Die Krypto-Branche fährt eine Werbeoffensive in historischem Ausmaß – während parallel reihenweise Stellen gestrichen werden. Am Montag bestätigte die US-Krypto-Börse Kraken die Verpflichtung von Lukas Podolski als Werbegesicht ihrer bislang größten Deutschland-Kampagne. Der Spot startet am 4. Juni und läuft 2026 über TV, Außenwerbung, Online-Videos, Social Media und Podcasts. Der Kampagnenstart fällt zeitlich mit der FIFA-Weltmeisterschaft und der Netflix-Dokumentation über Podolski zusammen. Umgesetzt wurde die Kampagne mit dem Titel „Krypto in Einfach“ von der Agentur 360Media.
Kraken meldet für das erste Quartal 2026 zweistellige Wachstumsraten bei Umsatz und Kundenzahl in Deutschland, das nach Unternehmensangaben mittlerweile der wichtigste EU-Markt ist. Eine Kraken-Studie aus dem November 2025 unter rund 2.000 Erwachsenen ergab, dass 70 Prozent der Befragten der EU-Regulierung eine vertrauensbildende Wirkung zuschreiben. 80 Prozent gaben an, bereits in Kryptowährungen investiert zu sein oder dafür offen zu sein.
Trade Republic mit Pitt, Bitpanda mit Waltz – Hollywood-Offensive der Broker
Krakens Vorstoß ist Teil eines breiteren Trends. Am 12. Mai 2026 hatte der Berliner Neobroker Trade Republic Hollywood-Schauspieler Brad Pitt als Markenbotschafter vorgestellt – verbunden mit der nach Unternehmensangaben größten internationalen Marketingoffensive seiner Geschichte. Der Spot läuft in 18 europäischen Ländern auf TV, Streaming-Plattformen und digitalen Kanälen. Branchenschätzungen zufolge bewegen sich Honorare für europaweite Kampagnen mit globalen Stars im hohen einstelligen Millionenbereich.
Bereits im Februar 2026 hatte der Wiener Konkurrent Bitpanda eine Kampagne mit Oscarpreisträger Christoph Waltz unter dem Claim „When stocks, then Bitpanda“ gestartet. Auch hier setzt das Unternehmen auf TV-Spots, Out-of-Home in den größten Städten und digitale Kanäle in zehn europäischen Märkten.
Parallel zur Werbeoffensive: Hunderte Stellen gestrichen
Die Marketingbudgets stehen im Kontrast zur Personalentwicklung der Branche. Kraken verkündete erst unlängst die Entlassung von 150 Mitarbeitern. Coinbase hat seit Jahresbeginn 2026 rund 14 Prozent der Belegschaft abgebaut. Auch bei Algorand, Gemini, Block, Crypto.com, OP Labs, PIP Labs und Messari kam es in den vergangenen Wochen zu Personalabbau. Als Gründe nennen die Unternehmen schwache Token-Preise, makroökonomischen Gegenwind und KI-Integration.
Marktbeobachter verweisen auf eine Parallele zu 2022: Damals folgten auf den Bärenmarkt Massenentlassungen, während gleichzeitig langfristige Sponsoring-Verträge – etwa in der Champions League und der Formel 1 – weiterliefen.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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