigere Transaktionslimits – nach Einschätzung der Behörden offenbar zu spät und zu wenig. Bereits im November 2025 entschied ein Schiedsgericht zudem zugunsten des konkurrierenden, ebenfalls insolventen BTM-Betreibers Cash Cloud (Coin Cloud) gegen die Bitcoin-Depot-Tochter BitAccess über 18,47 Mio. US-Dollar.
Geschäftsmodell BTM unter strukturellem Druck
Die Zahlen unterstreichen den regulatorischen Schock: Im ersten Quartal 2026 brach der Umsatz auf etwa 83,5 Mio. US-Dollar ein – ein Rückgang von rund 49 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Nettoverlust lag bei 9,5 Mio. US-Dollar nach einem Gewinn von 12,2 Mio. US-Dollar im Vorjahresquartal. Wenige Tage vor dem Insolvenzantrag hatte das Unternehmen eine Going-Concern-Warnung ausgesprochen.
Bitcoin Depot ist nicht der erste große BTM-Anbieter, der unter regulatorischem Druck zusammenbricht. Cash Cloud beantragte bereits 2023 Chapter 11. Das Muster wiederholt sich: sinkende Transaktionsvolumina durch strengere KYC-Pflichten, steigende Rechtskosten durch Verbraucherklagen, parallel ein Vertrauensverlust bei Banken und Standortpartnern. Die kanadischen Tochtergesellschaften sind in das US-Verfahren einbezogen; weitere Auslandseinheiten werden nach lokalem Recht abgewickelt. Als Rechtsberater fungiert Vinson & Elkins LLP, als Restrukturierungsberater Portage Point Partners.
Für deutsche Anleger ist der Fall vor allem ein regulatorisches Signal: Die US-Bundesstaaten greifen bei Krypto-Infrastruktur, die direkten Endkundenkontakt mit Bargeld hat, mittlerweile so hart durch, dass etablierte Geschäftsmodelle binnen weniger Quartale unrentabel werden.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
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