Die US-Kryptobörse Kraken hat rund 150 Mitarbeiter entlassen und verschiebt ihren Börsengang voraussichtlich auf Ende 2026 oder Anfang 2027. Das berichteten Bloomberg und CoinDesk am 15. Mai 2026 unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen. Als Grund nennen die Quellen die breite Einführung von KI-Technologien sowie den anhaltenden Druck auf die Krypto-Märkte.
Das Unternehmen, das offiziell unter dem Namen Payward firmiert, beschäftigt rund 3.000 Mitarbeiter. Die 150 Stellen entsprechen etwa fünf Prozent der Belegschaft. Weitere Entlassungen seien laut Insidern derzeit nicht geplant. Kraken selbst bestätigte die Maßnahmen nicht im Detail, ein Sprecher verwies auf eine kontinuierliche Anpassung der Organisationsstruktur.
IPO-Pause statt Frühjahrs-Listing
Payward hatte am 19. November 2025 vertraulich einen S-1-Entwurf bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht und peilte ursprünglich ein Listing im ersten Quartal 2026 an. Im März 2026 berichtete CoinDesk, dass der Prozess aufgrund schwacher Marktbedingungen ausgesetzt wurde. Nach einem Bitcoin-Kursrückgang von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahreshoch und Sekundärmarktbewertungen 31 Prozent unter dem Series-D-Niveau entschied das Board, abzuwarten.
Co-CEO Arjun Sethi erklärte auf der Consensus Miami Anfang Mai, das Unternehmen sei zu rund 80 Prozent börsenreif. Parallel zur Stellenstreichung soll Payward laut Bloomberg eine neue Finanzierungsrunde bei einer Bewertung von 20 Milliarden US-Dollar anstreben. Die implizite Bewertung nach dem Einstieg der Deutsche Börse AG mit 200 Millionen US-Dollar liegt bei rund 13,3 Milliarden US-Dollar – ein Bewertungsabschlag von rund 33 Prozent gegenüber der angepeilten Pre-IPO-Runde.
KI ersetzt Krypto-Jobs: Coinbase und Gemini gehen denselben Weg
Kraken steht mit dem Stellenabbau nicht allein. Coinbase hatte kürzlich angekündigt, 14 Prozent der Belegschaft zu entlassen. Bei Gemini sind seit Jahresbeginn rund drei von zehn Stellen weggefallen. Beide Unternehmen begründen die Restrukturierungen ebenfalls mit dem zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz und schwächeren Handelsumsätzen. Kraken meldete im vierten Quartal 2025 sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn einen Rückgang.
Rollentausch bei den IPO-Schwergewichten
Während Kraken seinen Börsengang vertagt, beschleunigt SpaceX in die Gegenrichtung. Elon Musks Raumfahrtkonzern zieht das IPO-Pricing auf den 11. Juni 2026 vor, der erste Handelstag an der Nasdaq ist für den 12. Juni angesetzt. Bei einer Bewertung von rund 1,75 Billionen US-Dollar wäre es der größte Börsengang aller Zeiten – inklusive einer Bitcoin-Position von 8.285 BTC im Treasury, wie boersen-parkett.de zu den SpaceX-IPO-Plänen berichtete. Die Konstellation ist symptomatisch: Tech- und KI-getriebene Mega-Listings finden in den aktuellen Marktbedingungen Kapital, während Krypto-native Emittenten wie Kraken zurückstecken müssen.
Was Krypto-Investoren mitnehmen sollten
Die Verschiebung des Kraken-IPO ist ein Indikator, kein Einzelfall. Der Stellenabbau bei den drei größten US-Krypto-Börsen Coinbase, Kraken und Gemini zeigt, dass die Branche in eine Konsolidierungsphase eingetreten ist – mit KI als Beschleuniger. Für Anleger, die auf eine Kraken-Notierung gehofft hatten, verschiebt sich die Perspektive um mindestens zwölf Monate. Für die Zielgruppe der börsennahen Krypto-Investoren bleibt entscheidend, dass eine erfolgreiche Kraken-Notierung ein Vertrauenssignal für den gesamten Sektor wäre – die aktuelle Pause ist deshalb mehr als nur eine unternehmensspezifische Entscheidung.
Hier geht es zu unserem Beitrag rund um den geplanten SpaceX Börsengang im Juni 2026.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
Boersen-Parkett bei Google als bevorzugte Nachrichtenquelle markieren und keine Finanz- und Krypto-News mehr verpassen.