Die US-amerikanischen Spot-Bitcoin-ETFs haben ihre stärkste Verlustwoche seit Ende Januar 2026 hinter sich. In der Handelswoche vom 11. bis 15. Mai 2026 verließen netto 995,5 Mio. $ die elf gelisteten Produkte. Damit reißt eine Serie von sechs aufeinanderfolgenden Zufluss-Wochen.
Am Freitag, den 15. Mai, schlossen alle elf Fonds im Minus – zusammen flossen 290,4 Mio. $ ab. Kein einziges Produkt verzeichnete an diesem Tag Zuflüsse.
Bitcoin notiert am Samstagvormittag bei 78.359 $. Der Fear-and-Greed-Index von Alternative.me steht bei 31 Punkten („Angst“) nach 43 Punkten („Neutral“) am Vortag.
IBIT führt die Freitags-Abflüsse an
Den größten Einzelabfluss am 15. Mai verzeichnete BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) mit 136,2 Mio. $. Es folgten Ark Invests ARKB mit 52,5 Mio. $, Grayscale GBTC mit 43,6 Mio. $ und Fidelitys FBTC mit 39,6 Mio. $. Auch Bitwise BITB (−11,6 Mio. $) und Franklin EZBC (−6,9 Mio. $) verzeichneten rote Zahlen.
Der Freitagsabfluss reiht sich in eine durchwachsene Handelswoche ein:
Montag, 11. Mai: +27,2 Mio. $
Dienstag, 12. Mai: −233,2 Mio. $
Mittwoch, 13. Mai: −630,4 Mio. $ (größter Tagesabfluss seit dem 29. Januar 2026)
Donnerstag, 14. Mai: +131,3 Mio. $
Freitag, 15. Mai: −290,4 Mio. $
Wochenbilanz: Sechs-Wochen-Zuflussserie gerissen
Mit der aktuellen Wochenbilanz endet eine Phase von sechs aufeinanderfolgenden Zufluss-Wochen. In der Vorwoche (bis 8. Mai) hatten die elf Produkte noch 622,75 Mio. $ angezogen, in der Woche bis 1. Mai waren es 153,87 Mio. $.
Allein im März und April 2026 flossen den US-Bitcoin-ETFs insgesamt 3,29 Mrd. $ zu. Die kumulierten Nettozuflüsse seit dem Launch der Produkte im Januar 2024 belaufen sich nach Daten von SoSoValue zum 15. Mai 2026 auf rund 58,34 Mrd. $. Das verwaltete Vermögen aller elf Produkte liegt bei 104,29 Mrd. $.
Ethereum-ETFs ebenfalls unter Druck
Die Spot-Ethereum-ETFs verzeichneten in derselben Handelswoche Nettoabflüsse von 255,11 Mio. $ – die fünfte Verlustwoche in Folge. Damit setzt sich die sektorweite Risikoaversion fort.
Marktteilnehmer machen mehrere Faktoren für die Abflusswelle verantwortlich. Erstens signalisierte die Bank of Japan in der zurückliegenden Woche eine restriktivere geldpolitische Haltung, was global eine Risk-off-Bewegung auslöste. Zweitens kam die US-Inflation für April mit 3,8 % höher herein als erwartet – der höchste CPI-Wert seit September 2023. Der Erzeugerpreisindex sprang auf 6 %. Die Märkte preisen seither keine Zinssenkung der Fed im Juni mehr ein.
Drittens steht die Abstimmung über den CLARITY Act im US-Senat im Fokus. Die Prognosemarktplattform Polymarket beziffert die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung mit 73 %. Citi hat für den Fall einer erfolgreichen Verabschiedung zusätzliche ETF-Zuflüsse von 15 Mrd. $ und ein Bitcoin-Kursziel von 143.000 $ in Aussicht gestellt.
Eigene Meinung
Ein Wochenabfluss von 995 Mio. $ ist signifikant, im historischen Kontext aber keine strukturelle Trendwende. Die Mittelabflüsse erscheinen aktuell mehr als makroökonomisch getriebene Positionsanpassung denn als institutionelle Abkehr vom Asset. Drei Faktoren sind in den kommenden Tagen zu beobachten: Hält Bitcoin die 78.000-$-Marke beim Wochenschluss? Und kommt die US-Inflation im Mai wieder unter Kontrolle?

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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