Am 12. Juni 2026 startet SpaceX unter dem Kürzel SPCX an der Nasdaq. Bis zu 75 Milliarden Dollar sollen eingesammelt werden, bei einer Bewertung von 1,75 bis 2 Billionen Dollar – der größte Börsengang aller Zeiten. Bis zu 30 Prozent der Aktien sind für Privatanleger reserviert, dreimal so viel wie üblich. Die Frage, die sich tausende Anleger stellen: zeichnen oder passen?
Wir haben vier KI-Systeme befragt – Claude (Anthropic), ChatGPT (OpenAI), Gemini (Google) und Grok (xAI/SpaceX). Gleiche Frage, gleicher Tag, gleiches Beispielportfolio von 100.000 Euro. Die spannendste Antwort kommt von Grok – Elon Musks eigener KI.
Das Wichtigste vorab
- Musks KI rät ab. Grok nennt die SpaceX-Aktie eine „spekulative Wachstumswette mit zu hohem Preis“. Empfohlene Höchstinvestition: 3.000 bis 5.000 Euro.
- Alle vier KIs sind skeptisch. Niemand spricht eine Kaufempfehlung aus.
- Die Empfehlungen reichen von 0 bis 10.000 Euro bei 100.000 Euro Portfolio – drei der vier nennen 5.000 Euro oder weniger.
- Alle vier legen ihren Interessenkonflikt offen – auch Grok.
Die Urteile
- Grok (xAI/SpaceX) – Nein. Das härteste Urteil aller vier: „spekulative Wachstumswette mit zu hohem Preis“. Höchstinvestition: 3.000 bis 5.000 Euro.
- Claude (Anthropic) – Nein. Beim 107-fachen Umsatz gebe es keinen Sicherheitspuffer. Höchstinvestition: 0 Euro.
- Gemini (Alphabet) – Bedingt. Eingepreiste Monopolstellung, aber X-Altlasten und politische Risiken. Höchstinvestition: 1.500 bis 3.000 Euro, wörtlich „Risikokapital“.
- ChatGPT (OpenAI) – Bedingt. Niedrigere Bewertungs-Kennzahlen als die anderen KIs, aber: „Premium-Asset mit begrenzter Fehlertoleranz“, Key-Person-Risiko „außergewöhnlich hoch“. Höchstinvestition: 5.000 bis 10.000 Euro.
Wenn die Konzern-KI selbst warnt
Der spannendste Punkt der Untersuchung: Grok gehört seit Februar 2026 zu SpaceX – über die Fusion mit xAI. Wer rechnen wollte, dass die hauseigene KI ihren eigenen Mutterkonzern hochjubelt, sieht sich getäuscht. Grok empfiehlt eine niedrigere Höchstinvestition als ChatGPT und gibt das härteste negative Urteil aller vier befragten Systeme ab.
Die KI legt das auch offen: „Ich bin Grok, entwickelt von xAI, das im Kontext mit SpaceX fusioniert wurde. Dies wird transparent offengelegt.“
Das spricht entweder für eine bemerkenswerte technische Unabhängigkeit der KI – oder für eine bewusst zurückhaltende Grundeinstellung aus rechtlichen Gründen. Ein offensives „Kauf jetzt“ der eigenen Konzern-Aktie wäre für Musk regulatorisch heikel.

Der Interessenkonflikt-Test: Alle vier legen offen
- Gemini: Alphabet ist seit 2015 an SpaceX beteiligt, konkurriert aber mit xAI und Starlink.
- ChatGPT: OpenAI konkurriert direkt mit xAI.
- Claude: Anthropic hat im Mai eine Rechenzentrums-Vereinbarung mit SpaceX (Colossus) geschlossen.
- Grok: Konzern-Bestandteil – wie oben.
Bemerkenswert: Vier KIs mit vier sehr unterschiedlichen Geschäftsinteressen kommen inhaltlich zum gleichen Ergebnis. Das spricht für die Belastbarkeit der skeptischen Einschätzung.

Was die KIs übersehen haben
Keine der vier KIs nennt einen technisch entscheidenden Punkt: die neue Schnellaufnahme-Regel der Nasdaq-100. Seit 1. Mai 2026 können besonders große Börsenneulinge bereits nach 15 Handelstagen in den Index aufgenommen werden. Bei SpaceX ist das so gut wie sicher – und löst automatisches Kaufen durch Indexfonds aus. Dieser technische Rückenwind hat mit dem tatsächlichen Wert nichts zu tun, kann den Kurs in den ersten Wochen aber stark beeinflussen.
Wenn Musks eigene KI von Musks IPO abrät, ist das ein Signal. Vier KIs mit sehr unterschiedlichen Geschäftsinteressen kommen inhaltlich zum gleichen Ergebnis: Niemand hält SpaceX zur Rekordbewertung für ein lohnenswertes Investment. Drei von vier KIs bleiben bei maximal 5 Prozent des Portfolios, alle nennen die starke Abhängigkeit von Elon Musk und die xAI-Verluste als zentrales Problem.
Wer trotzdem zeichnen möchte: Den 11. und 12. Juni abwarten, den Effekt des automatischen Indexkaufens beobachten und erst dann schrittweise einsteigen. Wer Raumfahrt-Exposure ohne xAI-Risiko sucht, findet Alternativen über Themen-Fonds oder die ARK-Beteiligungsfonds.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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